Peter Gauweiler und Wilfried Scharnagl sprechen im Kornhaus

"Nicht nach dem Mund reden"

+
Die beiden „Rechtsaußen” der Christsozialen bei ihren Gedankenaustausch im Rahmen der Veranstaltung „Bayern zuerst – Reden über das eigene Land”: Dr. Peter Gauweiler (links) und der Journalist Wilfried Scharnagl.

Kempten – „Bayern zuerst – Reden über das eigene Land” lautete das Motto einer CSU-Wahlveranstaltung am Donnerstagabend im Kornhaus. Es wurde viel geredet von den Gastrednern Dr. Peter Gauweiler und Wilfried Scharnagl, dem Journalisten und bayerischen Patrioten.

Wenngleich nicht der Volksstamm der Bayern im Fokus der Reden stand, sondern die „Preißn”, die Schwaben, die Hessen, die Griechen, die Amerikaner, die Russen, die Franzosen, die Niederländer, die Hauptstädter, die Banker und andere mehr. 

 Punkt 19 Uhr betraten die Akteure des Abends die Wahlkampfarena im Kornhaus. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Kemptener Staatsminister Thomas Kreuzer war es an Wilfried Scharnagl, die Besucher an seinen Gedanken über sein Land Bayern und seiner Rolle im Bund teilhaben zu lassen. Scharnagl lobte Kempten als „eine Juwel unter Bayerns Städten”. Er wies auf die enorme Wirtschaftskraft Schwabens hin und fügte hinzu, dass die Bewohner dieses Teil Bayerns Schwaben, respektive Allgäuer, hießen und keinesfalls „West-Bayern”. 

 Scharnagl warf zunächst einen Blick zurück und befasste sich mit den möglichen Ursachen der letzten Misserfolge der CSU bei Landtags- und Bundestagswahlen. Dabei sind die Gründe für ihn hausgemacht. Die Dinge gingen ihren misslichen Verlauf zum Ende der Regentschaft Edmund Stoibers. Hier wurde durch wachsweiche Äußerungen, wie „Ich gehe nach Berlin, bleibe aber in München” oder „Ich trete zurück, aber erst in neun Monaten” viel Vertrauen verspielt. Auch das Tandem Huber/Beckstein hielt Scharnagl für wenig überzeugend, sehe doch bei einer Doppel-Parteispitze jeder mal das Hinterteil des anderen. 

 In solch deftigen Worten spürt man, wie die Freundschaft zu Franz Josef Strauß im gebürtigen Sudetendeutschen Scharnagl durchscheint. „Dem Volk auf`s Maul schauen, ihm aber nicht nach dem Mund reden”, sagt der Journalist und man versteht, was Strauß meinte, als er über Scharnagl sagte: „Er schreibt das, was ich denke und ich sage, was er denkt.” Aber nicht immer lassen sich politische Zusammenhänge so einfach zusammenfassen und dann weist Scharnagl auf den in seiner Hinsicht falschen Kurs der damaligen Zeit hin, als es noch hieß: „Man darf die Frösche nicht fragen, ob man den Teich trockenlegen darf.” Diese Haltung habe unter anderem beim Rauchverbot wie auch bei Einsparungen in der Beamtenschaft viel Unheil angerichtet. 

 Im weiteren Verlauf kommt Scharnagl auf die Rolle der Bayern im Bund zu sprechen und da geht dem geistigen Ziehvater der CSU buchstäblich das Messer in der Tasche auf. „Der Länderfinanzausgleich ist eine Sauerei”, empört er sich und erntet viel Zuspruch im Publikum. In der Tat ist Bayern aus seiner einstigen Rolle als Nehmerland – 4,3 Milliarden wurden empfangen – schon seit langem zum Geberland geworden: Über 14 Milliarden wurden an den Bund überwiesen. Einzig Hessen sei noch auf der Seite Bayerns und würde gegen dieses Unrecht gemeinsam mit dem Freistaat in Berlin klagen. Abschließend beschäftigt sich der Journalist noch mit dem politischen Gegner. Christian Ude – für Scharnagl ist aus einem großen Münchner ein kleiner „Sozi” geworden, dem es an heimatlicher Sachkenntnis fehle. Viel Lob aus seinem Munde schließlich für die Arbeit der Freien Wähler, wenig hingegen für deren Chef Hubert Aiwanger. Die FDP wird es nach Scharnagls Einschätzung wieder in die Parlamente schaffen, wenngleich dies eher einem Naturgesetz geschuldet sei, als erfolgreicher politischer Arbeit. Grundsätzlich aber gilt für den großen alten Grandseigneur der CSU der Leitspruch von Strauß: „Wenn ein Mensch in Bayern an eine Partei denkt, dann nur an die CSU.” Applaus. Viel Applaus. Pause.

 Kritik an EU 

Dann betritt der Bundestagsabgeordnete Dr. Peter Gauweiler das Rednerpult. „Wenn einmal die Jacke falsch eingeknöpft ist…”, spricht er und meint damit das aus seiner Sicht grundlegend falsch angelegte Konzept der EU, die für ihn immer mehr zur Behördenkrake mutiere und die sich in die persönlichsten Belange seiner Bürger einmische. Gleichzeitig versage die EU auf finanz- wie außenpolitischem Terrain. Heute müsse der bayerische Steuerzahler neben dem Bund nun auch noch für die Schulden der anderen EU-Länder aufkommen. Nicht aber der gemeine Grieche oder Portugiese sei Empfänger dieser Gelder, sondern die vielen internationalen Großbanken, die Kredit hergaben, wo längst keine Sicherheiten mehr waren. „Kredit”, das kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel, wie „glauben”, sagt Gauweiler. Niemand aber könne heute nach einer Reihe von Rettungsschirmen an die finanzpolitische Kompetenz der Europäischen Zentralbank glauben. Gauweiler schlägt stattdessen eine Loslösung einzelner Staaten aus der Gemeinschaftswährung vor. Gleichzeitig empfiehlt er ihnen die Abwertung der eigenen Währung. „Putin hat damit in Russland großen wirtschaftlichen Erfolg gehabt.” Selbstverständlich richtig ist für den Münchner Anwalt die Forderung seines Ministerpräsidenten Horst Seehofers nach einer Einführung einer Autobahnmaut für Ausländer. „Wir zahlen bei allen anderen, dann müssen die anderen auch bei uns zahlen.” 

Das böse Preußen 

auweiler kommt immer wieder auf die Rolle Bayerns in Europa zu sprechen. Sein Anliegen ist es zu verhindern, dass aus Bayern „Ameisenmenschen” würden. Hierbei verweist er auch auf die aus seiner Sicht unglückliche Geschichte der deutschen Reichsgründung 1871. Diese war durch eine zu starke Dominanz eines militaristischen Preußens geprägt und habe Bayern später tief mit in den Strudel aus nationalistischen Konflikten gezogen. Somit plädiert Gauweiler für ein starkes, unabhängiges Bayern, sowohl im Bund, als auch in Europa – frei, demokratisch und selbstbestimmt. Applaus. Dann wird einigen Zuhörern im Saal die Gelegenheit gegeben, Fragen an die Gastredner zu stellen. Neben europäischer Behördenwillkür und Dank an die politischen Urgesteine der CSU möchte jemand von Dr. Peter Gauweiler wissen: „Wo waren all die Politiker, als die Entscheidungen um den Euro getroffen wurden?”

Jörg Spielberg

Auch interessant

Meistgelesen

Feiern verbindet
Feiern verbindet
Bezirksmusikfest in Probstried
Bezirksmusikfest in Probstried
Schüler zeigen Einsatz
Schüler zeigen Einsatz
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten

Kommentare