Voneinander lernen

2. Jugendaustauschprojekt mit jungen Menschen aus Sambia und Deutschland

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Vor dem Aufbruch zur Allgäu-Besichtigungstour war noch Zeit für ein Erinnerungsfoto: (v.l.) Tamara Briechle (Dachser Kempten), Jan Ring (Dachser ASL Hamburg), Namo Chuma (Direktor Environment Africa), Ireen Ng´andu, Melody Libamba, Dachser-CEO Bernhard Simon, Jan-Alex Wahl (Dachser Kempten), Noemi Krebs (Studentin terrre des hommes-Netzwerk), Melanie Rack (Dachser Kempten), Tara Li (Dachser Kempten), Vera Weidemann (Head of Corporate Human Resources Dachser), Anna Büschemann (Koordinatorin Internationales Jugendnetzwerk tdh Deutschland), Bright Chikwanda, Jacqueline Shamanga und Chimunya Mutombo.

Kempten – „Wir bringen die Jungen zusammen, nicht um sie zu belehren“, sondern um die Themen gemeinsam zu bearbeiten. „Wenn wir das nicht tun, haben sie keine Zukunft“. Ihre eigene Generation habe da „zu wenig getan“. So brachte es Anna Büschemann, Koordinatorin Internationales Jugendnetzwerk terre des hommes (tdh) auf den Punkt. Sie begleitete zusammen mit ihrem sambischen tdh-Kollegen Namo Chuma, Director Environment Africa, während der letzten gut zwei Wochen die StudentInnen Ireen, Chimunya, Bright, Jaqueline und Melody aus Livingstone in Sambia, die zum Gegenbesuch im Rahmen eines Jugendaustauschprojektes von tdh und dem Logistikunternehmen Dachser nach Deutschland gekommen waren. Sie sind Mitglieder des von tdh geförderten Projektes „Environment Africa“, die sich für die Durchsetzung ökologischer Rechte einsetzen.

Von den gravierenden Mängeln im Müll- und Umweltmanagement in der südsambischen Stadt wussten auch die fünf deutschen Dachser-MitarbeiterInnen, die im Herbst letzten Jahres einen mehrwöchigen Aufenthalt in Sambia absolviert hatten, zu berichten. 

Alle gemeinsam trafen sich in der Hauptniederlassung des Logistikers in Kempten, wo sich CEO Bernhard Simon dafür interessierte, „was ihr hier voneinander gelernt habt“. Bei dem (nach einem mit Indien zweiten) Jugendaustauschprojekt liegen Schwerpunkte auf dem Kennenlernen von Land, Kultur und Leuten – deshalb erfolgt die Unterbringung in normalen Familien des jeweiligen Landes – sowie hier auch auf dem UN-Nachhaltigkeitsziel „Nachhaltige Städte und Gemeinden“. Dabei werden unterschiedliche Ebenen miteinbezogen, beispielsweise der Umgang mit Müll im persönlichen Alltag, die Sensibilisierung von Familie und Arbeitsumfeld, aber auch Gespräche mit Behörden, um geeignete Maßnahmen anzugehen. Unterstützt wird es vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. 

Simon weihte die Gäste als Anregung zur Eigeninitiative in das Geheimnis des Dachser-Erfolges ein. So habe sein Großvater, ein Freund von selbständiger Arbeit, das Unternehmen 1930, „am Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise“ gegründet. Die erste Generation habe nicht darauf gewartet, dass ihnen irgendjemand etwas gegeben habe „oder gesagt hat, was zu tun ist“. In eben diesem Geist sei das heute weltweit 30.000 Mitarbeiter zählende Unternehmen ohne viel Geld entstanden. „We can be responsible for ourselves“ („Wir können für uns selbst die Verantwortung übernehmen“), sagte er und auch, dass diese Eigenverantwortung „in mehr Menschen verankert werden“ müsse und wünschte sich den Unternehmergeist als Impulsgeber. Zwar werde die Globalisierung auch oft kritisiert, aber sie biete eben auch viele Chancen. Die Jugend, so Simon weiter, sei wichtig, um mit der nächsten Generation weltweit in Kontakt zu kommen und „voneinander zu lernen“, zum Beispiel bei Fragen inwiefern Müllmanagement in Afrika implementierbar sei. Leider zerstöre Korruption „so viele gute Ansätze“, räumte er ein. 

Den Wahrheitsgehalt des Spruchs „andere Länder, andere Sitten“ konnten die Teilnehmer aber nicht nur am Umgang mit Müll feststellen, bei dem sich die deutschen Jugendlichen mit dem Verbrennen des Hausmülls im Garten konfrontiert sahen und die afrikanischen mit einer akribischen und wie sie bekannten „beeindruckenden“, Müllverwertung. 

Auch andere Bereiche wurden thematisiert in den Begegnungen, zum Beispiel „was ist Zeit für uns?“, „warum ist Pünktlichkeit wichtig für uns?“ oder auch die persönliche Freiheit; welchen Stellenwert haben Kinder in unserer Gesellschaft? und vieles mehr. Ireen Ng’andu subsummierte: „Ich habe gelernt: Wir sind anders, kommen aus einem anderen Background“, haben aber auch Gemeinsamkeiten. Sie nehme viel mit zurück, betonte sie. Den leidenschaftlichsten Bericht lieferte Tara Li, Dachser-Mitarbeiterin aus Kempten, von ihren Eindrücken in Sambia und dem „ziemlich touristischen Livingstone“. Dort sei es sauber und ordentlich, aber außerhalb der Stadt „sieht man, dass es kein Müll-Management gibt“. Auch Livingstone sei eigentlich nicht groß genug für ein richtiges Müll-Management, aber dort gebe es junge Leute, die in den Communities aktiv seien und die Menschen über Hygiene etc. aufklärten. 

Auch habe sie gelernt, dass „miteinander sprechen wichtig ist“, erzählte sie, über sich selbst erstaunt von eineinhalbstündigen Telefonaten. Sonst schicke sie mal eben eine Whatsapp oder eine kurze Mail. In Afrika spüre man, dass sich die Menschen füreinander interessierten, sich umeinander kümmerten. „Ich wünschte mir auch mehr Gemeinschaft hier.“ Und noch etwas habe sie gelernt: „Wir haben so viel Zeug in unseren Häusern“, aber um glücklich zu sein „brauchen wir nur die Gemeinschaft“. Neben diversen Workshops standen u.a. der Besuch der tdh-Geschäftsstelle in Osnabrück auf dem straffen Programm, eine Wattwanderung an der Nordsee, eine Schifffahrt auf dem Rhein, ein Trip nach Köln, die Besichtigung eines Abfallwirtschaftshofs, ein Besuch im botanischen Garten und der Ausflug zu einem deutschen Weinanbau sowie dann im Allgäu der Besuch einer Brauerei in Rettenberg, eines Bio-Bauernhofs, natürlich einer Führung durch Kempten und eine Übernachtung auf einer Berghütte bei Blaichach.

Das auslaufende Projekt soll nach Wunsch von tdh und Dachser in dieser oder einer ähnlichen Form weiter fortgesetzt werden.

Christine Tröger

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