Bundesumweltminister Peter Altmaier trommelt für die "Energiewende"

Leidenschaftliches Plädoyer

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Zum Ende der Veranstaltung trägt Peter Altmaier (Mitte) sein Gastgeschenk, einen handgemachten Lindenberger Mayser Hut, der ihn an die Veranstaltung im sonnigsten Landkreis Deutschlands erinnern soll. Unser Bild zeigt außerdem Staatsminister Thomas Kreuzer (v.l.), Stephan Stracke, Dr. Gerd Müller und Bürgermeister Arno Zengerle.

Wildpoldsried/Kempten – Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) gastierte am vergangenen Mittwoch in Wildpoldsried, der „Welthauptstadt der deutschen Energiewende“, wie er das Energiedorf augenzwinkernd nannte.

Gemeinsam mit Staatssekretär Dr. Gerd Müller (CSU), dem Ostallgäuer Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke (CSU) und Wildpoldsrieds Bürgermeister Arno Zengerle (CSU) stellte er sich im vollbesetzten Gemeindesaal den Fragen und Anregungen der Zuschauer. 

Zur Eröffnung des Abends lüftete Dr. Gerd Müller ein „Geheimnis”: Der Saarländer Peter Altmaier sei im Grunde ein „Allgäuer Produkt“. „Seine Eltern haben sich in Füssen kennen- und lieben gelernt, kamen im darauffolgenden Jahr in den Urlaub nach Seeg zurück – und siehe da, ein Jahr später war der kleine Peter da!“ 

 Der heute alles andere als kleine Altmaier umriss das Thema „Energiewende“ zunächst in einer einstündigen, frei gehaltenen, von Sachkompetenz zeugenden und mit Selbstironie gewürzten Rede. Angesichts des größten globalen Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums aller Zeiten sei die größte weltweite Herausforderung unserer Zeit, den Energiebedarf der Menschheit zu decken, ohne dafür die Umwelt zu opfern. Die Energiewende, so der Minister, sei die größte Innovationschance der Nachkriegsgeschichte, da sie etliche technische Neuentwicklungen notwendig mache. 

 Chance für das Land 

Sie sei eine riesige Chance für die Wirtschaft und damit nicht nur die ökologische, sondern auch die ökonomische Zukunftsversicherung für unser Land – und dabei auch eine große Chance für den ländlichen Raum, in dem heute 80 Prozent der regenerativen Ressourcen gedeihen würden. 

In den nächsten drei bis fünf Jahren gelte es nun, So Altmaier, die Weichenstellung so unumkehrbar zu machen, dass das Gesamtprojekt von niemandem mehr infrage gestellt werden könne. Er selbst sei fest von der Richtigkeit des Ausstiegs aus der Kernenergie überzeugt, so Minister Altmaier. „Daran wird nicht gerüttelt. Wir werden in diesem Jahr erstmals mehr Strom aus regenerativen Energien produzieren, als wir je aus Kernkraft produziert haben.“ Die Energiewende sei aber nicht bereits dann ein Erfolg, wenn das letzte Kohle- und Atomkraftwerk abgeschaltet ist, „sondern wenn wir das geschafft haben und Deutschland danach immer noch eines der wohlhabendsten, wettbewerbsfähigsten, exportstärksten Länder der Erde ist. Für uns geht es nicht um Umwelt oder Wohlstand, sondern um Umwelt und Wohlstand“. Woran es allerdings noch fehle, seien tausende Kilometer neuer Stromleitungen zur Verteilung des dezentral erzeugten Ökostromes. Zudem werde die Forschung nach Speicherlösungen – neben der Erzeugung und dem Leitungsausbau das dritte Standbein der Energiewende – mit Hochdruck vorangetrieben. Man müsse Lösungen finden, wie die überschüssige Energie, die bei viel Wind und Sonne produziert wird, so gespeichert werden kann, dass sie auch zeitverzögert abrufbar ist. Zudem müssten Systemlösungen in den Vordergrund rücken, die dafür sorgen, dass konventionelle Kohle- und Gas-Kraftwerke gedrosselt werden, wenn dank Sonnenschein und Wind gerade viel regenerative Energie zur Verfügung steht. 

 Lügen und Drohungen 

Dr. Gerd Müller nannte die Energiewende ein „gesamtgesellschaftliches Generationenprojekt, das alle wollten – deshalb müssen es auch alle mittragen.“ Genau diese allseitige Unterstützung vermisst Bürgermeister Arno Zengerle. Vielmehr werde mittlerweile von vielen Seiten versucht, „die politischen Entscheidungsträger mit Lügen, Drohungen und Horrorszenarien dazu zu bringen, die Energiewende in Bürgerhand zu stoppen“. Auch seine Gemeinde, deren Bürger in den letzten 14 Jahren 30 Millionen Euro in regenerative Energien investiert haben, habe mit bürokratischen Stolpersteinen zu kämpfen. Abstandsregelungen und die Nähe zum Kemptener Drehfunkfeuer (ein laut Zengerle „völlig veraltetes“ Navigationssystem der Luftfahrt) blockieren derzeit etwa den Bau neuer Windräder. „Für uns wird es immer härter,“ so der Rathauschef. 

Eine Sachlage, mit der auch Peter Altmaier vertraut ist. Zu dem von einigen Seiten geforderten Ausbaustopp für regenerative Energien werde es unter ihm keinesfalls kommen, so seine Zusicherung. „Das Problem mit dem Funkfeuer müssen und werden wir lösen.“ Und bei der umstrittenen, von der bayerischen und sächsischen Staatsregierung selbst in den Bundesrat eingebrachten 10H-Abstandsregelung (wonach die Entfernung eines Windrades von Wohnbebauung das Zehnfache der Höhe der Anlage betragen muss – damit wäre im gesamten Oberallgäu kein einziges Windrad mehr möglich) falle die Entscheidung im Bundesrat erst im Herbst. Auch danach werde die Umsetzung sicherlich in einer Weise erfolgen, „die den Frieden erhält und bei der jeder auf seine Kosten kommt“, so Altmaiers, Müllers und Thomas Kreuzers einhellige Überzeugung.

Sabine Stodal

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