Wahnsinnsschmerzen im Kopf

Patiententag zum Clusterkopfschmerz beantwortet Fragen zur Entstehung und Therapie

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Dr. Christoph Bach, Schmerztherapeut, Neurologe, Oberarzt Klinikum Kempten.

Kempten – „Das Clusterkopfschmerz-Syndrom zählt zu den schwersten Schmerzerkrankungen des Menschen“, informiert der Selbsthilfeverband für Clusterkopfschmerz.

So fand letzten Samstag anlässlich des Internationalen Tages des Clusterkopfschmerzes ein Patiententag in der Schmerztagesklinik des Klinikums Kempten, gemeinsam mit dem CSG-Allgäu, Bundesverband der Clusterkopfschmerz-Selbsthilfe-Gruppe, statt. 

Die Informationsveranstaltung fand regen Zuspruch bei Betroffenen, Angehörigen und Interessierten und zeigte, dass Clusterkopfschmerzen nicht zu den selten Erkrankungen zählen. So nutzten zahlreiche Teilnehmer den Patiententag und informierten sich in Vorträgen zum Krankheitsbild, modernen Behandlungsmethoden und auch über Sinn und Nutzen der Selbsthilfeorganisationen. Den Experten Doris M. Wagner und Dr. Christoph Bach von der Schmerztagesklinik war es wichtig, den Umgang mit dieser Form von Kopfschmerzen transparenter zu machen, um eine verbesserte Lebensqualität für Betroffene und Angehörige zu ermöglichen. Der internationale Gedenktag, der auf das seltene Erkrankungsbild aufmerksam machen soll, jährte sich am 21. März zum vierten Mal. Oberbürgermeister Thomas Kiechle unterstrich in seinem Grußwort die Wichtigkeit der Selbsthilfeorganisationen: „Sie helfen dabei, sich zu bestimmten Themen mit Gleichgesinnten austauschen zu können, um Lösungsansätze zu finden und zu bekommen.“ 

In seinem Vortrag gab der Schmerztherapeut und Neurologe Christoph Bach einen Überblick zu Ursachen und Standard-Therapie. 0,1 Prozent der Bevölkerung erkranke an Clusterkopfschmerzen, in Kempten seien etwa 70 bis 120 Patienten betroffen. Die Symptome äußern sich in mehrfach täglich auftretenden extremen halbseitigen Kopfschmerzattacken und zehn Prozent der Erkrankungen haben einen chronischen Verlauf, so Bach. Die Prognose sei „nicht heilbar“. Da das Krankheitsbild eher selten auftrete, werde es oftmals erst nach einer jahrelangen Odyssee der Patienten, von Arzt zu Arzt erkannt und entsprechend behandelt, erklärte der Schmerztherapeut. In vielen Fällen sei der Leidensdruck der Betroffenen so hoch, dass unbehandelte Betroffene sogar an Selbstmord denken, so Dr. Harald Müller, Präsident des Bundesverbandes der Clusterkopfschmerz-Selbsthilfe-Gruppen(SG) e.V. 

Die Ursachen seien hypothetisch, machte der Neurologe deutlich, es könnte eine neurogene Entzündung sein oder auch eine aus dem Nervensystem heraus entstehende Entzündung. Die Betroffenen könnten bei einer Schmerzattacke mit Medikamenten versorgt werden, eine Prophylaxe habe keine Auswirkung auf eine eventuelle Minderung der Intensität. Und so waren die Vorträge von Dr. Katharina Kamm von der Uniklinik München Großhadern zu neuartigen, innovativen Therapieansätzen, wie einem Microstimulator (pulsante), dem invasiven und nicht invasiven Neurostimulationsverfahren (gammaCore) sowie den Einsatz des Proteins CGRP für viele Betroffene hoch interessant und informativ. CSG-Präsident Müller, der seit 2000 an dem Cluster-Kopfschmerz-Syndrom leidet, hat die Selbsthilfegruppe gegründet, um Betroffenen und Angehörigen zu helfen und zu unterstützen. 

„Alleine ist alles schwerer – zusammen gleich leichter“. So bieten die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, wie Andrea Sommer-Fackler, Ansprechpartnerin CSG-Allgäu bei psychischen Problemen, sozialmedizinischen Fragestellungen, den Themen Verrentung, richtiger Facharzt usw. Unterstützung und Hilfe an. Die Selbsthilfegruppen sollen eine Plattform für Gespräche, Austausch und Diskussion für Patienten und Angehörigen sein. „Und ein weiterer Vorteil für Betroffene sei die Vernetzung mit Fachärzten und Psychologen, so sei eine schnellere Diagnose möglich und somit auch bessere Behandlungsmöglichkeiten“, hob Müller hervor. Nach Beendigung des offiziellen Teils hatten die Teilnehmer Gelegenheit, in den Austausch mit den anwesenden Experten und anderen Betroffenen zu treten. 

Christine Reder

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