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Philosophieren »im Tal und auf der Höh«

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V.l.: Dr. Thomas Heichele, Projektleiterin Stefanie Fuchs, Manfred Hegedüs (Sparkasse Allgäu), Michael Weiß (Meckatzer Löwenbräu). © Ahr

Kempten – „Die „Philosophie“ ist ein Wort, das inflationär verwendet wird“, sagt Dr. Thomas Heichele, der aktuell in Augsburg an seiner Habilitation arbeitet, „meist aber in Funktion und Zusammenhängen, die nichts mit der akademischen Disziplin zu tun hat.“

Das will der Verein mit dem Philosophiefestival vom 5. bis 9. Juni in den Allgäuer Alpen in Oberstdorf und dem Kleinwalsertal ändern und der breiten Öffentlichkeit die Philosophie zugänglich machen – in ihrer Eigenschaft als universale, reflexive, metawissenschaftliche Disziplin.

Ein erstes Festival hat bereits 2017 stattgefunden, jetzt soll die Veranstaltung in einen zweijährigen Rhythmus münden. In diesem Jahr widmen sich die Vortragenden dem Thema „Mensch und Natur im 21. Jahrhundert“. Bei der Pressekonferenz erläutert Heichele zunächst, welche Denkmöglichkeiten sich innerhalb der Philosophie, in eben diesem akademischen Sinne, eröffnen. „Die Philosophie kann aus ihrem eigenen Fundus schöpfen, immerhin dauert die Philosophiegeschichte bereits über 2000 Jahre an“, sagte er. Und: Sie könne sich kritisch mit Erkenntnissen und Fragen bzw. Methoden anderer Fächer auseinandersetzen. Das berge besondere Möglichkeiten: Interdisziplinäre Fragen stellen sich nämlich im Zusammenhang mit Mensch und Natur besonders oft. Probleme des 21. Jahrhunderts, wie etwa die Energiefrage, passen nicht mehr in die klassischen Disziplinen, wie sie an den Universitäten zu finden sind. 

Es wird immer wichtiger, zusammenzuarbeiten und gegenseitige Impulse zu liefern. Doch so einfach ist das nicht, denn, so Heichele: „Jede Disziplin hat ihre eigenen Paradigmen.“ Im Fokus des Festivals wird der Begriff des Anthropozäns stehen, wörtlich etwa das Zeitalter des Menschen. Der Begriff ist inzwischen quer durch die Disziplinen verbreitet und meint, dass der Mensch zu einer Einflussgröße geworden ist, was unumkehrbare Prozesse in seiner Umgebung in biologischer, geologischer und atmosphärischer Ebene ausgelöst hat. Während des Festivals werden in Workshops und Vorträgen ganz unterschiedliche Zugänge zu diesem Begriff gesucht: Angefangen bei geowissenschaftlichen Erläuterungen und der Frage „Was ist technisch überhaupt machbar?“ über Themen der künstlichen Intelligenz und „invasiver Technisierung“ – an welchem Punkt beginnt der Mensch, ein Cyborg zu werden?, bis hin zur Überlegung, „wer ist überhaupt ein handelnder Akteur: Tiere, die Natur als solche oder nur der Mensch?“. 

Heichele hebt besonders auch die fachliche Qualität der Vortragenden hervor: „Wissenschaftler, die sich durch zahlreiche qualitative Publikationen auszeichnen.“ Veranstaltet wird das zweite Philosophiefestival in den Allgäuer Alpen Oberstdorf/Kleinwalsertal von dem Verein Philosophie in den Allgäuer Alpen e.V., der seinen Sitz in Kempten im Allgäu hat. Heichele erhofft sich eine „Diskussion über das Verhältnis von Philosophie und Öffentlichkeit“. Außerdem sollen junge Menschen Zugang zur Philosophie finden. Daher haben SchülerInnen der Gymnasien sowie Beruflicher Oberschulen aus dem Allgäu, dem Bodenseeraum und Augsburg die Möglichkeit, entsprechende Stipendien, finanziert durch die Sparkasse Allgäu, die Meckatzer Löwenbräu sowie durch diverse Serviceclubs aus der Region, zu erhalten. Der mit 5000 Euro dotierte Meckatzer-Philosophie-Preis, der in Rahmen des Festivals vergeben wird, geht heuer an Prof. Dr. Gernot Böhme aus Darmstadt. Infos zum detaillierten Programm und Tickets gibt es auf www.philosophieallgaeueralpen. com.

Martina Ahr

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