Die Pandemie hinterlässt ihre Spuren

Kulturausschuss Waltenhofen: Wildcamper sorgen für Unmut

Der Ortsteil Niedersonthofen ist bei den Waltenhofener Übernachtungsgästen besonders beliebt
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Der Ortsteil Niedersonthofen ist bei den Waltenhofener Übernachtungsgästen besonders beliebt.
  • VonDominik Baum
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Waltenhofen – Digitalisierung, Wildcamping und die Auswirkungen der Pandemie auf den Tourismus – unter anderem über diese Themen informierte Melanie Rothmayr von der Gästeinformation Gemeinderat und Bürger vergangenen Mittwochabend bei der Kulturausschusssitzung in der Mehrzweckhalle in Waltenhofen.

Corona: Übernachtungszahlen brechen ein

Wie bei vielen anderen Gemeinden im Allgäu auch, spielt in Waltenhofen der Tourismus eine große Rolle. 2019 konnte mit Übernachtungsgästen eine Wertschöpfung von 8,9 Millionen Euro generiert werden. Ein Jahr später waren die Auswirkungen der Pandemie auf den Tourismus deutlich spürbar. Da vom 16. März bis zum 30. Mai und vom 2. November bis zum Jahresende touristische Übernachtungen untersagt waren, brachen die Übernachtungszahlen gegenüber dem Vorjahr um 16,65 Prozent auf rund 106.000 Übernachtungen ein, wie Rothmayr schilderte.

Circa 18.000 Menschen (- 31,38 Prozent) entschieden sich 2020 für einen Urlaub in der Gemeinde, überwiegend in den Ortsteilen Niedersonthofen und Memhölz. Um die Zahlen besser einordnen zu können, verglich Rothmayr diese mit den Übernachtungen im Allgäuer Seenland – mit 16,5 Prozent Minus entwickelten sich diese sehr ähnlich wie in der Gemeinde selbst – und mit dem gesamten Allgäu, das bei den Übernachtungen sogar ein Minus von 38,3 Prozent verzeichnete.

Positiv entwickelte sich die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Waltenhofener Gäste, die von 4,84 Tagen (2019) um 21,48 Prozent auf 5,88 Tage anstieg. Dies sei auf die weggefallene Nebensaison zurückzuführen, in der normalerweise mehr Kurzurlaube stattfänden, erklärte Rothmayr.

Was tun mit den Wildcampern?

Auf Wunsch des Gemeinderats befasste sich die Gästeinformation mit der Wohnmobilsituation in Waltenhofen, da Wildcamper wiederholt für Unmut sorgten und die Natur unter anderem mit ihren Toilettenabfällen verschmutzten. Dies führte zu Überlegungen über einen neuen Wohnmobilstellplatz. Die beiden derzeitigen Campingplatzbetreiber der Gemeinde machten jedoch wenig Hoffnung, dass die Situation dadurch entschärft werden könne, fasste Rothmayr die Ergebnisse der Gespräche mit den Campingplatzbetreibern zusammen.

Wildcamper würden jeden Euro sparen wollen, auch dann, wenn ausreichend Parkplätze für Wohnmobile zur Verfügung stünden. Als Reaktion auf die Wildparker seien in der Vergangenheit verstärkte Kontrollen durch die Verkehrsüberwachung durchgeführt worden, sagte Rothmayr. Des Weiteren gebe es für einen der betroffenen Parkplätze am Niedersonthofener See derzeit die Überlegung, eine Höhenbeschränkung zu installieren. Dies sei jedoch erst möglich, wenn das Grundstück vom Landratsamt an die Gemeinde übergegangen ist.

Den Parkplatz in Oberdorf als Wohnmobilstellplatz auszuweisen, wäre eine weitere mögliche Maßnahme, meinte Rothmayr. Dort dürften Wohnmobile ohnehin für eine Nacht stehen.

Die Meinungen aus dem Gemeinderat fielen gemischt aus. Während der Zweite Bürgermeister Stefan Sommer (CSU) nicht nur auf Kontrollen und Sanktionen wie Strafgebühren setzen wollte und auch eine Höhenbeschränkung für wenig sinnvoll hielt, forderte Sonja Kehr (Grüne) genau jene Kontrollen als Abschreckung für mögliche Nachahmer. Marlies Kuhn (CSU) bezeichnete die aktuelle Situation als „unmöglich“, da Wohnmobile im Wald und an Feldern parkten. Die Gemeinderätin sprach sich deshalb für weitere Parkmöglichkeiten aus. Melanie Rothmayr empfahl dem Gremium, die Lage vorerst weiter zu beobachten, da sich diese von allein entspannen könnte, sollten Reisen ins Ausland wieder leichter möglich sein. Erster Bürgermeister Eckhard Harscher (Wir für Waltenhofen) wollte neue Erkenntnisse abwarten und den Punkt im November wieder auf die Tagesordnung setzen.

Digitalisierung schreitet voran

Das Thema der Digitalisierung zog sich wie ein roter Faden durch die Kulturausschusssitzung. Inzwischen können bei 21 der insgesamt 110 Vermieter in der Gemeinde Online-Meldescheine ausgefüllt werden. Waltenhofen und das Allgäuer Seenland würden sich verstärkt in den Sozialen Medien präsentieren und der Relaunch der Allgäuer-Seenland-Website stünde kurz bevor, erzählte Rothmayr. Auch der Google-My-Business-Eintrag solle in Zukunft noch besser von den Vermietern genutzt werden, damit die Gastgeber über die Suche schneller gefunden würden. Wer beim Einrichten und Pflegen des Online-Auftritts Hilfe benötige, könne gerne auf die Gästeinformation zukommen, bot Rothmayr Unterstützung an. Digitaler wird es mit der Parkster-App auch an den Parkplätzen in Waltenhofen. „Die App ist ein Zusatzangebot zu den Parkautomaten und kompatibel mit der Allgäu-Walser-Card“, sagte Rothmayr. 

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