Hospiz-Verein Kempten-Oberallgäu feiert 20-jähriges Bestehen

"Der Mensch ist Mensch bis zuletzt"

+
In seinem Festvortrag sprach sich der Augsburger Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger vehement gegen die aktive Sterbehilfe aus.

Kempten – Sterben gehört zum Leben. Der Hospizverein Kempten-Oberallgäu möchte dies den Menschen immer wieder bewusst machen.

Vor 20 Jahren gründeten ihn engagierte Frauen und Männer. Das AllgäuHospiz eröffnete am 15. Oktober 2003 in der Madlenerstraße und nahm seitdem über 970 Gäste auf. Beide Jubiläen feierten zahlreiche Besucher am Freitagabend im Fürstensaal. 

„Die Hospizidee war die Antwort darauf, dass Sterbende und ihre Angehörigen Unterstützung brauchen“, sagte Josef Mayr, Vorsitzender des Hospizvereins Kempten-Oberallgäu. Der Samen Hospiz sei auf fruchtbaren Boden gefallen. Die Hospizarbeit werde täglich wichtiger. Das AllgäuHospiz mit seinen acht Zimmern biete ein Zuhause für Menschen auf deren letzten Weg. „Wir brauchen ein stationäres Hospiz, das künftig zwölf Gästezimmer hat und auf 16 weiterwachsen kann“, forderte Mayr. Die Hospizarbeit sei anspruchsvoll und manchmal schwer, aber sie gebe auch viel. Derzeit habe der Hospizverein etwa 640 Mitglieder. Sterben und Tod würden in der Gesellschaft oft ausgeklammert und verdrängt, meinte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU). Das stationäre Hospiz sei mitten in der Stadt, was aus seiner Sicht auch so bleiben solle. „Wir sehen als Klinikum Kempten auch die Verantwortung dafür, dass sich das AllgäuHospiz so weiterentwickelt, wie es sich weiterentwickeln muss.“ In Deutschland habe sich die Palliativmedizin im Schlepptau der Hospizbewegung herausgebildet, verdeutlichte Carmencita Hartwig, stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbands. Die Hospizbewegung sei die größte Bürgerbewegung in Deutschland. „Sie hat wesentlich zu einem Umdenken in der Gesellschaft beigetragen.“ „Wer den Tod nicht würdigt, der ehrt das Leben nicht“, betonte Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger in seinem Festvortrag. Die Frage, was nach dem menschlichen Leben kommt, beschäftige die Menschen seit Urzeiten. Das Thema Tod stecke heutzutage in einer Tabuzone. „Suizid, Beihilfe zum Suizid und aktive Sterbehilfe werden von vielen als letzter Ausweg gesehen“, so der Geistliche. Jedem Kranken müsse die bestmögliche Pflege zuteil werden. Zur Sterbebegleitung gehöre auch, dass der Kranke in seiner seelischen Not nicht alleingelassen wird. „Sterben in Würde bedeutet auch, dass nicht alle medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden müssen.“

 Lange Selbstbestimmtheit 

Demenz sei ein Angstgenerator und eine Herausforderung für die Gesellschaft. „Menschen mit dieser Krankheit muss eine möglichst lange Selbstbestimmtheit gewährt werden“, so Losinger. Die Angst vor großen Schmerzen und die Angst, zum Pflegefall zu werden, seien die Gründe dafür, dass Menschen um aktive Sterbehilfe bitten. Die Entwicklung der Palliativmedizin und die Einrichtung von Hospizen seien Mittel gegen diese Urängste. „Wir sind gegen den ärztlich assistierten Suizid, die Geschäftemacherei mit Sterbenskranken und jegliche Form aktiver Sterbehilfe“, bekräftigte Losinger als Mitglied des Deutschen Ethikrats. Die Hospizbewegung wolle eine Station der Gastfreundschaft für den Sterbenskranken sein. „Der Mensch ist Mensch bis zuletzt.“ Losinger empfahl den Zuhörern, ein Testament und eine Patientenverfügung zu erstellen. 

Schöne Augenblicke 

In einer Gesprächsrunde sprach Vera Ginzel, Mitglied im Vorstand des Hospizvereins, von ihren Erfahrungen als Sterbebegleiterin. „Man kann dem Sterbenden das Gefühl geben, in seinen Ängsten nicht allein zu sein.“ Das Halten der Hand sei eine gute Möglichkeit. „Fragen, die mir gestellt werden, beantworte ich ehrlich.“ In der Zeit der Begleitung wachse man zusammen. Beten sei für viele Sterbende sehr wichtig. „Im Hospiz war Mama Mensch und erlebte dies auch bis zuletzt“, erzählte Leela Moolgoakar, deren Mutter im AllgäuHospiz verstarb. Das Ambiente dort sei freundlich und hell. „Ihnen wird Wertschätzung und Respekt entgegengebracht.“ Es habe auch schöne und fröhliche Augenblicke gegeben. „Die Hospizarbeit und palliative Medizin sind die höchsteffektiven Alternativen zur aktiven Sterbehilfe“, erklärte Professor Ludwig Schmid, Mitglied im Vorstand des Hospizvereins und früherer Leiter der Schlossbergklinik Oberstaufen. Die Gründungsmitglieder des Hospizvereins erhielten als Ehrung eine Plakette des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbands. Die fünf hauptamtlichen Mitarbeiter, die seit zehn Jahren dabei sind, bekamen als Dank eine Urkunde und eine Rose. „Die Zeit wird in der Hospizbewegung nicht mit dem Chronometer gemessen, sondern geschenkt“, sagte Professor Volker Hiemeyer, einer der beiden Geschäftsführer des AllgäuHospizes. Mit Werken von Johannes Brahms und Antonin Dvorak untermalten Petra (Violine) und Volker Hiemeyer (Klavier) die Feier musikalisch.

Franziska Kampfrath

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Shawn James im "mySkylounge"
Shawn James im "mySkylounge"
Schüsse im Wald führen zu Großeinsatz der Polizei
Schüsse im Wald führen zu Großeinsatz der Polizei
Humanitäre Ziele statt Weltherrschaft
Humanitäre Ziele statt Weltherrschaft

Kommentare