Grundlage allen Lebens

Biologe Schneider beleuchtet das Wasser von der Energiequelle bis hin zum Lebensmittel

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Biologe und Buchautor Dr. Michael F. Schneider zum Thema „Wasserreichtum im Allgäu“.

Kempten – „Wasserreichtum im Allgäu – Die Alpenflüsse und ihre Bedeutung für Mensch und Natur“ –

Die Umweltgruppe des ikarus.thingers Agenda 21 hatte letzten Montag zu einem Vortrag eingeladen. Als Referent konnte der bekannte Buchautor und Biologe Dr. Michael F. Schneider gewonnen werden. 

Michael F. Schneider hat in Mainz und Heidelberg Biologie studiert. Er war zu Forschungszwecken in Madagaskar und als Dozent in Papua Neuguinea und Mosambik. Seit November 2014 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Landschaftspflegeverband Unterallgäu e.V. als Betreuer des Biodiversitätsprojektes „Bachmuschel- und Libellenbäche im Landkreis Unterallgäu“ und er engagiert sich in der Umweltbildung als Wanderführer. 

Bereits seit frühster Kindheit hat er ein intensives Verhältnis zur Natur entwickelt, das sich auch in seinen Büchern zur Naturgeschichte des Allgäus widerspiegelt. In angenehmer Gesprächsatmosphäre behandelte der Referent unterschiedliche Fragestellungen, angefangen bei „Was ist Wasser?“ bis hin zu „Wasser – Fluch und Segen“. Wasser sei unser wichtiges Lebensmittel, essenziell für die Gesundheit und tägliche Hygiene. Wir nutzen es als Energiequelle, Transportmedium, für Tourismus und als Rohstoff, so Schneider. Es habe ungewöhnliche physikochemische Eigenschaften, ohne die Leben nicht möglich wäre. Wasser sei Lebensraum für Fische, Vögel, Insekten und biologische Vielfalt. Er erläuterte anschaulich den Kreislauf des Wassers und zeigte mit Hilfe einer Klimakarte den Wasserreichtum im Allgäu auf – Hunderte von Kilometern von Alpenflüssen und Gebirgsbächen, Seen und Weihern, begünstigt durch ein subozeanisches Klima mit hohen Niederschlagsmengen, feuchten, mäßig warmen Sommern und milden, schneereichen Wintern. 

Und so haben viele Allgäuer Ortsnamen einen Namensbestandteil, der mit Wasser zusammenhängt, dies zeige sich auch in den Allgäuer Ortswappen, wie etwa die Abbildungen von Fischen, Mühlen, Wasser etc. erklärte Schneider. Dem Biologen gelang es anschaulich, die ungeheure Kraft des Wassers zu erklären. Es entstanden Höhlen, wie etwa unter dem Gottesackergebiet, Schluchten und auch Wassermühlen, führte er aus. Und so sei Wasser ein Segen für Wirtschaft und Region, es werde zur Energiegewinnung, in der Milchwirtschaft und im Tourismus genutzt. Im Allgäu werden etwa 52 Prozent des Stromes aus Wasserkraft erzeugt. Andererseits ist das Wasser aber auch Fluch zugleich mit Hochwasser und Überschwemmungen. Begünstigt werde dies durch die Errichtung von Uferdämmen, statt der bisherigen Auwälder, begradigten Flussbetten statt Mäander, Flächenversiegelungen und Siedlungen in Überschwemmungsgebieten. Für ihn als Biologen seien Renaturierung und Aufstiegshilfen für Fische absolut sinnvoll, um das ökologische Gleichgewicht zu unterstützen. Beim Blick auf die zunehmenden Wetterextreme stellt sich für Schneider die Frage nach der Zukunft des Wasserreichtums im Allgäu. 

Seit 1980 bis heute sei die Wassertemperatur der Iller von fünf auf 8,3 Grad Celsius gestiegen und die Niederschlagsmengen hätten zugleich abgenommen. Diese Entwicklungen haben laut Schneider Auswirkungen auf den Grundwasserpegel, die Energiegewinnung, die Landwirtschaft und den Skitourismus. Im Allgäu werde es im Vergleich zu anderen Regionen noch relativ viele Niederschläge geben. Aber Wasser werde knapper, so seine Prognose. Am Ende des Vortrages hatten die Teilnehmer Gelegenheit, unterschiedlichste Problemstellungen zum Thema Wasser mit dem Wasserspezialisten zu diskutieren. 

Christine Reder

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