Vorreiterin der Frauenbewegung

Eines der ersten Frauen-Journale, die „Frauenzimmer-Zeitung“, wurde 1787 von Marianne und Theophil Ehrmann in Kempten als deutschlandweite Publikation herausgege- ben. Dieses Exemplar befindet sich in der Kemptener Stadtbibliothek. Foto: Tröger

Bei Recherchen zum Thema Aufklärung in Kempten war Dr. Wolfgang Petz nach eigenem Bekunden über sie „gestoplert“. Marianne Ehrmann, geborene Brentano, Aufklärerin, Publizistin und Vorkämpferin für Frauenrechte, die zwar nie länger in Kempten – dem sie einen „sehr abenteuerlichen Geschmack in der Architektur“ bescheinigte – gewesen sei, aber öfter. Einen entscheidenden Lebensabschnitt verbrachte sie an mehreren Orten der Region, darunter Kempten und Isny.

Orte, Personen und Ereignisse ihres bewegten Lebens hat sie in ihrem autobiographischen Roman „Amalie“ verarbeitet. Nach totaler Vergessenheit hat das literarische Werk der 1755 im schweizerischen Rapperswil geborenen Querdenkerin Ende der 1980er Jahre ein bescheidenes „Comeback“ erfahren. Aber „interessanter als das Werk, ist die Person“, schloss Petz aus seiner Spurensuche. Nicht nur, weil sie „eine der ersten Frauen gewesen ist, die versucht haben, von der Schriftstellerei zu leben“. Auch habe sie die Frage der weiblichen Erziehung sehr beschäftigt. „Als Frau war sie relativ allein damit“, stellte der Autor des Aufsatzes „Zwischen Erlebnis und Fiktion: Oberschwaben im Blick des Schriftstellerehepaares Marianne und Theophil Ehrmann“ klar. Das Erziehungssystem von Klosterschulen brandmarkte sie aus eigenen Erfahrungen als „heuchlerisch und stumpfsinnig“. Ihres Erachtens sollten Frauen „gebildet und informiert sein“ und „etwas verschleiert“ finden sich laut Petz bei ihr auch schon Ansätze bezüglich sexueller Wünsche von Frauen. Nach dem Tod des Vaters 1775, fand die mittellose Waise anhaltend Unterstützung in ihrem Onkel, dem stiftkemptischen Hofkaplan Dominikus von Brentano (1740 – 1797). Im Gegensatz zu anderen Verwandten beschrieb sie ihn als „gefühlvoll und menschlich, wohltätig, aufgeklärt, barmherzig, ohne Heuchelei“. Aufgrund seiner Stellung konnte er die junge, ledige Frau allerdings nicht dauerhaft bei sich aufnehmen. So wurde sie an rasch wechselnden Schauplätzen Oberschwabens immer wieder „zum Spielball eigennütziger Interessen ihrer Umgebung“, wie Petz beschrieb. Nach der Scheidung von ihrem ersten Gatten, einem Spieler und Hallodri, verdingte sie sich mehrere Jahre in wechselnden Schauspieltruppen – in bürgerlichen Moralvorstellungen mehr als anrüchig. Schließlich lernte sie ihren zweiten Gatten, Theophil Friedrich Ehrmann, kennen, der ihre literarischen und publizistischen Ambitionen teilte. Trotz „mancher Schwächen“ in „Amalie“, hob Petz ihren Blick auf zeitliche und örtliche Verhältnisse hervor: Zwar „genießen die Geistlichen alle möglichen Freuden eines weltlichen Hofes“ im fürstäbtlichen Kempten. Was ihr aber nicht gefiel war, „dass zwischen diesem Hofe und der so nahe daran gebauten protestantischen Stadt, bei unsern aufgeklärten Zeiten, noch ein bisschen Religionshass stattfindet“. Spur hinterlassen Eine wohl nicht mehr präsente, aber existente Spur hinterließ das Ehepaar Ehrmann mit ihrer ab Juli 1787 in Kempten publizierten „Frauenzimmer-Zeitung“. Der Frauen-Journal erschien zweimal wöchentlich mit einer bunten Mischung aus Nachrichten, Anekdoten, Erzählungen, Reflexionen und Rezensionen, meist wohl aus der Feder Theophils. Als wichtigste Mitarbeiterin steuerte seine Frau unter anderem Briefe über die Moden, Kleine Fragmente für Denkerinnen und Briefe über die Schweiz bei. Für damalige Verhältnisse ungewöhnlich, wurden für die weibliche Leserschaft auch politische Nachrichten gedruckt, was die Zeitung für Petz zu einer Art Gegenstück zu den Kemptener „Neuesten Weltbegebenheiten“ machte. Nach nur kurzer Zeit scheiterte das Unterfangen und das Ehepaar ließ sich im Dezember 1787 in Isny nieder, wo es seit rund 200 Jahren keinen Verlag mehr gab. Fortan mit einem Kupferstich geschmückt, wurde nun hier unter anderem die „Frauenzimmer-Zeitung“ weitergeführt. 1788 jedenfalls endete die oberschwäbische Episode mit einem wirtschaftlichen Fiasko. Noch im selben Jahr zogen die Ehrmanns nach Stuttgart, wo sich Marianne bis zu ihrem Tod 1795 mit der Veröffentlichung ihres Romans und einer eige-nen Frauenzeitschrift einen wachsenden Leserkreis eroberte. Ihr Mann etablierte sich dort als Herausgeber geographischer Schriften von anderen Autoren.

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