Ein Wechselbad der Gefühle

On in der Ari-Kaserne in der Kaufbeurer Straße schon demnächst die Lichter ausgehen, wird sich am heutigen Mittwoch klären. Foto: Archiv

Wohl selten stoßen Journalisten im Berliner Politikbetrieb auf eine derart undurchdringliche Mauer des Schweigens wie derzeit, wenn es um das Thema Standortschließungen bei der Bundeswehr geht. Von der Entscheidung in der Hauptstadt, die am gestrigen Dienstagabend nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe fallen und erst am heutigen Mittwochvormittag bekannt gegeben werden sollte, ist auch Kempten betroffen. Daher hatten in den vergangenen Wochen von OB Dr. Ulrich Netzer über den Bundestagsabgeordneten Stephan Thomae bis hin zu Staatssekretär Dr. Gerd Müller Politiker versucht, ihren Einfluss geltend zu machen – ob mit Erfolg können Sie ab dem heutigen Mittwochnachmittag unter www.kreisbote.de erfahren.

Mit dem Gebirgssanitätsregiment 42 „Allgäu“ in der Ari-Kaserne, dem Kreiswehrersatzamt und dem Facharztzentrum gehörte Kempten bislang zu einem der bedeutensten Standorte im Allgäu – bislang. Denn nach Auskunft des Verteidigungsministeriums sollen von bisher neun Sanitätseinheiten künftig nur noch fünf verbleiben. Dazu kommt, dass die Bundeswehr im Allgäu mit den anderen Standorten Kaufbeuren, Sonthofen und Füssen im Vergleich zu anderen Regionen noch stark vertreten ist. Dass alle Kasernen erhalten bleiben, gilt unter Fachleuten daher als sehr unwahrscheinlich. "Reine Spekulation" Beim Kemptener Gebirgssanitätsregiment mit seinen rund 800 Soldaten und 200 Zivilangestellten in der Kaufbeurer Straße selbst bleibt man indes trotz aller Spekulationen gelassen. „Wir sind gespannt, sind uns jedoch auch alle einig, dass wir es eh nicht ändern können“, erklärte Oberfeldarzt Dr. Frank Hengstermann, Kommandeur der Einheit, vergangene Woche gegenüber dem KREISBOTEN. Wie die Chancen für den Standort Kempten stünden, dazu könne er nichts sagen. „Aber wir versuchen, auf das Alleinstellungsmerkmal der Kemptener Kaserne zu setzen – das Gebirgssanitätsregiment“, so Dr. Hengstermann weiter. An allen anderen Spekulationen und Gerüchten wolle er sich nicht beteiligen. Als „reine Spekulation“ bezeichnete am Montag auch der heimische FDP-Bundestagsabgeordnete Stephan Thomae jedwede Debatte um die Zukunft der Ari-Kaserne. „Es gibt leider keine klaren Signale aus dem Verteidigungsministerium“, erläuterte er. „Die Informationspolitik ist sehr restriktiv.“ Für die am Prozess hinter verschlossenen Türen Beteiligten gelte sogar eine striktes Handyverbot, berichtete er am Montagnachmittag. Er selbst und seine Parlamentskollegen hätten keinerlei Einfluss auf die Entscheidung. „Es handelt sich ausschließlich um die Entscheidung des Ministeriums“, betonte der Sulzberger. Allerdings habe er sich genau wie sein Kemptener CSU-Kollege Gerd Müller oder OB Netzer im Vorfeld der Entscheidung in Berlin für den Erhalt des Kemptener und der anderen Allgäuer Standorte eingesetzt. Stadtrat Helmut Hitscherich (UB/ödp), selbst ehemaliger Offizier und Regimentskommandeur, nannte jegliche Aussage zur Zukunft der 2009 in „Allgäu“ benannten Einheit als „Kaffeesatzleserei“. Aus seiner Sicht sprechen gute Gründe für den Erhalt des Regiments. „Für alle Kinder stehen Krippen- und KITA-Plätze zur Verfügung“, sagte er. Dazu kämen alle Schularten, eine Hochschule, ein „bezahlbarer Wohnungsmarkt“, gute Arbeitsmöglichkeiten für Ehefrauen und Angehörige der Soldaten sowie der hohe Freizeitwert der Region. Auf der anderen Seite stehe die Tatsache, dass vier Sanitätseinheiten aufgelöst werden. „Das heißt, Kempten steht in Konkurrenz mit sechs anderen Standorten“, rechnete er vor. „Ich hoffe und wünsche mir“, so Hitscherich weiter, „dass dieser traditionsreiche Standort – Kempten ist die Wiege der Gebirgstruppe – mit Truppe erhalten bleibt.“ Doch sollte die Kaserne in der Kaufbeurer Straße und mit ihr die anderen Bundeswehrstellen in der Stadt tatsächlich dem Streichkonzert zum Opfer fallen – wie geht es dann weiter? „Das steht noch alles in den Sternen“, betonte Kommandeur Hengstermann. „Am 2. November sind wir beim Inspekteur im Ministerium eingeladen – da werden wir wohl mehr erfahren.“

Meistgelesen

Erlebnistag im Grünen Zentrum
Erlebnistag im Grünen Zentrum
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Stadtgeschichte: Die Kemptener Illerbrücken im Wandel der Zeit Teil 2
Stadtgeschichte: Die Kemptener Illerbrücken im Wandel der Zeit Teil 2
Langjähriger Leiter der Arbeitsagentur offiziell verabschiedet
Langjähriger Leiter der Arbeitsagentur offiziell verabschiedet

Kommentare