"Du darfst nie aufhören zu Proben"

Walter "Catulla" Wilhelm spielt im Altstadthaus

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Jazz-Gitarrist Walter „Catulla“ Wilhelm im Altstadthaus Kempten.

Kempten – Kein schräger, extremer, nein „hörbarer“ Jazz war angekündigt und so war das Altstadthaus am helllichten Mittwochnachmittag voll mit Menschen, die den 84-jährigen Walter „Catulla“ Wilhelm auf seinem langen musikalischen Weg begleitet haben, uralte Bekannte sind und ihn persönlich schätzen.

Mit dem Journalisten Anton Reichart hat er viele Gespräche geführt über seine Kindheit und Jugend, seine Karriere als Jazzgitarrist und die Allgäuer und Außerferner Musikszene. Daraus ist ein schmales Büchlein geworden, lose aneinandergereihte Anekdoten und Erinnerungen an kuriose und dramatische Ereignisse, reich illustriert mit Schwarz-Weiß-Fotos zu den Stationen seines Lebens.

Begleitet von seinen Duracher Freunden Willi Wenger an der Gitarre, der auch Wiener und Tiroler Lieder sang, und Werner „Katz“ Holzer am Zupfbass spielte „Catulla“ Wilhelm virtuos auf. „Du darfst nie aufhören zu Proben“, versicherte er in seinem kernigen Tiroler Zungenschlag.

Wie aus einer anderen Welt klingt es, wenn Wilhelm erzählt, dass er als „lediges“ Kind ein Makel und seine Mutter deshalb geächtet war. Das Gitarrenspiel hat ihm seine Oma beigebracht – auf ihrem Hof gab es weder Radio noch Fernseher – und schon als Bub hat er gemerkt, dass er Musik einfach im Blut hat. Er erinnert sich genau an die Namen der unzähligen Cafés, Bars und Hotels im Füssener Land, in Stuttgart und in der Schweiz, in denen er und seine Band in wechselnder Besetzung Swing, Gipsy-Jazz und Stücke der Beatles musizierten. In der Rückschau sind manche seiner Auftritte legendär. Wie er mit 14 Jahren zu seinem Spitznamen „Catulla“ kam? Auch das verrät er im Gespräch mit dem Autor des Erinnerungsbuchs, das auch zu einem Stück Lokal- und Zeitgeschichte geworden ist.

Walter Wilhelm hat die Musikalität offenbar vererbt: Sein Enkel Remo spielt melodischen Punkrock und plant seiner erste Tour.

Auch nach über zwei Stunden auf der Bühne war Wilhelm, vom begeisterten Publikum angespornt, noch spielfreudig und für Zugaben zu gewinnen. Der Jazz-Gitarrist wird, so ist ihm von Herzen zu wünschen, auch in sein neuntes Lebensjahrzehnt swingen und plaudern.

Das Buch „Walter Catulla Wilhelm: Jazzmusik – das ist mein Leben“ von Anton Reichard ist im Eigenverlag erschienen, kostet 9,80 Euro und ist beim Autor erhältlich, Telefon 08364/543.

Elisabeth Brock

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