Vielfältige Kunstwelten

Die Modemacherin und Ausstellerin Lara Jantz unterhält sich am Freitagabend mit dem SPD-Stadtrat Siegfried Oberdörfer. Foto: Kampfrath

Das Untergeschoss des Bürgersaals im Thingers verwandelte sich am Wochenende in einen Kunsttempel. Sieben Künstler stellten ihre Werke bei den „Kunstwelten“ aus. Bei der Vernissage am vergangenen Freitagabend reagierten die zahlreichen Besucher mit Erstaunen und Bewunderung auf viele der Exponate. Davon zeugten die nicht wenigen „Ahs“ und „Ohs“.

Organisiert hatte die „Kunstwelten“ der Verein Ikarus Thingers. Dieses Mal hieß die Initiatorin Lena Wanner. Die in Kasachstan geborene Malerin war selbst mit sechs Gemälden vertreten. Für die Leinwände verwendete Lena Wanner Acrylfarben. Ein Bild mit dem Titel „Erfrischung“ stellte eine Zitronenscheibe im Wasser dar. Auf einem anderen hatte Wanner Steine im Wasser verewigt. Die weiteren Werke zeigten Schmetterlinge, einen Admiralfalter vor einer Birke und den Kopf einer Siamkatze, deren blaue Augen den Betrachter nahezu hypnotisierten. Lena Wanner bevorzugte bei den ausgestellten Gemälden scharfe Konturen und kräftige Farben. Nelli Kelm präsentierte sich dagegen mit ihrer Fototechnik weitaus abstrakter. Auf einem ihrer fünf ausgestellten Arbeiten mit dem Titel „Das Mysterium II“ erkannte man eine kopflose Person, die vor einem Fenster stehend sich auf eine Heizung stützt. Kelms weitere Werke bestanden aus Flächen und übereinander liegenden Strichen, die wie Kratzer wirkten. Die türkische Künstlerin Nebiye Uhlemayr hatte in einem Porträt ihre beiden Töchter Yasemin und Melissa gemalt. Auf weiteren Leinwänden stellte die in Kempten wohnende Malerin eine arabische Kalligrafie sowie Abstraktes und Mystisches dar. Am meisten beeindruckte das Bildnis eines tanzenden Sufis, der sehr plastisch und lebendig wirkte. In seinen Bildern bekundete der in Kempten lebende Türke Sabahaddin Kürtül Interesse für verschiedene Themen. Seine „Akt-Impressionen“ zeigten verschiedene Körperteile von sechs nackten Frauen, zwischen denen Vögel liegen. Für Kürtül sind Bilder Erinnerungen. In seinem Werk „Europa und der Clown“ schuf er mit Hilfe von Drei- und Vierecken sowie Kreisen Gesichter und Flaggen verschiedener Nationen. „Ist das toll. Fragt sich nur, wer der Clown ist“, rief die SPD-Stadträtin Regina Liebhaber, als sie das Gemälde erblickte und mit Kürtül ins Gespräch kam. Von ganz anderem Charakter war das Bild der verschneiten „Drei Zinnen” in den Dolomiten. Der Betrachter sah eine mit weichen Konturen gemalte Naturlandschaft. Große Tiefe Der aus Russland stammende Dekorateur und Bühnenmaler Dmitry Ponkratiev scheint eine Vorliebe für Naturmotive zu haben. Seine drei ausgestellten Gemälde zeigten Bäume. Eines stellte eine Anhöhe im Wald dar, das zweite einen Garten mit Laube und Obstbäumen, das dritte eine Wiese mit Bäumen und Brücke. Die Arbeiten beeindruckten durch ihre Tiefe, satten Farben und klaren Linien. „Da möchte man sich am liebsten druntersetzen und ausruhen“, sagte eine Besucherin über den Apfelbaum in der Mitte des Gartenbildes. Zur Ausstellung gehörten auch drei Pressholzplatten von Dmitry Ponkratiev mit einer Größe von je rund zwei Quadratmetern. Mit Gips gestaltete der Künstler darauf Tiere und asiatische Schriftzeichen im Halbrelief. Die Platten bemalte er goldfarben und vor allem mit Grün, das auf den Arbeiten wie eine Patina wirkte. Zwei der Holztafeln hatten Kraniche als Motiv, die dritte zeigte Welse. Die Modemacherin Lara Jantz aus Hamburg stellte mehrere Seidenschals aus. Einen betupfte die 40-Jährige, die aus der ehemaligen Sowjetunion stammt, mit schwarzen Farbflecken, die ein interessantes Muster bildeten. Farbenfrohe Halstücher und Kissenbezüge steuerte Lena Potievskaya zu den „Kunstwelten“ bei. Die aus Kiew stammende Textildesignerin, die in Chemnitz lebt, war als einzige der sieben Künstler nicht anwesend. Die drei in Russland lebenden Künstler Alla Kulagina (Kazan), Nadejda Tabakova (Saransk) und Wladimir Emeljanov (Kazan) konnten nicht an der Ausstellung teilnehmen. Zwar erhielten sie die Visen für ihre Reise, aber die Ausfuhrgenehmigungen für ihre Bilder kamen nicht rechtzeitig. Viele Kilometer „Von der Gründung des Vereins im Jahr 2001 bis zur ersten Ausstellung sind zwei Jahre vergangen. Das ist die fünfte Ausstellung dieser Art“, sagte Gottfried Feichter, Vorsitzender des Vereins Ikarus Thingers. Zuvor seien insgesamt schon 33 Künstler in dem Saal gewesen. „Aber diese 33 brachten nicht die Kilometer zusammen wie die heute anwesenden Künstler“, sagte er. Der Verein Ikarus Thingers bekunde mit der Organisation der Ausstellung sein Interesse an der Vielfalt der Kulturen, meinte Kemptens Bürgermeisterin und Schirmherrin Sibylle Knott (FW) in ihrem Grußwort. Sie wünschte der Schau natürlich viele interessierte und kauffreudige Besucher. Die Präsentation „Kunstwelten“ endete allerdings bereits am Sonntagnachmittag.

Auch interessant

Meistgelesen

Feiern verbindet
Feiern verbindet
Bezirksmusikfest in Probstried
Bezirksmusikfest in Probstried
Schüler zeigen Einsatz
Schüler zeigen Einsatz
Indien trifft Allgäu
Indien trifft Allgäu

Kommentare