Wirtschaftsfaktor Tourismus

Von der Querschnittsbranche profitieren auch in Kempten viele Bereiche

Kempten Stadt an der Iller
+
Der Tourismus ist für Kempten inzwischen ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor, von dem viele Branchen profitieren.

Kempten – Die Tourismusbranche sei von der Pandemie am stärksten betroffen, war sich Moritz Spohrer von der Münchner dwif Consulting GmbH sicher, und es werde in dieser Querschnittsbranche, von der kaum ein Wirtschaftsbereich nicht profitiere, am längsten dauern, bis sie sich wieder erhole. Risiken seien dabei u.a. die kritische Haushaltslage der Kommunen, die betriebswirtschaftliche Situation der Betriebe und Tourismusorganisationen, mögliche Qualitätsdefizite durch Investitionsstau oder auch Personalengpässe. Allein in den Monaten März/April dieses Jahres hat sich das Defizit im Tagesund Übernachtungstourismus in Kempten laut Spohrer auf 27,7 Millionen Euro summiert.

Im Auftrag von Kempten Tourismus hat das dwif eine umfassende Studie zur Bedeutung des Tourismus als Wirtschaftsfaktor für die Stadt durchgeführt, deren Ergebnisse für 2019 Spohrer im Beirat für Tourismus und Stadtmarketing vorstellte. Demnach hat sich die Übernachtungs-Kurve seit 2012 „in Kempten deutlich stärker entwickelt als in Restdeutschland“ und belief sich 2019 auf 0,354 Millionen Übernachtungen in betrieblichen Betrieben, inkl. Camping, Ferienwohnungen u.a.. Dazu kommen die laut einer repräsentativen Umfrage in 2020 0,4 Millionen privaten Übernachtungen bei Freunden oder Verwandten – Gäste, die ebenfalls zum Essen gehen, Veranstaltungen besuchen, Einkaufen oder Freizeitangebote nutzen.

Die Aufenthaltstage summierten sich auf insgesamt rund 5,6 Millionen. Da die Übernachtungen in gewerblichen Betrieben als Zahl noch nichts über den Konsum der Gäste aussagt, hat das dwif in ihre Betrachtung einbezogen, was Übernachtungsgäste und Tagesreisende ausgeben und aus dem „touristischen Bruttoumsatz“ die Wertschöpfung für die Stadt ermittelt. Besonders der Anteil der Tagesgäste spielt Spohrer zufolge mit 4,8 Millionen (im Jahr 2018) „eine sehr gewichtige Rolle in Kempten“, vor allem für den Einzelhandel. Mit 209,5 Millionen Euro bezifferte Spohrer den aus Tourismus generierten Gesamtumsatz in Kempten pro Jahr. Direkte Profiteure seien zu 39,2 Prozent das Gastgewerbe (82,2 Millionen Euro), der Einzelhandel zu 39,6 Prozent 82,9 Millionen Euro) und das Dienstleistungsgewerbe zu 21,2 Prozent (44,4 Millionen Euro). Das habe natürlich auch entsprechende Auswirkungen auf die Steuereinnahmen der Stadt. Zudem seien die Einnahmen nur möglich, weil zuvor Geld investiert worden sei, z.B. in Bettzeug für die Hotels, Zutaten für das Frühstück etc. – alles „Vorleistungen an indirekte Profiteure“.

Insgesamt ermittelte das dwif eine Wertschöpfung von knapp 85 Millionen Euro durch Tourismus, was „für eine Stadt in der Größe von Kempten schon sehr hoch“ sei. Zudem wirke Tourismus als „Jobmotor“. „In 2020 sieht es leider ein bisschen anders aus, warf Spohrer auch einen Blick auf das laufende Jahr. Das Weniger an Reisenden aus dem Ausland hätten die Inlandstouristen „nicht aufgewogen“, wobei „Camping und Ferienwohnungen deutlich weniger betroffen“ gewesen seien. Die Zimmerbelegungen seien um 76 Prozent zurückgegangen und 60 Prozent der Betriebe im Gast-Gewerbe (Gast r o n o m i e und Beherbergungsbetriebe) seien „akut von Insolvenz bedroht“.

Immerhin hätten sich die Tagesausflüge „im Vergleich zum Übernachtungstourismus viel schneller erholt“ und im August „annähernd wieder das Niveau des Vorjahres erreicht“. „Die guten Zahlen im Allgäu helfen uns erstmal“, meinte Thomas Hartmann (Grüne). Aber wie lange? Und wie lange werde die Wiederbelebung dauern? Dazu könne er „keine seriöse Aussage“ machen, räumte Spohrer ein, dass sich „das Stimmungsbild maßgeblich verändert“ habe gegenüber den Monaten März/ April.

Christine Tröger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gestaltungsbeirat diskutiert über eine mögliche Umnutzung für „Kleine Basilika“ Eberhardstraße 4 
Gestaltungsbeirat diskutiert über eine mögliche Umnutzung für „Kleine Basilika“ Eberhardstraße 4 
ARD-Filme komplett im Allgäu gedreht
ARD-Filme komplett im Allgäu gedreht
Corona-Ticker: Verschärfungen für Freizeit- und Bildungseinrichtungen
Corona-Ticker: Verschärfungen für Freizeit- und Bildungseinrichtungen
Vier Buchenberger Brüder in der Spur von Rydzek und Frenzel
Vier Buchenberger Brüder in der Spur von Rydzek und Frenzel

Kommentare