Vielversprechender Auftakt

Mit einem vielfältigen Programm startete am vergangenen Wochenende das Pilotprojekt „eE-Tour Allgäu“ auf dem ADAC-Gelände. Besonders begehrt waren die Testfahrten mit Elektrofahrzeugen. Das Angebot spannte den Bogen vom 210 PS starken Tesla, dessen sechsstellige Anschaffungskosten für mindestens ebenso viel Adrenalin sorgten wie seine Leistungsstärke, bis zum dreirädrigen SAM für „entschleunigte“ Kurzstrecken. Die Testwilligkeit der Besucher für E-Roller, E-Bikes und Segways hielt sich angesichts der unfreundlichen Witterung dagegen in Grenzen.

Eine Reihe an Fachvorträgen lieferte Informationen rund um Elektromobilität, unter anderem über Einsatzmöglichkeiten in der Landwirtschaft. Rund 100 geladene Gäste aus Wirtschaft und Politik am Freitag sowie zahlreiche Besucher am Samstag machten das Interesse an innovativen Lösungen deutlich. Inmitten der sehr positiven Resonanz gab ausgerechnet die wohltuende Abwesenheit von Motorenlärm Grund für Bedenken: „Fußgänger werden herannahende Fahrzeuge nicht mehr hören“, sprach der Krugzeller Ralf Kerkmeier aus, was mehrere Besucher dachten. Alles wohl nur eine Frage der Gewöhnung, waren sich die Skeptiker aber einig. Durch das Projekt soll aufgezeigt werden, dass Umwelt und Tourismus sich nicht widersprechen müssen. Dazu sollen ab August dieses Jahres für Gäste und Einheimische „die größte heterogene Elektroflotte“, wie Projektleiter Stefan Mayer von den AÜW es nannte, in Form von etwa 50 unterschiedlichen Elektrofahrzeugen verfügbar sein. Bis Ende 2011 sollen aus dem Flottenversuch zum Beispiel Chancen und Möglichkeiten der Elektromobilität für den Tourismus im Allgäu abgeleitet oder eine kommunikationsfähige Ladeinfrastruktur aufgebaut werden, mit dem Ziel, die E-Mobilität zu einem touristischen Alleinstellungsmerkmal der Region werden zu lassen. Strom stellen die AÜW während der Projektlaufzeit an den öffentlichen Ladesäulen kostenlos zu Verfügung. Absage an Verbrennung Das Projekt eE-Tour Allgäu, an dem neun Partner unter Konsortialführung der AÜW beteiligt sind, ist Teil des Förderprogramms „IKT für Elektromobilität“ (Informations- und Kommunikationstechnologie), das von verschiedenen Bundesministerien zu 45 Prozent gefördert wird. Zusammen mit der Hochschule Kempten hatte das AÜW am Technologiewettbewerb für E-Mobilität erfolgreich teilgenommen. „Das Allgäuer Projekt hat die Jury überzeugt“, unter anderem weil landwirtschaftliche Geräte oder Carsharing eingebunden seien, lobte Stefan Schorr vom Bundesministerium für Wirtschaft die „sehr engagierten Partner“. Dass E-Mobilität erst jetzt vorankomme begründete er damit, dass „wir 100 Jahre Verbrennungsmotor gewöhnt waren“ und manche damit noch „viel Geld verdienen wollen“. Viel Nutzungspotential sah Mayer in der E-Mobilität allein deshalb, weil „die meisten Fahrten unter 50 Kilometer weit sind“ und das Fahrzeug 85 Prozent der Zeit ungenutzt stehe. „Wir könnten heute schon durchstarten“, da schließlich jeder eine Steckdose zuhause habe. Die Hochschule werde in einer Forschungseinrichtung an Schwachstellen wie Reichweite oder Batterieoptimierung arbeiten, nannte Prof. Dr.-Ing. Andreas Rupp einen Baustein. Und wenn die E-Mobilität im Allgäu mit Tourismus funktioniert, „dann nehmen die Touristen das mit nach Hause“ und erzählen es weiter“. Die Fahrzeuge können ab August an einigen Hotelleriebetrieben sowie den Gästeämtern in Hopfen am See, Oberstdorf und Bad Wörishofen gemietet werden. Weitere Orte im Allgäu sollen folgen.

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