Vorträge und Gymnastik

Zahlreiche Aussteller locken am Samstag beim „Tag der Senioren” ins Kemptener Kornhaus. Foto: Kampfrath

Ein buntes Programm für Geist und Körper erlebten die Besucher am Samstag beim diesjährigen „Tag der Senioren“ im Kornhaus. Neben Vorträgen waren Gymnastik, Tanz und Bewegungstherapie im Angebot. 44 Vereine, Verbände und Firmen informierten im ersten Stock über ihre Arbeit. Zu diesen Ausstellern gehörten die Arbeiterwohlfahrt, die Diakonie, die Bahnhof-Apotheke, der Malteser Hilfsdienst und die Volkshoch- schule Kempten.

Veranstalter war die Stadt Kempten. „Lothar Köster war es, der 2006 die Idee zum ‚Tag der Senioren‘ hatte“, sagte die Kemptener Bürgermeisterin Sibylle Knott (FW) bei der Eröffnung. Sie verwies auf die Broschüre zum seniorenpolitischen Gesamtkonzept der Stadt Kempten, die neu erschienen war. Der Chor des Hauses der Senioren bekannte in dem Lied „Cambodunum“ seine Liebe zu den Bergen. Voller Leidenschaft sangen die älteren Frauen und Männer „Hei! Grüaß di Gott, Ländle“ und „All die schönen Jahre“. Silvia Schley von der Alzheimer Gesellschaft Allgäu sprach über das Thema „Demenz in meinem Umfeld, wie kann ich damit umgehen?“. Die Krankheit könne man heutzutage nicht mehr wegdiskutieren. Sie habe mit dem Kopf, Gehirn und Verstand zu tun. „Der Verstand versetzt den Menschen in die Lage, die Welt um sich herum zu begreifen. Er kann das eigene Sein erfassen und Beziehungen zu anderen aufbauen“, erklärte die Referentin. Der Verstand ermögliche ein zweckvolles und einsichtiges Verhalten. Demenz sei eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns. „Die Nervenzellen im Gehirn werden zerstört. Das führt zu Gedächtnisverlust und eingeschränktem Urteilsvermögen“, verdeutlichte die Krankenschwester. Der Betroffene könne nicht mehr lernen, die vorhandenen Informationsspeicher gingen verloren. „Im fortgeschrittenen Stadium ist ein eigenständiges Leben nicht mehr möglich.“ Die Erkrankung sei lebensbegrenzend. Der Krankheitsverlauf, die Bedürfnisse und Verhaltensweisen seien jedoch individuell. „Deshalb gibt es keine allgemeingültigen Regeln“, meinte Schley. Im frühen Stadium der Demenz trete eine Störung des Kurzzeitgedächtnisses auf. „Im mittleren Stadium brauchen die Kranken auch bei einfachen Aufgaben zunehmend Hilfe. Die Orientierung geht mehr und mehr verloren.“ Im späten Stadium benötige der Demente Unterstützung bei allen Verrichtungen des täglichen Lebens. Der Kranke erkenne die eigene Wohnung und die Angehörigen nicht mehr. Keine Kritik „Die Kognition, also das Denkvermögen, der Körper, die Psyche und das Verhalten verändern sich unaufhaltsam im Laufe der Erkrankung“, so Schley. Die Fähigkeit, Stimmungen und Emotionen wahrzunehmen, bleibe jedoch bis zuletzt erhalten. „Liebe allein genügt in der Versorgung Demenzkranker nicht.“ Es sei wichtig, sich Wissen anzueignen und die Situation zu akzeptieren. „Man soll versuchen, die Ursache für das oft merkwürdige Verhalten zu verstehen.“ Positives Denken spiele eine wichtige Rolle. Förderlich im Umgang mit Demenzkranken sei es, für Sicherheit und Geborgenheit zu sorgen. Ein strukturierter Tagesablauf bedeute den Patienten viel. „Kritik, Schimpfen und Vorhaltungen sollte man hingegen vermeiden“, betonte Schley. Auch leistungsbezogenes Gedächtnistraining schade. Angehörige kämen oft in die Situation, dass sie keine Kraft mehr haben. „Als Hilfe gibt es die Möglichkeit des Austauschs in Angehörigengruppen.“ Bei der Kommunikation mit Demenzkranken solle man eine vereinfachte Sprache mit unterstützender Gestik und Mimik verwenden. Die Patienten seien am Vormittag oft aufnahmefähiger als abends. „Wichtig ist, Verständnis bei anderen zu wecken“, meinte Silvia Schley. Großes Angebot 17 rüstige Rentner folgten bei der Gymnastik den Anleitungen Ingrid Wiedenmayers vom Haus der Senioren. Sie liefen im Kreis und kreisten aus dem Handgelenk heraus mit den Händen. Sie schoben die Arme vor und zogen dann die Ellenbogen nach hinten. „Ein stabiler Stand gibt uns die richtige Erdverbundenheit. Steifes Stehen ist eine große Belastung für die Kniekehle, Lockerheit ist daher wichtig“, erläuterte Wiedenmayer. Die Turnenden ahmten die Armbewegungen beim Holzhacken und Teigrühren nach. Dann sollten sie „kurz und knackig“ aus dem Arm heraus boxen. „Stellen Sie sich jemanden vor, den Sie richtig hassen“, empfahl die Gymnastiklehrerin. „Das Mitmachprogramm gefällt mir gut. Ich werde am Nachmittag noch einmal hingehen. Schade ist nur, dass sich manche Sachen überschneiden“, sagte Gabriele Arold. Der fünfte „Tag der Senioren“ fand großen Zuspruch. Rund 1650 Besucher waren ins Kornhaus gekommen.

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