Wankende Liebesbeziehung

Sind Kultur und Politik Liebesbeziehung oder Zweckgemeinschaft? Beim ersten Talk im Theater stellten sich Dr. Wolfgang Heubisch (FDP), Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) und Peter Baumgardt, leitender Direktor des TheaterInKempten (TIK), der Diskussion mit Gästen aus Kultur und Politik, um die „Reibungsflächen zwischen dem künstlerisch Wünschenswerten und dem finanziell Machbaren“ auszuloten.

Nahe liegend, dass der Fokus auch immer wieder auf die Situation des TIK gelenkt wurde. Ein Theater sei kein „börsennotiertes Unternehmen“, mahnte Baumgardt in seiner Rede vor den geladenen Gästen aus Kultur und Politik. Dass das TiK ebenso wie seines Wissens alle Theater in Bayern „defizitär ist“, war dem Staatsminister „sonnenklar“. Aber angesichts des kulturellen Reichtums in Bayern, seien auch die Diskussionen um die Verteilung der Gelder hart. Er sah die Aufgabe der Politik eher in der Rolle des „Wegbereiters“, der möglichst viel Freiheit für Eigeninitiative gebe. „Es wird keine 100-prozentige Unterstützung von Staat oder Kommune geben“, machte er unmissverständlich klar. Baumgardt sah vor allem die „Liebesbeziehung von Politik und Kunst“ als entscheidenden Faktor. „Eine Liebesbeziehung wird irgendwann ins Wanken geraten“, wenn der eine Teil den anderen ständig überfordere, nahm Netzer den Ball auf. Wenn die „Kommune den Rahmen stellt und die Kulturschaffenden den Rest“, bedeute es für ihn Freiheit. Ulrich Schwab kritisierte, dass Kempten im Vergleich zu Nürnberg, Coburg oder Hof weniger Zuschüsse für das Theater erhalte. Im Falle Kemptens werde ein neuer Mittelweg versucht, für den bislang keine Fördermechanismen griffen, wies Netzer darauf hin, nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Auch dürfe man nicht vergessen, dass das Gesamtbudget nicht erhöht werden könne und somit jede neue Förderung Mittel bei einem anderen Projekt abziehe. Hilfe von Heubisch erhoffte sich Hansjürg Hensler, Vorsitzender des Klecks, bezüglich der teilweise „irrwitzigen“ Abgaben von Kulturvereinen an GEMA und Künsterlsozialkasse. Er sah keinen Sinn darin, dass Vereine die dringend benötigten Fördergelder aus dem einen Topf wieder komplett in einen anderen Topf einzahlen müssten. Die Notwendigkeit einer Überarbeitung sah Heubisch ebenfalls, wenn es auch „nicht leicht wird“. Ebenso nahem er Netzers den Hinweis auf Förderrichtlinien für eine neue Sparte gerne auf. Zur Beruhigung aller machter er trotz knapper Kassen abschließend klar: „Die Bayerische Regierung denkt überhaupt nicht daran, sich aus Kunst und Kultur zurückzuziehen“.

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