Midijob die bessere Variante

Minijob sollte keine Dauerlösung sein

+
Über Chancen, Risiken und Perspektiven im Bereich der geringfügigen Beschäftigung informierten im Rahmen der Wanderausstellung „Der Minijob – eine Erfolgsgeschichte?“ die Leiterin der Agentur für Arbeit Maria Amtmann (li.) und der Bezirksgeschäftsführer der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di Werner Röll.

7,5 Millionen Menschen haben in Deutschland einen Minijob, 79.000 davon arbeiten im Zuständigkeitsbereich der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. Für 34.000 ArbeitnehmerInnen stellt diese geringfügige Beschäftigung das Hauptarbeitsverhältnis dar.

Um Chancen, Risiken und Perspektiven des Minijobs dreht sich eine Wanderausstellung, die vergangene Woche in der Agentur für Arbeit in der Rottachstraße in Kempten und in den nächsten Wochen in Memmingen und Lindau zu sehen ist.

Das Fragezeichen hinter dem Titel der Ausstellung „Der Minijob – eine Erfolgsgeschichte?“ ist mehr als berechtigt und ebenso war der Referent der begleitenden Informationsveranstaltung gut gewählt: Werner Röll, Bezirksgeschäftsführer von

ver.di Allgäu. Während sich Maria Amtmann, Geschäftsführerin der Kemptener Zweigstelle der Agentur für Arbeit, auf die aktuellen Zahlen für den Bereich der MinijobberInnen konzentrierte, ging der Geschäftsführer des Bezirksverbands Allgäu der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di auf die rechtlichen und sozialen Aspekte der geringfügigen Beschäftigung ein. „Für Minijobs gelten zunächst zwei Obergrenzen: 450 Euro im Monat und maximal 5400 Euro pro Jahr. Darüber hinaus gilt auch für MinijobberInnen der gesetzliche Mindestlohn von 8,84 Euro. Daraus ergibt sich wiederum eine maximale Arbeitszeit von 50,9 Stunden pro Monat“, erläuterte Röll.

Der Gewerkschaftler räumte auch mit einem weitverbreiteten Vorurteil auf: „MinijobberInnen sind keine rechtlosen Arbeitskräfte. Ob Vollzeitarbeitsvertrag oder geringfügige Beschäftigung, das Arbeitsrecht gilt für Alle. Somit haben auch MinijobberInnen einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Weihnachtsgeld, ein Arbeitszeugnis und ja, auch auf den Kündigungsschutz dürfen sich geringfügig Beschäftigte verlassen.“ Röll stufte den Minijob als akzeptable Übergangslösung für Schüler, Studenten und in der Phase der Kindererziehung ein. Als dauerhafte und alleinige Einkommensquelle sei der Minijob jedoch höchst bedenklich. So beurteilt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB dieses Arbeitsverhältnis als prekäre Beschäftigung. Die Konsequenz daraus: eine andauernde geringfügige Beschäftigung bedeutet für die Gegenwart Armutsgefährdung, für die Zukunft Altersarmut. „Sowohl gesellschaftspolitisch als auch arbeitsmarkpolitisch sollte es das vornehmste Ziel aller Akteure sein, Minijobs in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse weiterzuentwickeln“, so der Appell von Seiten Rölls.

Einen Anreiz für eine solche Weiterentwicklung sieht Röll in der vom Gesetzgeber formulierten Gleitzone von 451 Euro bis 850 Euro. Bei diesem auch als Midijob bezeichneten Arbeitsverhältnis profitieren beide Vertragspartner. Die Sozialversicherungspflicht bedeute für die ArbeitnehmerInnen volle soziale Absicherung und dadurch Zugang zu Krankengeld, Arbeitslosengeld und Leistungen der Arbeitsförderung. Das höhere aktuelle Einkommen laufe parallel mit verbesserten Rentenansprüchen. Bei einem Arbeitsentgelt von 500 Euro sinken die Abgaben auf Arbeitgeberseite sogar unter die Pauschalbeträge die für Minijobs festgesetzt sind. Über diese finanziellen Aspekte hinaus sollten auch zwei weitere Faktoren berücksichtigt werden: Mitarbeiterzufriedenheit und Mitarbeiterbindung. Die Weiterentwicklung eines Minijobs zu einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis könne hier einen wichtigen Beitrag leisten.

Zuspruch für diese Entwicklung fand der Gewerkschaftler Röll bei Agentur-Geschäftsführerin Amtmann: „Unsere MitarbeiterInnen stehen für Informationen und Gespräche zur Verfügung und klären gerne ob und wie Eingliederungshilfen oder Qualifizierungsmaßnahmen umgesetzt werden können. Die positive wirtschaftliche Entwicklung und die Lage auf dem Arbeitsmarkt sind Faktoren die von den Minijobbern genutzt werden sollten um weiterzukommen.“ Als gute Informationsquelle in Sachen „Minijob und mehr“ nannte Amtmann die Internet-Seite der Minijob-Zentrale www.minijob-zentrale.de und den Newsletter der auf dieser Seite abonniert werden könne.   

Michael Schropp

Auch interessant

Meistgelesen

Umweltausschuss gibt Weg für Neuansiedlungen in der Riederau frei
Umweltausschuss gibt Weg für Neuansiedlungen in der Riederau frei
Die Geschichte des vereinten Kempten in einer einzigartigen Videomapping-Show
Die Geschichte des vereinten Kempten in einer einzigartigen Videomapping-Show
Überraschungsei birgt Rauschiges
Überraschungsei birgt Rauschiges
Buntes Begegnungsfest auf dem Residenzplatz
Buntes Begegnungsfest auf dem Residenzplatz

Kommentare