Edith Welser-Ude erzählt in Kempten aus dem Nähkästchen

"Sieht der bescheuert aus"

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Edith Welser-Ude (links) plaudert mit Fraktionschef Markus Rinderspacher über ihr Leben als Kommunalpolitikerin und Ehefrau von SPD-Spitzenkandidat Christian Ude.

Kempten – Über ihr Leben plauderte jetzt Edith Welser-Ude, Ehefrau von SPD-Spitzenkandidat Christian Ude, bei einer Wahlkampfveranstaltung der Allgäuer SPD-Landtagskandidaten.

Seit mittlerweile 30 Jahren steht Welser-Ude an der Seite ihres prominenten Mannes. Als Moderator des Abends hatten die heimischen Sozialdemokraten den Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion, Markus Rinderspacher, gewinnen können. 

 Bei ihrem Auftritt in Kempten plauderte die mögliche zukünftige „First Lady” des Freistaates nicht nur über ihre Erfahrungen in der Politik, sondern auch aus dem Nähkästchen. Kritisch sah Welser-Ude vor allem die Rolle der Frau, deren gesellschaftliches Engagement viel stärker zu Lasten der Familie gehe als bei Männern. Ihre sechs Kinder hätten nicht die klassische Mutter erlebt. Dafür aber eine, die die Erfahrungen, die sie beim Versuch einen Kindergarten zu finden oder in der Schule erlebte, als Aufforderung begriff, hier die Bedingungen zu ändern. Sie gründete den Bayerischen Elternverband mit, trat 1969 in die SPD ein, freute sich über das erfolgreiche Volksbegehren gegen die christliche Bekenntnisschule, wurde Sprecherin im Bezirksausschuss und war von 1978 bis 1990 im Münchner Stadtrat. Dass sie wegen einer Stimme nicht Bürgermeisterin wurde, bedauerte sie nach eigenem Bekunden nicht, denn so konnte sie mehr bei ihren Themen bleiben; denn: „Je höher das Amt, desto weniger kannst du in der Tiefe und an deinen Anliegen arbeiten“. 

 Die Erfahrungen im Bezirksausschuss seien unerfreulich gewesen. Der Vorsitzende tat seine Beschlüsse kund, alle anderen nickten sie bei Bier und Schafkopfspiel ab, berichtete sie. Gegen diese Männerriege mit ihren Seilschaften fand sie Verbündete in einer starken Aktionsgemeinschaft für Frauen (ASF). Die SPD-Stadtratsfraktion hatte 1978 in München fast genauso viele Frauen wie Männer als Mitglieder. 1984 wurde dort die erste Gleichstellungstelle in einer Kommune geschaffen. Ihre Erkenntnisse, zumeist humorvoll anekdotisch vorgetragen, überzeugten die Anwesenden. So sprach sie davon, dass Frauen sich in Netzwerken verbünden sollten statt Seilschaften zu pflegen. Legendär ist ihr seit über 25 Jahren vier Mal im Jahr stattfindendes Frauenfrühstück. Aktuelles ließ die Frau von Spitzenkandidat Ude ebenfalls nicht aus. 

Zum Betreuungsgeld sagte sie unter großem Beifall der gut 80 Besucher, dass sie davon nichts halte: „Kinder gehören zu Kindern”, betonte sie. „Sie müssen rechtzeitig in Kindertagesstätten um Sprache und soziales Verhalten zu lernen.“ Sie habe den Verdacht, dass die CSU die Bildungsfernen bildungsfern halten will. Für die politische Arbeit müsse man brennen und arbeiten, arbeiten, arbeiten. So habe sie geweint, als die politische Führung enormen Druck auf ihren Mann mit der Frage der Spitzenkandidatur ausübte. Ihre Erfahrungen baut sie ein in ihre Leidenschaft Fotografieren. 

Auch die Fotos ihres Mannes gestaltet sie, „da er dann immer so freundlich lächelt“. Der erste Eindruck von ihm war allerdings weitaus weniger positiv: Als eine Bekannte ihr einmal sagte, wer er sei, sagte sie über den damaligen SZ-Redakteur Christian Ude: „Ich hätte nicht gedacht, dass jemand, der so gute Artikel schreibt, so bescheuert aussieht“. Jetzt tauschen sie sich täglich über die Arbeit aus und sie zitiert zu seiner Kandidatur den Amtsinhaber mit der Aussage: „Wenn jemand 20 Jahre so eine Stadt geführt habe, muss man den ernst nehmen.“

kb

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