Weiche Kunstwerke

Allerlei Buntes, Weiches und Doppeldeutiges ist derzeit im Hofgartensaal der Residenz zu sehen. Am vergangenen Freitag fand dort die Vernissage zu der Ausstellung von Waltraud und Gerd Janzen statt. Sie widmet sich der Textilkunst, er sich der Fotografie. In ihrer gemeinsamen Ausstellung läuft beides zusammen.

„Die Hauptaufgabe der Textilkunst liegt in der Ausschmückung von Innenräumen sowie in der Herstellung und Verzierung von Kleidungsstücken“, zitierte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) zur Eröffnung ein Lexikon. In der Ausstellung „Janzen & Janzen – Stoffe und Stiche, Softart und Artverwandtes – Montréal digital, Ansichten einer Großstadt“ ist mehr als das zu sehen. Bei ihren „Datenrägerinnen“ schlägt Waltraud Janzen die Brücke zur Fotografie ihres Mannes, indem sie Kleider aus Materialien entstehen lässt, die sonst der Fotograf benötigt. Je nachdem ob das Kleid aus Filmrollen, CDs oder dem Innenleben von Disketten besteht, schreibt Janzen den Kleidern Epochen von Mitte 20. bis zum beginnenden 21. Jahrhundert zu. Zum schmunzeln soll ihre Kunst anregen, der Wahrnehmung soll sie nur einen kleinen Schubs geben, erklärte die Kunsthistorikerin Birgit Höppel den Gästen der Vernissage. Das gelingt Janzen mit Werken, die sie sprichwörtlich in Watte packt und so Wortspiele mit „hard“ und „soft“ in Kunstwerke umsetzt. Bei „Hard Disk“, einer geöffneten Festplatte mit Wattebäuschen behangen gelingt das weniger als etwa bei der flauschig umhüllten Lampe, aus der orangene Fäden anstelle von Licht strömen – „Fadenscheinig“. Wer von den Skulpturen im Raum an die Wände blickt entdeckt die Eindrücke der kanadischen Metropole Montréal, die Gerd Janzen mit dem Fotoapparat festgehalten hat. Die Stadt spiegelt sich in seinen Fotos in den oft bunten Glasfronten der Hochhäuser farbenfroh wider. Gerd Janzen „lenkt unseren Blick auf Produkte, die wir sonst mit Füßen treten“, deutete Netzer in seiner Rede auf das vier Quadratmeter umfassende Kunstwerk in der Mitte des Saals. Hier hat Janzen Kanaldeckel aus der ganzen Welt fotografiert und aneinander gereiht, von Montréal bis Kempten. Der Blickwinkel des Betrachters bleibt der selbe wie im Asphaltdschungel, denn das Werk liegt auf dem Boden. Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 7. Juni zu sehen. Der Hofgartensaal hat dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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