HYAllgäu II

Wasserstoff im Allgäu: Weitere Machbarkeitsstudie soll Kunden bringen 

In der zweiten Allgäuer Wasserstoffstudie soll die Abnehmerseite beleuchtet werden.
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In der zweiten Allgäuer Wasserstoffstudie soll die Abnehmerseite beleuchtet werden.

Oberallgäu/Kempten – Eine Mini-Diskussion entstand am Mittwoch vergangener Woche, als es in der Sitzung des Klima- schutzbeirates um eine zweite Machbarkeitsstudie zur Wasserstoffregion Allgäu ging. Wie Klimaschutzmanager Thomas Weiß erklärte, gehe es in der zweiten Studie „HYAllgäu II“ um mögliche Abnehmer des Wasserstoffes. Nur mit diesen sei es sinnvoll, überhaupt Wasserstoff zu produzieren. 

Interesse hätten bereits mehrere Unternehmen angemeldet, darunter Logistiker und Busunternehmer. Für Letztere gelte bald die Clean Vehicles Directive. Demnach müssen neue Busse mit einer alternativen Antriebs- form ausgerüstet sein. Aber „für die Busunternehmer ist die Anschaffung von Wasserstoffbussen sehr teuer, genauso die Wartung“, sagte Weiß. Deshalb soll in Studie II ein Geschäftsmodell entwickelt werden, wie Wasserstoffbusse mit nur kleinem unternehmerischen Risiko rollen können. Eine Fragestellung ist auch, inwieweit Wasserstoff-Fahrzeuge in den kommunalen Betrieb eingebunden werden können, etwa als Müllfahrzeuge oder Gabelstapler. Als letztes Ziel gab Weiß die Förderung personeller Kapazitäten bei Bioenergie Allgäu GmbH sowie bei Stadt und Landkreis an.

In der ersten Studie (HYAllgäu) habe man die Wasserstoff- Erzeugung beleuchtet. Bereits seit Mitte 2020 führen der Landkreis Oberallgäu und die Stadt Kempten die Machbarkeitsstudie durch, in der die wirtschaftliche und regionale Erzeugung von Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen („grüner Wasserstoff“) untersucht wird. Es habe sich gezeigt, dass nicht nur, wie ursprünglich angenommen, 30 Tonnen Wasserstoff im Jahr zu den Erzeugerkosten von fünf bis sechs Euro pro Kilogramm geliefert werden könnten, sondern sogar 1000 Tonnen. Mögliche Lieferanten sind neben dem Abwasserverband Kempten (AVKE, rund 30 Tonnen), der Zweckverband für Abfallwirtschaft Kempten (ZAK, rund 400 Tonnen), das Allgäuer Überlandwerk (AÜW, rund 400 Tonnen), die Allgäuer Kraftwerke und Windkraftanlagen aus Wildpoldsried. Die Energie dieser Windräder würde mit jener von PV-Anlagen und Biogas-BHKWs kombiniert werden. Für die Wasserstoffproduktion liegen bereits Förderzusagen in Höhe von rund 25 Millionen Euro vor. Als dritter Projektpartner kommt neben Stadt und Landkreis in der zweiten Studie der Landkreis Lindau hinzu.

Es ist noch nicht klar, ob die Projektskizze für die zweite Studie angenommen wird, so Weiß. Die erforderlichen Eigenmittel in Höhe von etwa fünf bis 15 Prozent sollen von den Projektpartnern aus der freien Wirtschaft erbracht werden. Dr. Martin Steyer, der im Klimaschutzbeirat jüngst die Stelle von Dr. Tobias Peylo übernommen hat und an der Hochschule Kempten frisch zum Nachhaltigkeitsbeauftragten gekürt worden war, sieht es „kritisch, zu sehr in Wasserstoff zu setzen“, wie er sagte. „Ich sehe tatsächlich nur Nischen, die die zweitbeste Lösung sind.“ Weiß und Sitzungsleiterin Gerti Epple (Bündnis 90/Die Grünen) stimmten Steyer teilweise zu. Ihrer Meinung nach sei der Wasserstoff aber dennoch „ein Teil der Energiewende“.

Die Ergebnisse der ersten Studie „HYAllgäu“ werden bei einer zweitägigen Abschlussveranstaltung am 29. und 30. Juli 2021 an der Hochschule Kempten, die ebenfalls Partner ist, öffentlich vorgestellt und diskutiert. Wer Genaueres zu den Untersuchungen und den Einwänden von Martin Steyer wissen möchte, kann sich bei seinem Vortrag, den er mit Norbert Grotz zum Thema „Wasserstoff – Energiequelle der Zukunft?“ erarbeitet hat, am Dienstag, 4. Mai 2021, um 17.30 Uhr, informieren. Die Veranstaltung findet sich hier. Die Meeting-ID dazu lautet: 957 2143 4978, der Kenncode: 424952 .

Susanne Lüderitz

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