Versuchsballon steigt 2021

Vorschläge für die Umgestaltung des Festwochengeländes stehen zur Diskussion

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Die Festwoche 2021 könnte die Weite des neugestalteten Stadtparks nutzen und den Besucherströmen mehr Platz bieten.

Kempten – Für Überraschung und Stirnrunzeln im Werkausschuss sorgten Martina Dufner-Wucher, Geschäftsführerin des städtischen Messeund Veranstaltungsbetriebs, und der Architekt Gerrit Böhm vom Amt für Gebäudewirtschaft, als sie ihre Vorschläge für die zukünftige Gestaltung des Festwochengeländes vorstellten.

Ihre Ideen und Entwürfe wollen sie als Diskussionsgrundlage für die weitere Planung verstanden wissen. Im neu angelegten Stadtpark „funktioniert die alte Festwoche aus meiner Sicht nicht mehr“, stellte Dufner-Wucher fest. 

Mehrere Messebauten könne man an ihren bisherigen Standorten nicht mehr ohne Weiteres aufstellen. Viele neue Parkelemente, etwa Schutzdächer, Sitzgelegenheiten oder Einfassungen für Blumenbeete, ließen sich nicht vorübergehend abbauen. So wäre es zum Beispiel sehr aufwendig, Halle 6 auch künftig an ihrem angestammten Platz hinter dem Sparkassengebäude, am Friedensplatz, aufzubauen. Mit einem Unterbau würde dies zwar trotz der dort fest installierten Sitzmauer gelingen, wäre aber mit sehr viel höheren Kosten verbunden. Auch die Wegeführung habe sich verändert, einige Wege seien auch verschwunden. Die Organisatoren der Festwoche seien mit „einer ganz neuen Situation“ konfrontiert: „Wir müssen uns bewusstmachen, was der neue Stadtpark für die Festwoche bedeutet“, forderte Dufner-Wucher. 

Wer „die alte Festwoche“ behalten wolle, müsse „viele, viele Kompromisse eingehen, die in Gänze nicht funktionieren“ werden. Die Analyse der letzten Festwoche 2019 habe zudem gezeigt, dass sich die BesucherInnen in bestimmten Bereichen des Messegeländes zeitweise sehr dicht gedrängt hätten, so Böhm. Die Veranstalter seien wegen der hohen Besucherdichte gezwungen gewesen, an einigen Abenden früher zu schließen. Dadurch seien Eintrittsgelder im fünfstelligen Bereich verlorengegangen, verdeutlichte Dufner-Wucher. Die bislang erarbeiteten Änderungsvorschläge zielten darauf ab, die Logistik für Auf- und Abbau optimal zu gestalten und Kosten einzusparen sowie die Besucherströme besser zu lenken und für mehr Sicherheit zu sorgen. Demnach soll Halle 6 ihren Standort mit der Bühne tauschen und gegenüber vom Finanzamt neben dem neuen Klettergerüst platziert werden. Die dann sehr zentral gelegene Ausstellungsfläche könne einem neu konzipierten, „trendigen“ Thema mit regionalem Bezug gewidmet werden. Der neue Standort der Bühne befinde sich nahe beim Eingang P gegenüber der Einmündung Horchlerstraße und begünstige eine angenehmere und sichere Verteilung der BesucherInnen. Die dort vorhandene technische Infrastruktur sei für das Bühnenprogramm durchaus geeignet und müsse nur geringfügig ergänzt werden. Insbesondere die Kreuzung Königstraße/Bodmanstraße, das Gelände von Heels Alpe, der Glückshafen und der Bereich rund um den Pavillon hätten sich 2019 als kritisch erwiesen, die Besuchermassen hätten sich dort zeitweise geballt. 

Deshalb hat Böhm verschiedene vorbeugende Maßnahmen entworfen: Der Glückshafen soll künftig in Halle 4a auf dem Königsplatz unterkommen. Die Imbiss-Meile entlang von Bodman- und Königstraße könnte demnach aufgelöst werden, um das „Nadelöhr“ zu beseitigen. Im Rahmen eines neuen „Gastro-Konzepts“ sollen die Stände stattdessen um den Pavillon herum aufgestellt werden, so dass man „die Weite des Parks“ und die „vorhandenen Wegbreiten“ besser nutzen könne. In Vorgesprächen hätten, bis auf einen, alle Gastronome zugestimmt. Vorgesehen sind außerdem zusätzliche Wege, sogenannte „Bypässe“, und für Heels Alpe ein ebener, barrierefreier Zugang anstelle des Kieswegs. Nach Böhms Vortrag musste Klaus Knoll (FW) erstmal „schlucken“. Dann meinte er: „Gut, dass das Gastro-Konzept nicht in Stein gemeißelt ist.“ Zwar bejahte er „die Entzerrung der Imbissmeile“, kritisierte aber, dass der Gastronom, der den Pavillon sehr erfolgreich bewirtschafte, durch die vorgeschlagenen Veränderungen mit erheblichen Nachteilen rechnen müsse. Dufner-Wucher gab ihm Recht, wandte jedoch ein, man habe „nicht um einzelne Personen herumgeplant, sondern das Ganze betrachtet“. 

Zudem müsse die Stadt den Auftrag für die Bewirtschaftung des frisch renovierten Pavillons aus wettbewerbsrechtlichen Gründen bald wieder ausschreiben. Das kleine Gebäude könne dann während der Festwoche mit Tanzvorführungen und Lichtshows bespielt werden und so zwischen den Imbissständen für ein gewisses „Flair“ sorgen. Der Festwochenbeauftragte Hans-Peter Hartmannn (FW) gab Knoll „zu 100 Prozent“ recht. Es sei „sehr aufwendig“ für den Pavillon ein attraktives Programm zu organisieren, er habe „Angst vor einer Totgeburt“. Das Geschäft des Gastwirts hingegen laufe „hammermäßig“. Insgesamt sei die Festwoche „sehr sensibel“. Dufner-Wucher wolle offenbar an einem „riesigen Stellwerk“ Veränderungen vornehmen. „Ich bin nicht sicher, ob Sie wissen, was Sie sich antun.“ Hartmann befürchte, dass „wir schon Kosten vergraben haben, die wir so“, mit den angedachten Neuerungen, „nicht nutzen können“. Hartmann forderte vom städtischen Eigenbetrieb eine vergleichende Kostenaufstellung für die „alte“ und die projektierte „neue Festwoche“, die Dufner-Wucher ihm zusagte. Dennoch und obwohl er „einiges sehr kritisch“ sehe, bescheinigte Hartmann der Geschäftsführerin und dem Architekten „mutige, hervorragende Planungen“. 

Als Motto für die Festwoche der Zukunft gab er dem Werkausschuss einen Sinnspruch mit auf den Weg: „Was nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“ Im November will der Messe- und Veranstaltungs-Betrieb dem Gremium die Ergebnisse einer Umfrage zur Zukunft der Allgäuer Festwoche vorstellen (der Kreisbote berichtete). Außerdem werde es einen Workshop geben, um die neuen Pläne „im Detail zu diskutieren“ und mit den Wünschen der Befragten „in Einklang“ zu bringen, kündigte Dufner-Wucher an. Den Vorschlag des Eigenbetriebs, die ursprünglich für die heurige Festwoche festgelegten Standmieten im kommenden Jahr 2021 nicht zu erhöhen, bejahte der Werkausschuss einstimmig. Den Termin für die Allgäuer Festwoche 2022 legte der Ausschuss ohne Gegenstimme fest: Sie wird voraussichtlich von 13. bis 21. August stattfinden. 

Antonia Knapp

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