Mobilitätskonzept 2030: Planungswerkstatt beschäftigt sich mit Verkehrsorganisation

Das "Große Ganze"

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Im Fokus der Planungswerkstatt 5.3 im Rahmen des „Mobiltätskonzepts 2030“ stand diesmal der Berliner Platz. Als vorgelagerter Wegweiser in die Stadt mit 64.000 PKW am Tag werden hier bereits nachgelagerte Verkehrsprobleme generiert oder im besten Fall vermieden.

„Mobiltätskonzept 2030“ der Stadt Kempten auf der Zielgeraden. Am Mittwochabend vergangener Woche lud man Stadträte, zuständige Amtsleiter und interessierte Bürger zur Planungswerkstatt 5.3 ins „S4-Gebäude“ an der Stadtmauer ein, um sich der zukünftigen Verkehrsorganisation der Gesamtstadt zu zuwenden.

Anders als der Innenstadtbereich, besitzt der äußere Bereich der Stadt eine heterogene Struktur. An die Verkehrsinfrastruktur bestehen vielseitige Nutzungsansprüche, sei es in Wohngebieten mit hoher Einwohnerdichte, in Gewerbegebieten, wo sie die schnelle Erreichbarkeit von vielen tausend Arbeitsplätzen ermöglichen soll und auf Verbindungsachsen und Autobahnzubringern, auf denen sie möglichst reibungslose Verkehrsströme generieren soll. Kempten, als urbanes Zentrum einer von Landwirtschaft geprägten Region hat zudem in der Peripherie einen großen Anteil an landwirtschaftlichen Verkehren. Zur Planungswerkstatt erschienen neben OB Thomas Kiechle und Bürgermeister Josef Mayr auch der Amtsleiter des Amtes für Tiefbau und Verkehr, Markus Wiedemann, und Baureferent Tim Koemstedt.

Fünf Handlungsschwerpunkte wurden am Abend durch die beiden Vertreter der beteiligten Planungsbüros, Tobias Schönefeld, SVU Dresden, und Christoph Bochmann, CVBD, vorgestellt. Im besonderen Fokus stand die Inaugenscheinnahme und Beurteilung der Verkehrsströme am Verkehrsknotenpunkt Berliner Platz mit seinen rund 64.000 KfZ/24h (Zählung 2016). Weitere Themen waren die Situation an der Oberstdorfer Straße, der ÖPNV, die Elektromobiltät und der Radverkehr.

Berliner Platz

Defizite in der Verkehrsorganisation und Leistungsfähigkeit wurden in erster Linie dem Berliner Platz attestiert, der als zentraler Eingangsknotenpunkt sowie als „Wegweiser in die Stadt“ fungiert. Angemahnt wurde ein Ausbaubedarf der Kaufbeurer Straße und ein Optimierungsbedarf hinsichtlich der Haltestellenanordnung und Benennung selbiger. Insbesondere die zukünftige Konversion des ehemaligen Bundeswehrareals in Wohn- und Gewerbegebiet zwinge die Verantwortlichen die Leistungsfähigkeit des Berliner Platzes zu optimieren, so die beiden Referenten der Planungsbüros aus Sachsen. Vorgestellt wurden drei Möglichkeiten einer Umgestaltung des nordwestlichen Verkehrsknotenpunkts, um einer Überbelastung und Bildung von Rückstaus entgegen zu wirken. Zum einen wurde die Idee eines großen Kreisverkehrs mit und ohne Signalisierung in die Diskussion gebracht, aber auch eine Unterführung in West-Ost-Richtung vorgeschlagen. Für eine weitere Entlastung am Berliner Platz soll eine Straßenverbindung zwischen B12 und Lenzfrieder Straße (Spange Bühl-Lenzfried) sorgen.

Handlungsbedarf im Süden

Bei der Oberstdorfer Straße wurde seitens der Planer ein vierspuriger Ausbau bis zur Einmündung Fischeröschstraße vorgeschlagen. Ein geplanter Kreisverkehr an dieser Stelle soll den von Süden her einfahrenden Autofahrern schließlich den Beginn der Innenstadt ins Auge rücken. Vom Ausbau der Oberstdorfer Straße erhoffen sich die Planer eine Entlastung der nordwärts fahrenden Verkehrsflüsse im weiter östlich gelegenen Bereich Ludwig- und Duracher Straße. Insbesondere am Zusammenkommen dieser beiden Straßen über die Schegg-Straße sieht man akuten Handlungsbedarf.

Weiterer Punkt des Abends war der ÖPNV, der durch die Schaffung neuer Achsen wie Thingers-ZUM-Sankt-Mang-Durach, Ludwigshöhe-Sankt Mang-Hbf, Ursulasried-Nordspange-Hbf und Thingers-Gewerbegebiete den Wünschen vieler Fahrgäste angepasst werden soll. „Die ZUM wird die zentrale Umsteigestelle in Kempten bleiben, die Schaffung attraktiver dezentraler Umsteigepunkte und Ergänzungsachsen wird aber von unserer Seite empfohlen“, so unisono die beiden Planer Schönefeld und Bochmann. So soll insbesondere der Bahnhofsvorplatz in seiner Bedeutung als Halte- und Umsteigestelle des ÖPNV aufgewertet werden. Zukünftig sind direkte Verbindungen vom Hbf in Richtung Klinikum, Durach, Ludwigshöhe, Weidach, Lenzfried, Auf dem Lindenberg und Leubas angedacht. Wie in vorherigen Planungswerkstätten angesprochen soll zudem das Angebot für Radfahrer auf den Hauptverkehrsstraßen im Zentrum und im Innenraum verbessert werden. Auch sollen an vielen Stellen der Stadt neue wertige Abstellplätze für Fahrräder geschaffen werden.

Zum Abschluss der Ausführungen kamen die beiden Referenten auf die Elektromobiltät zu sprechen. Ein zügiger Ausbau der Infrastruktur an Ladestationen und ein stetig wachsender Anteil an Elektrofahrzeugen am Verkehrsaufkommen wurde seitens der Experten prognostiziert.

Diskussion

Im Anschluss an die Fachreferate hatten die rund 50 Teilnehmer der Planungswerkstatt 5.3 die Gelegenheit über das Gehörte ins Gespräch zu kommen. Zuvor durften diese auf einer großen Karte ihre Anmerkungen in Form von Zetteln an den relevanten Stellen verorten. Insbesondere die Situation am Berliner Platz wurde ausgiebig erörtert. Stellvertretend für viele Teilnehmer formulierte Sozialbau-Geschäftsführer Herbert Singer: „Eigentlich sehe ich keinen großen Handlungsbedarf bei der Umgestaltung des Berliner Platzes, da ich finde, dass dort die Verkehrsströme zufriedenstellend abgewickelt werden.“ Auch der geplante Bau einer Spange Bühl-Lenzfried fand bei vielen keinen Anklang. „Es gilt die bestehende Verkehrsinfrastruktur zu optimieren, nicht neue Infrastruktur zu schaffen“, so ein Teilnehmer. „Allerdings“, ergänzte Bürgermeister Mayr, bestehe „für die geplante Spange an dieser Stelle bereits Baurecht.“ Auch zum Thema Radwegenetz gab es viele Meldungen. Nicht immer zwingend erforderlich seien separat ausgewiesene Radwege, wenn zugleich Sorge getragen würde, dass Schwerlastverkehr aus dem innerstädtischen Bereich ausgesperrt bleibt.

Jörg Spielberg

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