"Vieles passiert im Dunkeln"

Beim Weißen Ring Kempten-Oberallgäu steht ein Führungswechsel bevor. Irmgard Leicht wird Birgit Meßmang im Amt der Vorsitzenden ablösen. die 60-Jährige ist seit zwei Jahren als Mitarbeiterin beim Weißen Ring tätig. Meßmang gibt die Leitung nach knapp fünf Jahren aus beruflichen Gründen ab, will aber Mitarbeiterin bleiben. Die neue Vorsitzende hat bereits Ideen für die Zukunft, sie will vor allem die Anlaufstellen für Kriminalitätsopfer besser vernetzen.

Meßmang blickt auf erfolgreiche Jahre zurück. Personell habe sie umstrukturiert, erzählte sie jetzt im Gespräch mit dem KREISBOTE. Aus ursprünglich vier Mitarbeitern sind zehn geworden, aus einem im Oberallgäu mittlerweile fünf. Gleichzeitig habe sie den Mitarbeiterstab deutlich verjüngt. Die Ehrenamtlichen des Weißen Rings kümmern sich um Menschen, die einem Verbrechen zum Opfer gefallen sind. Keine einfache Arbeit, denn die meisten Menschen, denen sie mit ihren Kollegen hilft, sind nicht Opfer von Straßenkriminalität in der Öffentlichkeit geworden. „Unsere größte Sorge ist, dass vieles im Dunkeln passiert. Oft geht es um häusliche Gewalt“, erzählt Meßmang. Besonders Betroffene von häuslicher Gewalt überlegen es sich später noch einmal. „Es wird schon viel angezeigt, aber auch viel wieder zurückgezogen“, so die scheidende Vorsitzende. Nur wenn die Opfer es auch selbst wollen, können sie und ihre Mitarbeiter jedoch handeln. Meist sind es die Polizei, Psychologen oder Anwälte, die die Opfer an den Weißen Ring vermitteln, nur selten kommen sie von selbst. Deswegen sei Öffentlichkeitsarbeit sehr wichtig. Das weiß auch Irmgard Leicht. „Ich möchte die Zusammenarbeit mit dem Frauenhaus, dem Kindernotruf und anderen Stellen mehr forcieren“, hat sie sich vorgenommen. Doch nicht nur die Opfer selbst, auch die Angehörigen erhalten Hilfe vom Weißen Ring. „Seit ich Vorsitzende bin hatten wir jedes Jahr einen Mord“, erinnert sich Meßmang. Viele Betroffene seien zudem nicht über ihre Möglichkeiten aufgeklärt. Dass es etwa ein Opferentschädigungsgesetz gibt, wissen viele nicht. Hier klärt der Weiße Ring auf. Auch präventiv wirken Aktionen wie ein Benefizkonzert oder die Ausstellung „Opfer“ in Sonthofen während ihrer Leitung wertete Meßmang als Erfolg. Weitere Veranstaltungen sollen auch unter Leichts Leitung folgen. „Wir gehen auch in die Schulen“, erzählt sie. Denn auch Prävention gehört zum Aufgabenbereich des Weißen Rings, der bundesweit rund 60000 Mitglieder zählt. Ein neues Problem, dass erst in der jüngeren Vergangenheit anerkannt wurde, ist das „Stalking,“ das Nachstellen und Belästigen, erzählen sie. Hier können die Mitarbeiter des Weißen Rings wertvolle Tipps geben. Betroffene sollten etwa ein Stalking-Tagebuch führen, indem jeder Telefonanruf und jede Belästigung vermerkt ist. „Nur dann kann die Polizei etwas tun“. Um es gar nicht so weit kommen zu lassen, raten die beiden Damen, seine persönlichen Daten nicht preiszugeben, und auch bei Ämtern stets zu vermerken, dass Adresse et cetera geheim bleiben müssen. Die neue Vorsitzende fühlt sich gewappnet. „Ich kann guten Gewissens die Außenstelle Kempten-Oberallgäu übernehmen“, sagt sie. Wer selbst von einem Verbrechen betroffen ist, kann sich unter der Telefonnummer 08304/492043 bei Irmgard Leicht melden.

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