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Weitnau lehnt Ausbau eines Wohnheims für Asylbewerber ab

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Von: Lutz Bäucker

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Dieses Wohnheim für Asylbewerber in Seltmans soll ausgebaut werden.
Dieses Wohnheim für Asylbewerber in Seltmans soll ausgebaut werden. © Bäucker

Weitnau – Der Blick auf die Tagesordnung der jüngsten Sitzung des Bauausschusses ließ die Brisanz nicht erahnen. „TOP 1d – Bauantrag auf Umnutzung von Gewerbeflächen zu einer Unterkunft für Asylbegehrende auf Gemarkung Weitnau“, hieß es im schönsten Amtsdeutsch. 

Doch als Bürgermeister Florian Schmid zu den Details kam, war klar: Da steckt jede Menge Zündstoff drin.

„Die Marktgemeinde fühlt sich vom Landratsamt Oberallgäu (LRA) übergangen, die Kommunikation in dieser Angelegenheit ist inakzeptabel“, polterte Schmid. Es geht um 22 neue Asylanten-Wohnplätze in Seltmans, die ohne vorherige Absprache mit Weitnau vom Landratsamt geplant worden sind. Doch daraus wird vorerst nichts. Der Ausschuss hat dem Ausbau die Zustimmung verweigert, mit sechs zu zwei Stimmen.

Solidarität mit Asylbewerbern

„Wir sind solidarisch mit allen Beteiligten, was die Unterbringung und Integration von Asylbewerbern in unserer Gemeinde angeht“, stellte Schmid unmissverständlich klar, „wir tun, was wir können. Das ist selbstverständlich.“ Seit 2016 hat Weitnau in der ehemaligen Papierfarbrik in Seltmans 70 Plätze bereitgestellt, das sind etwa neun Prozent der im Landkreis Oberallgäu vorhandenen 780 Wohnplätze. „Wir haben als wirtschaftsschwache Kommune auch die öffentlichen Folgekosten u.a. für Kindergartenplätze und weitere soziale Angebote aufgebracht“, so Schmid weiter, „ich denke, der Markt Weitnau hat bereits überproportional viele Kapazitäten zur Verfügung gestellt.“ Dass nun auf einen Schlag 22 weitere Wohnplätze dazukommen sollen, ist nicht gerecht!“

Ärger übers Landratsamt

Der Bürgermeister ärgert sich vor allem darüber, dass das Vorhaben der Landratsamtes nicht mit ihm abgestimmt worden ist: „Da spricht man dauernd von vertrauensvoller Zusammenarbeit auf allen Ebenen, von Transparenz und Kommunikation – und nun das.“ Schmid war Ende Januar vom fränkischen Eigentümer des Wohnheims in Seltmans, der Immobilienagentur „Hecher & Hecher“ aus Nürnberg, eher zufällig informiert worden. „Die Brüder möchten die Unterkunft um ein Drittel der bisherigen Wohnfläche erweitern, das ist für die natürlich eine finanziell lukrative Option.“ Der Agentur macht Schmid keine kommunikativen Vorwürfe. „Ich habe mich sehr über das offene Gespräch mit ihnen gefreut“, sagt er.

Negatives Beispiel

Sauer ist er über das Verhalten im Landratsamt in Sonthofen. Das hat erst auf Schmids Nachfrage Anfang Februar Stellung bezogen und spricht von einem „ kommunikativen Missverständnis, für das wir uns entschuldigen wollen“. Den Bürgermeister kann das nicht beruhigen, Schmid sagt: „Das ist ein negatives Paradebeispiel für Nichtzusammenarbeit und mangelnde Kommunikation, so etwas sollte nicht passieren.“ Die Mitglieder des Weitnauer Bauausschusses schlossen sich seiner Einschätzung an und stärkten ihm den Rücken. Der Bauantrag der Nürnberger Wohnheimbesitzer wurde mehrheitlich abgelehnt. Die Stellungnahme des Landratsamtes stand bis Redaktionsschluss noch aus.

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