Waschen wie vor 200 Jahren

Nach der Theorie mit Besichtigung des Anfang des 18. Jahrhunderts erbauten Waschhäuschens in der Fürstenstraße (der KREISBOTE berichtete) ging es ein paar Tage später voll in die Praxis: Mit Feuereifer machte sich die Klasse 4b der Fürstenschule im zweiten Teil der Aktion „Denkmal-Architektur-Schule“ daran, die Haushaltsdisziplin des Wäschewaschens wie anno dazumal zu praktizieren.

Bei perfektem Wetter für einen „Waschtag“ hantierten die kunterbunt beschürzten Viertklässer, beobachtet von der Klasse 2b als Zaungäste, auf der Wiese vor dem Gebäude wie kleine Profis. Dank Konrektor Kurt Richter und Ilse Roßmanith-Mitterer stand ihnen dafür eine umfangreiche, authentische Ausrüstung zur Verfügung: Waschbrett, Waschstampfer, Zinkwanne, Waschkorb, alte Seile und Wäscheklammern – natürlich aus Holz. Sogar zwei alte, handbetriebene Waschmaschinen hatte das Heimatmuseum Buchenberg für das Denkmalprojekt ausgeliehen. „Erst haben wir die Wäsche gestern in Wasser mit klein geschnittener Kernseife eingeweicht“, erzählte die zehnjährige Franke Kagermann, nachdem das letzte Bettlaken auf der zwischen Bäumen gespannten Leine zum Trockenen im Wind flatterte. Am Waschtag selbst dann „haben wir sie in heißem Wasser mit dem Stampfer bearbeitet“ und mit dem Löffel rausgeholt, rekapitulierte sie. „Mit Bürste und Waschbrett geht es noch besser“, befanden ihre Klassenkameradinnen Rebecca Spielberger und Yaren Iskeleni. Um die Seife wieder auszuwaschen, „haben wir alles ins kalte Wasser gelegt“, dann gebürstet und wieder ins Wasser gelegt, beschrieben die drei „Wäscherinnen“ ihre Arbeit. Anders als heute, wo die Maschinen sorgsam geschleuderte Wäsche präsentiert, mussten hier auch die großen Laken – ja was eigentlich? „Ausschütteln“? „Ausdrücken?“ waren die Vorschläge aus der 4b – ach ja, „auswringen“ kam schließlich die erlösende Antwort. Und das war manchmal nur in Teamarbeit zu bewerkstelligen. Ganz wie früher, als Vater und Mutter die großen Wäscheteile auch in Gemeinschaftsarbeit gewrungen haben, wie der Konrektor wusste. Mehr Beachtung Die „ganz schön schwere Arbeit“ hat den Kindern zwar „Spaß gemacht“, aber jeden Tag würden sie das nicht machen wollen, gestanden einige. „Es wäre wünschenswert“, so Ilse Roßmanith-Mitterers Hoffnung, „wenn durch diese Aktion das historische Waschhaus wieder mehr Aufmerksamkeit erfahren würde und durch eine dringend notwendige Renovierung der Verfall gestoppt werden könnte“.

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