Vorbildliche Sanierung gewürdigt

Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl (v.l.), Monika und Hermann Hagspiel sowie Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert bei der Verleihung des Sonderpreis des Denkmalpreis. Foto: Lode

Das Schicksal des alten einsturzgefährdeten Häuschens in der Milchgasse 4 war eigentlich bereits besiegelt. Sogar die Abbruchgenehmigung war schon erteilt. Erst in letzter Sekunde konnte das historische Gebäude durch die Aufnahme in die Denkmalliste der Abrissbirne entgehen. Heute, fünf Jahre später, ist das Fachwerkhaus ein Schmuckstück, das in Kempten seines gleichen sucht. Dafür erhielt Besitzer und Sanierer Hermann Hagspiel jetzt den Sonderpreis des Denkmalpreis 2010 der Regierung von Schwaben.

Das Ergebnis der von 2006 bis 2008 dauernden Sanierung durch den Kemptener Architekten überzeugte die Juroren um Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fasel. „Die denkmalpflegerische Sanierung hat ein wertvolles Denkmal gerettet“, so Fasel in seiner Laudatio. „Es bildet in der westlichen Stiftsstadt einen bemerkenswerten städtebaulichen Akzent“, lobte der Bezirksheimatpfleger. Bis dahin war es allerdings ein langer Weg für Hagspiel. Erbaut wurde das Häuschen in der Milchgasse 4 um 1730 mit massivem Erdgeschoss und darüberliegendem Fachwerk als eine für die damalige Stiftsstadt typische Herberge. Noch im 18. Jahrhundert teilte man die ursprünglich zwei in insgesamt vier Wohnungen auf. Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte schließlich der Einbau weiterer vier Wohnungen im Dachgeschoss. Das Obergeschoss wurde durch einen separaten Treppenaufgang erschlossen. Als 2006 der Abriss des Gebäudes drohte, kaufte Hagspiel das Haus mit dem Ziel, es wieder zu ursprünglicher Gestalt und Qualität aufzuarbeiten. Was folgte waren umfangreiche Analysen wie Befunduntersuchungen oder dendrochronologische Untersuchungen, auf deren Grundlage der Architekt einen Sanierungsplan aufstellte. Im Zuge dessen gab er die Querteilung des Hauses auf und hat im Erd-, Ober- und Dachgeschoss jeweils eine Wohnung eingerichtet. Zur konstruktiven Sicherung mussten unter anderem Mauern trocken gelegt, Fundamente unterfangen und Sparren ausgetauscht werden. Ein Anbau aus den 40er Jahren wurde dagegen abgerissen und der historische Treppenaufgang in den ersten Stock wieder hergestellt. Im Inneren des Gebäudes sanierte der Besitzer vor allem die barocke Wand- und Deckenvertäfelung, stellte bauzeitliche Türen und Fenster wieder her, arbeitete alte Fußböden wieder auf und legte das Fachwerk innen frei. „Neue Bauteile im Inneren wie im Äußeren wurden in schlichter Architektur dem Baudenkmal untergeordnet, sodass das Gebäude den Dialog von Denkmalpflege und zeitgenössischer Architektur auf gelungene Weise widerspiegelt“, lobte Bezirksheimatpfleger Fassl in seiner Würdigung. „Die Außenraumgestaltung entspricht der zurückhaltenden Architektursprache und reduziert sich auf Kiesbeläge, nicht eingefriedete Grasflächen und bestehende Obstbäume, sodass das Gebäude in seiner ganzen Prägnanz im Stadtraum steht“, sagte der Augsburger Experte.

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