Große Bauvorhaben in der Warteschleife

Was wird aus bislang nur geplanten Projekten wie der Hochschul-Erweiterung?

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Was wird aus den Bauprojekten?

Kempten – Zahlreiche Großbauprojekte in Kempten sind zwar in Planung, werden aber seit Jahren nicht umgesetzt. Die zwei prominentesten Bauvorhaben, das „Große Loch“ und die geplanten Wohnungen im ehemaligen Krankenhaus an der Memminger Straße waren Thema in unserer Ausgabe vom 23. Januar 2021. Aber es gibt noch weitere.

Lesen Sie hier den ersten Teil.

• Keckwiese, Ulmer Straße, Gärtnerei Bunk

Was ist aus dem Vorhaben von Walter Bodenmüller Gewerbeimmobilien geworden, auf dem Gelände der Keckwiese einen Hotelturm zu bauen? 2016 hatten die Visionen Bodenmüllers für viel Aufruf gesorgt, hatten aber weder im Gestaltungsbeirat noch im Bauausschuss Zustimmung gefunden. Selbiger Investor hat auch den Bau eines Sport- und Fachmarktzentrums mit 42.000 Quadratmetern Nutzfläche an der Ulmer Straße (ehemaliges Bundeswehrgelände) in der Pipeline. Es ist das größte Projekt in Kempten seit langem. Neben den Fachmärkten, wie einem 5800 Quadratmeter großen Dehner-Gartencenter und Sportangeboten, z.B. einer Trampolinhalle, soll es in dem riesigen Komplex auch eine Jugendherberge mit 350 Betten sowie eine Kindertagesstätte mit 250 Plätzen geben. Damit wird das Zentrum eine bayernweit einmalige Kombination, sagte der Investor während einer Sitzung des Kemptener Gestaltungsbeirats. Der Haupt- und Finanzausschuss hat in seiner Sitzung vom 16. November 2020 zur Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes lediglich zwei Sonderstandorte zugelassen und das Areal Ulmer Straße nicht als Sonderstandort aufgenommen. In dem Projekt wäre demnach nur der sogenannte „Sonstige Bedarf“ zulässig und damit weder innenstadtrelevante Artikel noch nahversorgungsrelevante Sortimente.

Nach Recherchen des Kreisboten fehlt zur Umsetzung des geplanten Sport- und Fachmarktzentrums nach wie vor das für das Technische Hilfswerk (THW) vorgesehene Areal, das sich noch immer im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) befindet. Ohne dieses Grundstück ist die Verwirklichung des Projektes aber nicht wie von Bodenmüller angedacht möglich.

Ein weiteres Bauvorhaben Bodenmüllers ist ein ökologisches Wohnbauprojekt auf dem ehemaligen Gelände der Gärtnerei Bunk im Ortsteil Neuhausen. Der Investor plant auf dem 7500 Quadratmeter großen Grundstück Einfamilien-, Reihen- und Geschosshäuser aus Holz mit einer gemeinsamen Energieversorgung. Autos sollen neben den Bauten so gut wie keine zu sehen sein, fast alle sollen in einer Tiefgarage geparkt werden. Der Gestaltungsbeirat hatte gegen die geplante Bebauung zunächst Einwände. Der Investor hat daher in der Planung nachgesteuert. Derzeit keine Stellungnahme, hieß es seitens Walter Bodenmüllers zu den Anfragen des Kreisboten; weder was die zeitliche Realisierung der drei Projekte betrifft, noch zu Detailfragen. 

• Domicil Seniorenpflegeheim

Das Unternehmen HBB, Hamburg – Domicil Seniorenpflegeheim Hamburg hat in Kempten das Grundstück der Gärtnerei Herb an der Ecke Adenauerring/ Memminger Straße erworben, um auf diesem Gelände ein Pflegeheim zu bauen. Das Projekt wurde zweimal im Gestaltungsbeirat behandelt und mit einigen Anregungen zu Fassadengestaltung, Demenzgarten oder auch der Tiefgarageneinfahrt letztlich von diesem auch befürwortet. Geschäftsführer Oliver Rüdanz hat sich nach der Sitzung des Gestaltungsbeirates vergangenen September dahingehend geäußert, dass man auf einen Baubeginn in 2021 setze.

„Die Zusammenarbeit mit der Stadt Kempten war und ist ausgesprochen konstruktiv“, betont Rüdanz auf Nachfrage zum aktuellen Stand. „Nach den bekannten Vorstellungen im Gestaltungsbeirat haben wir im Spätsommer den Bauantrag bei der Stadt Kempten eingereicht.“ Die Stadt habe den Bauantrag für das große und komplexe Projekt sehr zügig bearbeitet und man habe bereits vor einigen Wochen die Baugenehmigung erhalten. „Derzeit bereiten wir die Ausschreibung der Bauleistung vor. Dieses und die Verhandlung der Bauleistung wird – auch coronabedingt – eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen“, so Rüdanz weiter. „Wir beabsichtigen jedoch die Bauleistung zügig zu vergeben, sobald uns entsprechende qualifizierte Angebote vorliegen. Wir gehen weiterhin von einem Baubeginn im Jahre 2021 aus. Die Vorgaben des Gestaltungsbeirates werden unverändert eingehalten.“

• Hotel und Geschäftshaus Kotterner Straße

Das Architektenbüro Hippmann hatte im Gestaltungsbeirat das Projekt „Hotel und Geschäftshaus“ in der Kotterner Straße 82- 84 vorgestellt. Demnach sollten im Erdgeschoss Einzelhandelsgeschäfte und in den Etagen darüber ein Hotel entstehen. Das Projekt wurde nach Nachbesserungen der Architekten vom Gestaltungsbeirat befürwortet. Jetzt kann man der Homepage des Architektenbüros entnehmen, dass das Projekt bis auf Weiteres zurückgestellt wurde.

Laut Marco Hippmann vom Architektenbüro Hippmann wurde das Projekt „einzig aufgrund der Entwicklung im Einzelhandelsbereich zurückgestellt“. Der Online-Handel setze dem Einzelhandel bereits seit Jahren zu und führe gerade zu einer starken Veränderung in der Branche, erläutert er die Entscheidung. „Dieser Umstand betrifft nicht nur Kempten, sondern ist landesweit zu beobachten. Leerstände im Einzelhandelssektor selbst in guten Innenstadtlagen sind nicht mehr selten und lassen somit die Mietpreise fallen.“ Er gehe davon aus, dass sich ganze Innenstädte in den nächsten Jahren daher wandeln würden. Wie Hippmann angab, steht der Bauherr dem Standort in der Kotterner Straße „weiter sehr optimistisch“ gegenüber, „jedoch ist eine zukünftige Entwicklung vor dem oben beschriebenen Hintergrund neu zu denken.“

• Wohn- und Geschäftshaus Scheibenstraße/Kotterner Straße

Laut Auskunft von Hans-Peter Müller vom planenden Büro MSW Architekten wurde der Bauantrag inzwischen eingereicht. Das Projekt soll mit einer geringfügigen Änderung – das Gebäude an der Ecke Scheibenstraße/Kotterner Straße soll erhalten bleiben – wie geplant umgesetzt werden. Ziel ist mit der Realisierung im zweiten Halbjahr 2021 zu beginnen.

Helmut Hitscherich

Kommentar

Welche Interessen verfolgen Investoren? Warten sie nur auf einen günstigen Augenblick um das erworbene Grundstück mit Gewinn weiterzuverkaufen? Wie kann man ein Grundstück erwerben, Nutzungen planen ohne Berücksichtigung von Bebauungsplänen? Wie kann man mit Plänen an die Stadt herangehen, obwohl man das Grundstück nicht zu 100 Prozent besitzt? Gab es beim „Großen Loch“ von Anfang an ein großes Missverständnis? Es ist schwer vorstellbar, dass seitens der Investoren/ Architekten keine Vorgespräche zur Nutzung des geplanten Gebäudes mit der Stadt stattgefunden haben. Wären vier Mal 700 Quadratmeter Einzelhandelsfläche gegenüber dem Forum Allgäu tatsächlich so geschäftsschädigend gewesen? Bedenklich ist allerdings, dass die Stadt bis heute keine Auskunft darüber erteilt – auch nicht in den zuständigen Gremien – wie teuer die leidige Geschichte den städtischen Haushalt zu stehen gekommen ist. Immerhin wurden hierfür Steuergelder eingesetzt. Mit dem „Großen Loch“ werden wir wohl noch länger leben müssen. Beim unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Krankenhausgebäude gab es warnende Stimmen bezüglich des Investors, dessen Geschäftsgegenstand der Ankauf, die Entwicklung und der Verkauf von Grundbesitz ist. Hier hätte die Stadt als Gesellschafter des Krankenhauszweckverbandes mehr Einfluss bezüglich der potentiellen Käufer nehmen können – ja, müssen. Aber hier ging es vermutlich nur darum, den größtmöglichen Erlös zu erzielen. Manches Mal ist es besser, auf eine hohe Einnahme zu verzichten, dafür aber einen verlässlichen Investor zu haben. Gott sei Dank gibt es diese, wie das Unternehmen HBB, Hamburg – Domicil Seniorenpflegeheim und die Investoren zur Realisierung des Wohn- und Geschäftshauses Scheibenstraße/Kotterner Straße.  

Helmut Hitscherich

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