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Weihnachten in Kempten: So war es früher

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Der Kemptener Stadtnikolaus.
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Verteilung der Geschenke beim Nikolausumzug.
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Kemptener Christkindl im Jahr 1949. 

Wie seit vielen Jahren findet auch heuer wieder vom 29.11. bis 22.12.2017 der traditionelle Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz in Kempten statt. Dort finden die Besucher ein reichhaltiges vorweihnachtliches Angebot und es gibt ein tägliches Musikprogramm.

Aber nur wenige Stände bieten Erzeugnisse an, die noch eine ursprüngliche Verbindung zum weihnachtlichen Gedanken zeigt: Der Geburt Jesu Christi im Stall zu Bethlehem.


VON DR. WILLI VACHENAUER

Nach einer inoffiziellen Umfrage, die ein Händler durchführt, kennt nur noch eine Minderheit diesen eigentlichen Sinn des Weihnachtsfestes. Viele verbinden Weihnachten mit einem Fest der Ruhe und des Friedens, das im Kreise der Familie begangen wird. Und knapp zehn Prozent der Besucher sprechen sich auch dafür aus, den Weihnachtsmarkt in Wintermarkt umzubenennen.

Dabei haben Weihnachtsmärkte in Deutschland eine jahrhundertealte Tradition. Ihre Ursprünge liegen in spätmittelalterlichen Märkten, die in der Zeit vor Weihnachten in den Städten stattfanden. Im 14. Jahrhundert durften Handwerker, wie Spielzeugmacher, Korbflechter oder Zuckerbäcker, in der Adventszeit Verkaufsstände auf diesen Märkten aufbauen. Dort konnten die Menschen geröstete Kastanien, Nüsse, Mandeln, aber auch Kinderspielzeug und besonders Lebkuchen, die damals schon in der Weihnachtszeit eine große Rolle spielten, kaufen. Die ersten urkundlich erwähnten Weihnachtsmärkte dieser Art sind der Markt in München von 1310 und der von Bautzen aus dem Jahre 1384. 

Bereits 1434 ist der Dresdener Striezelmarkt erstmals genannt und im Augsburger Rathausprotokoll des Jahres 1498 wird ein „Lebzeltermarkt” erwähnt. Nürnbergs erster offizieller Hinweis auf einen „Kindles-Marck” stammt aus dem Jahr 1628. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts kamen die ersten Krippen aus Italien auf deutsche Märkte und bereicherten das weihnachtliche Angebot in der Adventszeit. Die Adventszeit geht übrigens zurück auf Konrad II. von 1024 – 1039. Die Entscheidung über die Festlegung der Adventszeit traf aber nicht Konrad II. sondern eine Bischofssynode, die festlegte, dass Advent stets in der Zeit zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember zu beginnen habe.

Ob es auf den damaligen Kemptener Jahrmärkten oder Wochenmärkten, die jeweils am Mittwoch und Samstag stattfanden, auch schon Händler gab, die ihren Kunden Weihnachtsartikel anboten, ist sehr wahrscheinlich. Jedenfalls ist für die Kemptener Stiftssiedlung, die sich vor den Toren der freien Reichsstadt befand, schon im Jahr 1697 dokumentiert, dass es einen Jahrmarkt um die Weihnachtszeit gab. Er trug den Namen „Kreuzgang“ und fand am Tag des heiligen Stephanus, also am 26. Dezember statt. Vermutlich haben hier Händler auch weihnachtliche Erzeugnisse den Bürgern sowohl der Stiftssiedlung als auch der Reichsstadt angeboten. Es kann angenommen werden, dass die Freie Reichsstadt Kempten dieser Entwicklung nicht nachgestanden, ihr wahrscheinlich sogar vorangegangen ist. Mit Sicherheit hatten Kemptener Kaufleute damals schon Verbindung zu den Städten in denen es Weihnachtsmärkte gab, wie zum Beispiel nach Augsburg oder Nürnberg. Von dort werden sie auch entsprechende Erzeugnisse,wie Lebkuchen und andere weihnachtliche Produkte, mit nach Kempten gebracht haben, die sie dann auf den Kemptener Wochenmärkten zum Verkauf anboten. Eigene Weihnachtsmärkte, wie wir sie heute kennen, dürften es aber damals in der Adventszeit noch nicht gewesen sein.

Der direkte Vorgänger des heutigen Kemptener Weihnachtsmarktes geht auf das Jahr 1983 zurück. In dieser Zeit suchte der damalige Leiter des Verkehrsamtes mutige Händler, um mit ihnen einen Weihnachtsmarkt ins Leben zu rufen. Mit knapp zehn Händlern startete dann in diesem Jahr Kemptens erster Weihnachtsmarkt am Rathaus, der gerade eine Woche dauerte. In den folgenden Jahren sind dann immer wieder mehrere Tage angehängt worden und mehr und mehr Händler haben sich daran beteiligt. Da über den Rathausplatz in dieser Zeit noch Autos fuhren, konnten nur wenige Hütten dort ihren Platz finden. Weil die Hütten direkt an der Straße standen, war an diesem Ort von einer vorweihnachtlichen Stimmung noch wenig zu spüren. 

Von Anfang an gab es aber schon am sog. „Engelsstand“ Würstl, Schnitzel, Waffeln und Glühwein. Eine „Süße Hütte“ rundete damals das etwas karge Angebot ab. Während des Umbaus des Rathausplatzes zur Fußgängerzone musste der Weihnachtsmarkt auf den St. Mang-Platz ausweichen. Nachdem der Umbau des Rathausplatzes zur Fußgängerzone abgeschlossen war, konnte dann der Markt ab 1992 auf den Rathausplatz zurückkehren. Zum ersten Mal gab es dann auch dort ein Kinderkarussell. Mit der Verlegung konnte sich der Weihnachtsmarkt kontinuierlich ausweiten und zu einem beliebten Treffpunkt für Jung und Alt entwickeln. Heute gibt es über 50 Stände auf dem Kemptener Weihnachtsmarkt, deren adventliches Angebot von Krippen, Kerzen, Keramik, Schmuck und Glas über Puppen, Holzspielwaren bis zu Weihnachtsdekoration und Gestecken reicht.

Für das leibliche Wohl mit Weihnachtsgebäck, heißen Maroni, Crèpes, Glühwein, Punsch und anderen Schmankerl sorgen 15 Stände. Die täglichen musikalischen Darbietungen auf der Bühne vor dem Rathaus betonen die stimmungsvolle Atmosphäre. Aber nur noch eine Handvoll Verkaufsstände bieten Erzeugnisse an, die mit dem weihnachtlichen Gedanken in Verbindung zu bringen sind.

Wenn es da nicht die Krippenausstellung im Erdgeschoss des Rathauses und den Weihnachtsbrunnen auf dem Rathausplatz mit künstlerisch gestalteten Szenen aus der Weihnachtsgeschichte gäbe, wäre der eigentliche Weihnachtsgedanke auf dem Markt kaum erkennbar. Wie dieser Markt weiterentwickelt werden kann, darüber macht sich ein Arbeitskreis, an dem auch Architekturstudenten der Hochschule Augsburg beteiligt sind, ihre Gedanken. Die Ergebnisse dieses Prozesses waren 2017 in der Schrannenhalle des Rathauses zu besichtigen.

Die Idee eines Weihnachtsumzuges, in Form des heutigen Nikolausumzuges in Kempten, ging im Jahre 1949 vom ehemaligen Kunstmaler Franz Weiß aus. In Erinnerung an den Heiligen Bischof Nikolaus von Myra als Gabenbringer, wollte er den Menschen in der harten Nachkriegszeit eine Freude machen. Als Franz Weiß diesen Umzug ins Leben rief, sollten besonders jene Kinder, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, deren Väter im Krieg gefallen oder noch in Gefangenschaft waren, mit einem kleinen Geschenk getröstet werden. Der Kunstmaler sorgte nicht nur für die notwendigen Geschenktüten, sondern auch für die Kostüme des Nikolauses und seiner vielen Begleiter. Die Ausstattung der Sternreiter und Bläser mit Engelsflügeln stellte Franz Weiß mit seinen Helferinnen Rita Eckart und Evi Grimm in mühevoller Kleinarbeit in seiner Werkstatt selber her. Am 7. Dezember 1949 ritt dann zum ersten Mal Bischof Nikolaus ab 17.55 Uhr ab der Bodmanstraße 46, dem Wohnort des Kunstmalers, mit fünf Engeln und Bläsern, die auf Trompeten zweistimmige Weihnachtslieder spielten, hinter motorisierter und berittener Schutzpolizei durch Kempten. Um 19.25 Uhr kamen sie am St. Mang-Platz an, wo es dann vor dem Brunnen die Bescherung für die Kinder gab.

Nikolausumzug 1949 von Franz Weiß begründet

Der von Franz Weiß ins Leben gerufene Nikolausumzug findet immer noch am Vorabend des Nikolaustages (also am 5. Dezember) statt. Wie jedes Jahr startet der Nikolaus mit seiner Gefolgschaft um 17.30 Uhr am Feuerwehrhof in Kempten zu seinem Umzug. Am Haltepunkt auf dem Hildegardplatz begrüßt das Stadtoberhaupt (oder als Ausnahme auch mal einer seiner Stellvertreter) den Nikolaus und verteilt dort, aber auch am August Fischerplatz und am St. Mang-Platz, mit seinen 18 Engelchen, acht Klausen, acht Wichteln 1500 Säckchen mit leckeren Überraschungen, die vom Stadtjugendring mit ehrenamtlichen Helfern gepackt wurden. Für die musikalische Umrahmung dieser Veranstaltung sorgt der Chor der Sing- und Musikschule Kempten und einer Bläsergruppe der Musikkapelle Lenzfried.

Wenige Wochen nach dem ersten Umzug des Stadtnikolauses im Jahre 1949 begann mit viel Unterstützung unentgeltlicher Helfer der erste Umzug des Stadtchristkindchens, der am 24. Dezember, also am Heiligen Abend des Jahres 1949 erstmals stattfand. Dieser Umzug ging ebenfalls auf die Initiative des Kunstmalers Franz Weiß zurück. Der „Vater des Stadtnikolauses“ sorgte auch hier für die Ausstattung des Christkindes mit einem selbstgenähten Kleid, hinter dem ein großer Strahlenkranz aus Goldpapier leuchtete. Der lange Umzug startete wieder vom Wohnort des Kunstmalers Weiß in der Bodmanstraße, ging über die Salzstraße zum Bahnhof und dann weiter zur Burgstraße. Anschließend zog das Christkind zum Ostbahnhof, weiter über die Breite und dann zurück. Erst gegen 22 Uhr war der Umzug beendet. 

Die ersten zwei Jahre saß das Christkind, das drei Jahre lang Renate Kießling (heute Frau Knoch) verkörperte, noch in einer Kutsche, ehe sie dann im dritten Jahr in einen Schlitten wechselte. Für die notwendige Heizung sorgten Ziegelsteine, die zuvor in einem Kachelofen erwärmt und dann in das Gefährt verstaut wurden (allerdings kühlten sie schon nach einer halben Stunde aus). Nach drei Jahren aber wurde der Umzug des Christkindes mangels Besucherresonanz wieder eingestellt. Denn der Christkindelumzug war nur zum Schauen und Staunen und die Kinder erhielten im Gegensatz zum Nikolausumzug keine Geschenke. Zudem endete der Umzug viel zu spät – erst gegen 22 Uhr –, zu einer Zeit also, als die meisten Menschen das Weihnachtsfest im Kreise der Familie feierten.

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