"Vom Agrarland zum Global Player"

Thomas Kreuzer, Leiter der Staatskanzlei und Kemptener Stadtrat, hält am Samstagvormittag im Kornhaus erstmals die Eröffnungsrede. Fotos: Tröger

Mit einem feierlichen Festakt haben Staatsminister Thomas Kreuzer und OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) am Samstagvormittag im großen Kornhaussaal die 63. Allgäuer Festwoche eröffnet. Beide unterstrichen in ihren Festansprachen die Erfolgsgeschichte des Allgäus, wiesen aber gleichzeitig auf die Herausforderungen der Zukunft hin. Für stürmischen Applaus unter den zahlreichen Anwesenden aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sorgte das Vokalensemble „Animato”, das mit seinem musikalischen Bilderbogen begeisterte. Die Allgäuer Festwoche geht noch bis zum kommenden Sonntag, 19. August.

Ungewohnt persönliche gab sich Thomas Kreuzer, Leiter der Staatskanzlei in München und CSU-Stadtrat in Kempten, bei seiner ersten Festwochen-Eröffnung. Vor rund 40 Jahren sei er zusammen mit seinem Vater das erste Mal zur Eröffnung ins Kornhaus gekommen, da seine Mutter auf seine jüngere Schwester aufpassen wollte statt mitzugehen, berichtete Kreuzer. „Ich habe damals nie gedacht, dass ich die Festwoche jemals selbst eröffnen werde”, so der Staatsminister. In der Heimatstadt die Festwoche einzuläuten, mache ihn „nervöser” als woanders eine Veranstaltung zu eröffnen, bekannte er. Die Festwoche stehe sinnbildlich für die Entwicklung des Allgäus, so Kreuzer. „Mit der Festwoche beweisen wir Jahr für Jahr – wer hart arbeitet, schreibt Erfolgsgeschichte.” Die Gegend gehöre zu den „Aufsteigerregionen Bayerns”. „Wir haben unsere Heimat zu einer Erfolgsregion gemacht”, sagte er. „Wer das starke Deutschland sehen will, der muss nach Bayern kommen, der muss ins Allgäu kommen.” Allerdings dürfe man sich weder im Allgäu noch im Rest des Freistaats auf den Lorbeeren ausruhen, mahnte Kreuzer. „Vom Agrarland zum Global Player – diesen Erfolgskurs müssen wir fortsetzen”, forderte er die Anwesenden auf. Die Staatsregierung in München werde ihren Teil dazu beitragen, kündigte der Staatsminister an und verwies vor allem auf den aktuellen Doppelhaushalt, der erneut ohne neue Schulden auskomme. Gleichzeitig verwies er auf die Klage Bayerns gegen den Länderfinanzausgleich und bekräftigte noch einmal die Keine-Vergemeinschaftung-der-Schulden-Position der CSU in der Eurokrise: „Die Leistungsfähigkeit Deutschlands hat Vorrang – das ist die Haltung der Staatsregierung und darauf können Sie sich verlassen”, betonte er. Im Allgäu gehe es künftig darum, die eingeschlagene Richtung weiter zu gehen. „Wir müssen unsere Region kontinuierlich weiter entwickeln”, appellierte Kreuzer. Verzögerungen wie beispielsweise beim Lückenschluss der A96 oder der B19 dürfe es zukünftig aber nicht mehr geben. Erfolg ausbauen Vor allem vier Bereiche müssen nach Ansicht Kreuzers forciert angepackt werden. Zum einen der Erhalt von Natur und Landschaft. Zum anderen der Erhalt der Landwirtschaft. Außerdem müsse die verkehrliche und touristische Infrastruktur sowie der Ausbau des schnellen Breitband-Internets vorangetrieben werden. Chancen sehe er auch in der Ausweisung des Allgäus als Gesundheitsregion. Ein Schritt in die richtige Richtung sei die geplante Außenstelle der Hochschule Kempten in Kaufbeuren, die von der Staatsregierung unterstützt werde. Gleichzeitig müsse die Forschung an der Bildungseinrichtung weiter ausgebaut werden. Denn: „Unser Erfolg ist nicht in Stein gemeißelt.” Wichtig dabei sei, dass das Allgäu mit einer Stimme sprechen. „Wir müssen geschlossen nach außen auftreten”, appellierte Kreuzer. OB Dr. Ulrich Netzer hatte zuvor in seiner Rede – zum Teil in Dialekt vorgetragen – auf die vielen sprachlichen Variationen im Allgäu hingewiesen – um ebenfalls den Zusammenhalt zu beschwören. „Trotz dieser Vielfalt unseres Dialekts haben wir gelernt, eine gemeinsame Sprache zu sprechen, wenn es darum geht, wichtige Anliegen nach außen, insbesondere gegenüber der Staatsregierung zu vertreten”, sagte Netzer. Dass die Allgäuer zusammen halten, wenn es eng werde, zeige beispielsweise die Zusammenarbeit zwischen den Landkreisen und den kreisfreien Städten auf dem Gebiet der Krankenhäuser. Denn Kräfte zu bündeln und „Entwicklungen vernetzt” anzugehen, seien entscheidend für die weitere Entwicklung der Region Allgäu. Hochschule fördern Ein wesentlicher Baustein in der wirtschaftlichen Entwicklung sei die Hochschule, fuhr Netzer fort. Zwar sprach auch er sich für eine Außenstelle Kaufbeuren aus. Allerdings warnte er vor weiteren Außenstellen. „Eine Campus-Hochschule kann nur dann effizient geleitet, gestaltet und weiterentwickelt werden, wenn sie sich im Schwerpunkt auf einen Standort konzentriert”, betonte er. Um die Kemptener Lehreinrichtung weiter zu spezialisieren, werde derzeit über ein Forschungszentrum für energie-effiziente Mobilitätssysteme diskutiert. „Ein Defizit im Allgäu sind fehlende Forschungszentren und Institute.” Ein weiteres Zukunftsthema in der heimischen Region sei die Energiewende, bei der alle gefordert seien. Beantwortet werden müsse allerdings noch die Frage, „ob es uns auch künftig gelingen wird, das Angebot erneuerbarer Energien mit der Nachfrage der Menschen zu koordinieren.” Denn das System könne nur funktionieren, wenn Energieerzeugungskurve und Energieverbrauchskurve „deckungsgleich sind”. Daher werde man in den nächsten Monaten einen Konsens mit der Bevölkerung erzielen müssen. „Mit der Einstellung ‘Energiewende ja, aber bitte keine Veränderungen bei mir und vor meiner Haustüre’ werden wir nicht weiter kommen”, meinte Netzer.

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