Vielseitiger Querschnitt

Seine Ästhetischen Auseinandersetzungen mit der Natur zeigt der Künstler Hans Günter Stephan derzeit in der Kemptener Kunsthalle. Foto: Tröger

Die Liebe zur Natur, zu ihren Gesetzmäßigkeiten, ihrer ästhetischen Schönheit und Einzigartigkeit ist nicht zu übersehen in Hans Günter Stephans künstlerischem Schaffen. Anlässlich seines 70. Geburtstags ist derzeit ein Querschnitt seiner vielgestaltigen „Naturaspekte – Ästhetische Auseinandersetzungen“ in der Kunsthalle zu sehen.

Dem Vorsitzenden des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK) Schwaben-Süd geht es dabei nicht darum, getreue Abbilder der Natur zu schaffen. Vielmehr greift er Details auf um sie zu erweitern, zu ergänzen oder auch zu abstrahieren. Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Natur „hat für mich schon ein bisschen politische Dimension“, bekennt Hans Günter Stephan, der seit Jahrzehnten unter anderem als Mitglied mehrerer Umweltorganisationen für den nachhaltigen Umgang mit der Natur eintritt. Eine Intention hinter seiner Arbeit: Die Menschen auf die umfassende Bedeutung der Pflanzenwelt für unser Leben aufmerksam zu machen und auf die „kleinen Schönheiten, die sonst keiner beachtet“, wie er sagt. Dass Pflanzen wieder mehr Raum in den Städten einnehmen müssen, steht für Stephan, der nach eigenem Bekunden „nie verlernt hat, darüber zu staunen, was in der Natur vorhanden ist“, außer Frage. „Intervention“ lautet so auch eine mehrteilige Serie, die wuchernde Pflanzenteile und bebaute Flächen ins Spannungsfeld rückt. „Wenn der Mensch geht, kommt die Natur wieder zu ihrem Recht“, sinniert er beim Betrachten unter anderem über den Atomunfall in Tschernobyl, nach dem sich „die Natur wieder alles zurück geholt hat“. Sechs knapp zweieinhalb Meter hohe, aneinandergereihte Holztafeln ziehen das Auge auf die farbenfroh sprühenden Kombinationen aus Fotomontage und Acryl namens „Naturornamentik“, in denen Stephan vorgefundene Naturformen erweitert und mit ihnen spielt. Eine eigene Wirkung erzielt er mit seinen feinfühlig mit Holzschnitt kolorierten schwarz-weiß Fotografien unter anderem von Steinformationen, der Struktur von Eispfützen, toten Quallen oder auch der Struktur eines Brennesselblattes. Seine Leidenschaft für das Zeichnen, Holzschnitte und Fotografieren zieht sich in vielen nicht nur ästhetisch interessanten Varianten und Kombinationen durch die gezeigten Werke. Die Vielfalt und Experimentierfreudigkeit ist trotz der genannten drei „Steckenpferde“ groß. Für seine Acrylbilder „Wachstum“ hat er beispielsweise Fotopapier verwendet, auf dem er spezielle Effekte durch Bemalung mit Entwicklerflüssigkeit erzeugt. Auch unverfälschte Naturstrukturen hat er in reinen schwarz-weiß Fotografien wirkungsvoll in Szene gesetzt, darunter Risse im Asphalt, die durch den Wechsel von gefrieren und tauen eine feine Aderstruktur entwickelt haben oder faszinierende „Vulkanschlammornamente“, die der reisefreudige Künstler auf einer Islandreise eingefangen hat. In drei Monotypien verlässt Stephan sein Faible für Naturdetails. Die Darstellungen von Bergen bei Nacht „sind ein Versuch, auch Landschaften darzustellen“, wie er meint. Die für ihn markanten Strukturbetonungen fließen auch hier ein. Damit nicht genug: Mit Schiffsobjekten aus Keramik verleiht er zudem der „Sehnsucht nach dem Meer“ Ausdruck. Wer die ganze Bandbreite der ästhetischen Auseinandersetzungen mit Naturaspekten des Künstlers Hans Günter Stephan erkunden möchte, hat dazu noch bis zum 21. Oktober in der Kunsthalle Gelegenheit. Geöffnet ist die Ausstellung dienstags, mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr, donnerstags von 15 bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags von 13 bis 18 Uhr. Mit Ausnahme Freitag, den 19. Oktober, ist der Künstler stets anwesend. Zu „Naturaspekte – Ästhetische Auseinandersetzung“ ist außerdem ein 40-seitiger Katalog erschienen.

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