Waldtiere und das Internet

Gelungene Aufführung in der neuen JugendKulturWerkstatt Durach

Durach – Das Internet weiß alles und vergisst nichts. Die Jugendtheaterwerkstatt Durach, die dieses Jahr ihr Zehnjähriges Jubiläum feiert, präsentierte am vergangenen Wochenende die Internetfabel „Keine Party für den Tiger“ des bekannten Autors Martin Baltscheit.

Mit dem Theaterstück, unter Regie von Gabi Striegl und Melanie Schmidt gelang auf außergewöhnliche Weise eine lebendige Aufführung über Chancen und Gefahren des technischen Fortschritts, über die Verheißungen des totalen Wissens und über den Aberglauben an ein virtuelles Paradies. 

Die Fabel erzählt von den Tieren im Wald und ihren Umgang mit dem Internet. Die jungen Akteure setzten die Charaktere der Tiere sehr eindrucksvoll um und begeisterten das Publikum mit ihrer erfrischenden Art, was sich auch in dem frenetischen Applaus widerspiegelte. 

"Keine Party für den Tiger" 

Im finsteren Wald regiert das Recht des Stärkeren. Dem Tiger gefällt es. Alle Tiere im Wald haben Angst vor ihm und doch ist der Tiger einsam, weil niemand sein Freund sein will. Das scheue Reh ist voller Ängste und sieht überall den sicheren Tod lauern. Die hungrigen Bären sind ständig auf der Suche nach Honig, die Maulwürfe tappen blind durch die Welt und die Lyrik dichtende Motte sieht und hört man nicht. Doch dann wird alles anders. Das Internet kommt zu den Tieren und schlagartig ändert sich ihr Leben. Internet, verbunden mit der Verheißung auf Freundschaft, Liebe, unendliches Wissen und ewige Futterquellen. 

Das Internet – Emma Tschiesche und Samira Kühling im leuchtend weißem Outfit, stets freundlich und hilfsbereit – lösen zielstrebig ihr Versprechen, „Ich mach Dich glücklich“, ein und arrangieren für den einsamen Tiger ein Blind-Date – ausgerechnet mit dem scheuen Reh. 

Lasse Seyberlich, der als furchterregend brüllender Tiger sein Revier verteidigt und Katja Benesch, die als ängstliches Reh leichtfüßig und fluchtbereit durch den Wald springt, präsentierten sich den Zuschauern auf höchst vergnügliche Weise. Die tapsigen Bären, sehr überzeugend gespielt von Amira Steinsberger, Thomas Schafheutle und Hanna Härtel, erhalten vom Internet Hinweise auf neue Honigtöpfe. Die blind torkelnden Maulwürfe – Marlene Böving und Paula Gruber mit schwarz geschminkten Augen – bekommen Brillen aus dem Online-Shop, mit denen sie endlich die Welt sehen können und die dichtende kleine Motte, gespielt von Frida Tschiesche, die steppend und unsichtbar durch den Wald fliegt, kann nun, dank Internet, mit einem Smartphone Selfies machen und ihre Gedichte in die Welt posten. 

So nutzt der Autor Martin Baltscheit in seiner Fabel die Naivität der Tiere, um aufzuzeigen, wie leicht das Internet jeden Einzelnen verführen kann. Tiger und Reh – mit schwarzen Augenbinden als Ausdruck des Blind Date – verlieben sich. „Die Liebe macht aus Feindschaft Zukunft“, philosophiert der Tiger. 

Es entstehen ungewöhnliche Freundschaften zwischen den unterschiedlichen Tieren, die sie mit einer Party feiern. Und das Internet bringt zum Ausdruck, dass für die Waldbewohner ein neues Zeitalter begonnen hat. In dem Stück ist immer wieder der Bezug zur Realität greifbar, wie etwa das plötzliche Auftauchen eines Fotos des Tigers im Netz. Der Tiger fühlt sich dadurch diskriminiert und handelt seinem Naturell entsprechend, dass erste Opfer ist zu beklagen. Er erschlägt die Motte mit seiner Pranke. Die friedlich zusammengefundene Internetgemeinschaft fällt daraufhin hemmungslos übereinander her und beschuldigt sich gegenseitig. Doch auch hier weiß das Internet Rat und lässt die Motte als biochemische Reproduktion zurückkehren. Ihre dichtende Stimme hallt durch den Wald. 

Gegen Ende der Veranstaltung mischte sich das Internet unter das Publikum und forderte zum Dialog auf: „Hast Du eine Frage an uns?“. Das Ensemble der Jugendtheaterwerkstatt zeigte mit seiner herausragenden Aufführung sehr überzeugend, dass das Internet kein virtuelles Paradies ist und trotz Chancen auch viele Risiken birgt. Wegen der großen Nachfrage gibt es außer der Vorstellung am Sonntag, 19. Mai, 19 Uhr eine zusätzliche am Samstag, 18. Mai, um 19 Uhr.

Christine Reder

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