"Vorurteile abbauen"

Für den Dialog zwischen Deutschland und Israel auf der diplomatischen wie auf der zwischenmenschlichen Ebene hat am vergangenen Mittwoch der Gesandte der israelischen Botschaft, Ilan Mor, auf seinem Besuch in Kempten geworben. In einem Gespräch mit OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) regte er den Austausch beider Länder vor allem in Bezug auf die Jugend an. Zum aktuellen Krieg im Nahen Osten bezog er klar Stellung.

Er freue sich darüber, dass die diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland seit den sechziger Jahren so weit gediehen sein, erklärte Mor. Er wies darauf hin, dass sich beide Völker gerade in einem Generationswechsel befänden. Die Zeitzeugen des Holocausts würden zunehmend weniger. „Man muss die junge Generation verbinden und Vorurteile abbauen. Um einen positiven Impuls herbei zu führen, müssen sich beide Seiten hinsetzen“. Mor regte an, dass vor allem auch Städtepartnerschaften dafür geeignet sein. „Die dürfen aber nicht nur auf dem Papier existieren, man muss sie leben“, entgegnete OB Netzer und Kempten unterhalte derzeit bereits fünf. Der Oberbürgermeister von Jerusalem jedoch, so Mor, lade jährlich Amtskollegen aus der ganzen Welt zu einer Konferenz ein. Hier könne die israelische Botschaft vermitteln, so der Gesandte. Diese Anregung nahm der OB wohlwollend auf und überraschte seinen Gast, als er von seiner eigenen Reise nach Israel im Jahre 1972 berichtete. Als Bundessieger bei „Jugend forscht“ im Bereich Biologie sei er für drei Wochen nach Israel eingeladen worden. Im Außenministerium habe man ihn und seine Kollegen damals empfangen und sie hätten sowohl wissenschaftliche als auch kulturelle Stätten besucht. „Für uns junge Kerle war das damals unheimlich spannend“, erklärte der damals 16-Jährige. Schon bevor es diplomatische Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel gab, habe es Austausch zwischen Wissenschaftlern gegeben, erinnerte Mor. Im Anschluss an den Besuch des Rathauses brach er dann auch zu einem Gespräch mit der Führung der Hochschule auf. Danach standen ein Besuch des Gymnasiums in Oberstdorf und des Bundeswehrstandorts Füssen auf dem Programm. Zu Verhandlungen bereit Mor beschrieb sein Heimatland als ein Phänomen. Der Konflikt im nahen Osten überschatte die vielen anderen Facetten, die Israel habe. „Trotz Krieg und Terrorismus haben wir es geschafft, einen Staat aufzubauen, auf den man stolz sein kann“. Israel sei vom Schmelztigel zum Integrationsland geworden. Zu den Themen Gaza-Krieg und Frieden in Nahost äußerte er sich deutlich. „Es kann nicht sein, dass eine Million Israeli Geiseln von Terroristen sind.“ Das Ziel des Einmarschs in den Gaza-Streifen sei es gewesen, die Infrastruktur der Hamas zu zerstören. Eine Tragödie sei es natürlich, wenn ein Kind bei einem Angriff ums Leben komme. Sein Land sei aber durchaus bereit, mit den gemäßigten Kräften der Palästinenser über die Zwei-Staaten-Lösung zu sprechen, denn: „Das ist die Lösung“, so Mor.

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