Auf dem Weg zum Vorreiter

„Der Umweltschutz ist ein anspruchsvolles, vielleicht das anspruchsvollste strategische Ziel der Stadt.“ Wer das am Donnerstag im Stadtrat sagte, war kein Grüner oder Mitglied der ödp. Es war Richard Hiepp, Stadtrat der CSU und mittlerweile Umweltbeauftragter des Gremiums. Somit lässt Hiepps Aussage tief blicken: Umweltschutz betrifft mittlerweile alle Parteien und alle Bereiche der Gesellschaft. Umso erfreuter zeigten sich dann auch die Stadträte quer durch alle Fraktionen über den Zwischenbericht zur Umsetzung des strategischen Ziels „Kempten – eine Vorzeigestadt im Klimaschutz“. Denn glaubt man den von Baureferentin Monika Beltinger und Klimaschutzmanager Thomas Weiß vorgelegten Papier, wird Kempten seiner Vorreiterrolle tatsächlich gerecht.

Sechs Handlungsfelder hat das im März 2011 durch den Stadtrat verabschiedete Klimaschutzkonzept festgelegt: Kommunale Entwicklungsplanung, Kommunale Gebäude und Anlagen, Ver- und Entsorgung, Mobilität, Interne Organisation und Qualitätsmanagement sowie Externe Kommunikation und Kooperation/Öffentlichkeitsarbeit. Was das für den Umweltschutz zuständige Baureferat seitdem erreicht hat und welche Herausforderungen in Zukunft noch zu bewältigen sind, erläuterte Baureferentin Monika Beltinger gemeinsam mit dem neuen Klimaschutzmanager Thomas Weiß. Kommunale Entwicklungsplanung: Hier hat die Bauverwaltung bei der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes die Bauflächen im Außenbereich erheblich reduziert. Im Stadtplanungsamt wurden praxisorientierte Checklisten zum Klimaschutz erarbeitet und fortgeschrieben. Für private Bauherren in Neubaugebieten (Petzenbühl, Jakobwiese) werden finanzielle Anreize für energieeffizientes Bauen geboten (Punktekatalog für „Zukunftsorientiertes, energieeffizientes Bauen“). Ein Baulückenkataster wurde erstellt, um die Neubebauung bislang ungenutzter Flächen zu reduzieren. So sollen künftig verstärkt Baulücken geschlossen werden. Außerdem wird offenbar darüber nachgedacht, einen „Energienutzungsplan“ einzuführen. Kommunale Gebäude und Anlagen: Städtische Gebäude wurden von Experten untersucht und Verbesserungsvorschläge gemacht. Der so entstandene Maßnahmenkatalog umfasst 387 Einzelmaßnahmen und 74 gruppierte. Suttschule, Robert-Schuman-Schule, Gustav-Stresemann-Schule und Staatliche Realschule wurden und werden energieeffizient saniert bzw. ausgebaut. In diesem Jahr soll eine Priorisierung der Maßnahmen vorgenommen werden. Energieeffizient saniert bzw. Gebaut werden sollen das Verwaltungsgebäude Rathausplatz 22, Theater, Nordschule, Staatliche Realschule, Robert-Schuman-Schule, Suttschule, Volksschule Kottern-Eich, Agnes-Wyssach-Schule und Kindergarten Oberlinhaus. Ver- und Entsorgung: Hier liegt der Schwerpunkt bei AÜW und ZAK. So hat der ZAK 2011 sein Fernwärmenetz auf 40 Kilometer ausgebaut und den Stadtteil St.-Mang daran angeschlossen. Das AÜW hat seinen Anteil an regenerativen Energien weiter ausgebaut. Bereits 2010 lag dieser bei 25 Prozent und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 18 Prozent. Bis 2020 will das AÜW mindestens 40 Prozent erreichen. Dazu kommen zahlreiche Projekte zur E-Mobilität. In diesem Jahr soll das Fernwärmenetz nun verdichtet und der Ausbau der regenerativen Energien konsequent fortgesetzt werden. Mobilität: Zentraler Punkt in diesem Bereich ist das Erstellen eines Gesamtverkehrsplans inklusive Radwegeplan für Kempten. Damit soll die Verkehrsstruktur zukunftsorientiert weiter entwickelt werden. Außerdem wird mit der Hochschule weiter über die Einführung eines Semestertickets verhandelt. Mit der Datenerhebung für das Verkehrskonzept soll noch heuer im Sommer begonnen werden. Darüber hinaus soll der Fuhrpark der Stadt Stück für Stück auf Energieeffizienz getrimmt werden. Dazu gehört auch ein Eco-Spritfahrtraining für die Mitarbeiter des Betriebshofs. Außerdem nimmt die Stadt an der Aktion „Stadtradeln“ teil. Interne Organisation/Qualitätsmanagement: Mit Thomas Weiß bekam die Stadt im März einen neuen Klimaschutzmanager. Außerdem schloss die Stadt im vergangenen Jahr einen Vertrag mit der European Energy Award ab mit dem Ziel, das energie- und klimapolitische Programm regelmäßig einer Qualitätskontrolle zu unterziehen. Eine Re-Auditierung soll im zweiten Quartal erfolgen. Künftig sollen zudem Auszubildende der Verwaltung für das Thema Klimaschutz sensibilisiert werden. Externe Kommunikation und Kooperation/Öffentlichkeitsarbeit: Eine Satzung zur Förderung von Fassadensanierungen wurde ausgearbeitet und trat im Herbst vergangenen Jahres in Kraft. Heuer sollen in Kindergärten verschiedene Projekte zum bewussten Umgang mit Energie organisiert werden. Im Herbst soll außerdem ein Unternehmensnetzwerk gegründet werden. Dadurch soll die heimische Wirtschaft gezielt angesprochen werden, ihre Klimaschutzanstrengungen zu verstärken. Darüber hinaus ist eine Veranstaltungsreihe geplant, die die Themen „Kultur“ und „Klima“ miteinander verbindet. Die Stadträte zeigten sich fraktionsübergreifend zufrieden mit dem Gehörten. „Wir sind auf einem sehr guten Weg”, meinte Bürgermeister Josef Mayr (CSU). „Als Vorbild können wir ohne weiteres dienen.” Seiner Ansicht nach sollte vor allem der Wille zum Klimaschutz im Vordergrund stehen: „Wenn jemand sein Haus energetisch saniert, muss sich nicht jeder Cent gleich rechnen”, so Mayr. „Ich habe viel Positives gehört”, meinte indes Stadtrat Michael Hofer (ödp/UB). Den Bau der Nordspange halte er trotzdem weiterhin für „eine große ökologische Sünde.” Hans Mangold von den Grünen warnte unterdessen vor künftigen Verteilungskämpfen um Energie. „Es geht darum, möglichst viel Energieautonomie zu erringen”, sagte er. „Es geht darum, das Überleben unseres Standortes zu sichern.” Währenddessen forderte Siegfried Oberdörfer (SPD) die Einführung eines ökologischen Mietspiegels. „Das bringt echte Transparenz und Vergleichbarkeit”, meinte er.

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