Von Ochsenrennen bis Wiesn

Joseph Vilsmaier spricht im Colosseum Center Kempten über seinen neuen Film

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Joseph Vilsmaier im Gespräch mit dem Kreisboten. Kreativität, Wissen, Fleiß, Durchsetzungkraft, Risikobereitschaft und Langmut, mit diesen Eigenschaften ist er zu einem der Großen des deutschen Films geworden. In Kempten besuchte er eine Extravorstelllung seiner Doku „Bayern – Sagenhaft“.

Kempten – Ein ganz Großer des Bayerischen Films gab sich am vergangenen Mittwoch die Ehre und war Gast einer Vorführung seiner neuen filmischen Dokumenation „Bayern – Sagenhaft“.

Bekannt wurde Joseph Vilsmaier, der in München geboren wurde, in Niederbayern aufwuchs, in der Nähe von Augsburg ein Franziskanerinneninternat besuchte und jahrelang Musik am Konversatorium in München studierte, durch sein filmisches Schaffen. Mit Filmen wie „Herbstmilch“ (1988), „Die Geschichte vom Brandner Kaspar (2008), „Comedian Harmonists (1997) und „Nanga Parbat“ (2010) schrieb er bayerische Filmgeschichte. Für das Fernsehen war Vilsmaier als Kameramann für mehrere Tatort-Produktionen tätig. Ausgezeichnet wurde der Filmemacher, der sich bei ARRI vom Materialassistenten zum Kamerassistenten hochgearbeitet hatte, unter anderem zweimal mit dem Bayerischen Filmpreis, dem Ehrenkamerapreis und der Bayerischen Verfassungsmedaille in Silber. Letzte Woche besuchte er die Allgäu-Metropole, um seinen 90-minütigen Dokumentarfilm „Bayern – Sagenhaft“ vorzustellen.

Kurioser Reigen

Sein neuester Film ist ein kurioser Reigen über die vielfältigsten Feste, Bräuche und Traditionen seiner bayerischen Heimat, die nur allzu häufig auf uralte Sagen und Legenden zurückgehen. Mitstreiter seines humorvollen Werkes über Land und Leute im weiß-blauen Freistaat sind als Darstellerin Monika Gruber und als Sprecher Hannes Burger. Hans-Jürgen Buchner alias Haindling komponierte die Musik zur Dokumentation. Gedreht wurde „Bayern – Sagenhaft“ mit der Arri Alexa 65, die eine maximale Bildauflösung von 6K bietet, was insbesondere bei den Helikopter-Aufnahmen über Landschaft zu atemberaubenden Bildern führte. Insgesamt dauerten die Filmaufnahmen vier Jahre, da einige Feste Bayerns nicht jährlich stattfinden.

Allaweil und überhaupts, ganz was B‘sonderes

In kaum einem Land Europas identifizieren sich die Leute so stark mit ihrer Geschichte wie in Bayern. Zahllose Feste und Festspiele, Bräuche und Traditionen beruhen auf uralten heidnischen Sagen, christlichen Legenden und historischen Ereignissen. „Bayern – Sagenhaft“ erzählt in drei- bis fünfminütigen Episoden, die häufig durch Heli- und Drohnenaufnahmen miteinander verbunden sind, von diesen vielfältigen Gebräuchen. Dabei machte Vilsmaier und sein dreiköpfiges Filmteam Station in Franken, der Oberpfalz, Schwaben und Altbayern. Der Besucher kommt mit auf eine Reise, die ihn unter anderem nach Würzburg, Bamberg, Ansbach, Landshut, Lindau, Altötting und München führt. Immer wieder richtet sich der Blick vor Ort auf die gelebten, die bayerische Identität stiftenden Feste und Gebräuche, sei es Faschingsumzug, Ochsenrennen, Rokoko-Festspiele oder Wiesn.

Rede und Antwort

Nach der Aufführung seiner neuen Dokumentation stellte sich Vilsmaier den Fragen des Publikums. „Welche Episode hat Sie am meisten gerührt?“, „Wie lange wurde an „Bayern – Sagenhaft“ gedreht?, „Wie ist Monika Gruber privat?“ und „Wird es eine Fortsetzung geben?“, all das waren Fragen an den Regisseur und Kameramann. Gute 30 Minuten stand er Rede und Antwort. „Mein Anliegen war es zu zeigen, wie wichtig all diese Feste, Bräuche und Traditionen für uns Bayern sind und dass das Festhalten an diesen den Humus nährt, auf dem unser bisweilen doch einzigartiges bayerischen Wesen gedeihlich blüht“, fasste Vilsmaier sein Verlangen zusammen „Bayern – Sagenhaft“ gemacht zu haben.

Im Anschluss gab der Filmemacher demKreisboten ein Interview. Dabei offenbarte er, dass sich sein Erfolg aus mehreren Quellen speist. Vilsmaier ist ein äußerst kreativer Kopf, zugleich durchsetzungsstark und wenn man ihn kennenlernt auch Team-Player. Er hat sein Leben lang gewusst, was er wollte, hat kein Risiko gescheut und gewonnen. Ein großes Projekt möchte er noch angehen, die Verfilmung des Romans „Briefe in die chinesische Vergangenheit“ von Herbert Rosendorfer. „Bayern-Sagenhaft“ läuft noch bis zum 15. November im Colosseum Center.

Jörg Spielberg

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