Neue Heimat

Weiß‘sche Krippe künftig im Marstall zu sehen

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Die „Weiß‘sche Krippe“ zeigt nicht nur das Weihnachtsgeschehen um die Heilige Familie, sondern auch zahlreiche Szenen des Alltagslebens im 19. Jahrhundert. Die Krippe zählt zu den bedeutendsten Biedermeierkrippen Bayerns. In neun Szenen stellen die 250 Figuren das Heilsgeschehen dar. Ludwig Weiß (1768-1843) war reichsstädtischer Zeichenlehrer in Kempten und ein vielseitiger Maler, Bildhauer und Holzschnitzer.

Kempten – Um die aus der Biedermeiezeit stammende Weiß‘sche Krippe nach der Auflösung des Allgäu-Museums vor einem Dasein im Museumsdepot zu bewahren, hatte Stadtrat Helmut Hitscherich in seiner Funktion als Kirchenpfleger von St. Anton einen Antrag gestellt, sie in der Pfarrkirche aufstellen zu können.

Sowohl Kulturbeauftragte Silvia Schäfer als auch Ilse Roßmanith-Mitterer, Vorsitzende der Stiftsstadtfreunde, hatten ihn diesbezüglich angesprochen, da es ihnen ein Anliegen ist, die auch mit vielen weltlichen Szenerien bestückte Krippe der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Im Kulturausschuss vergangenen Oktober wollte man u.a. die klimatischen Bedingungen an dem potentiellen Standort prüfen, da die Krippe besondere Anforderungen an Klima und Luftfeuchtigkeit stellt. 

Eine längere Diskussion hatten deshalb seinerzeit die befürchteten hohen Kosten für eine notwendige klimatisierte Vitrine ausgelöst. Auch die mit zwei Metern Breite begrenzte Größe der dort möglichen Ausstellungsfläche war aus Sicht von Museumsleiterin Dr. Christine Müller Horn nicht ideal. Inzwischen hat sie sich mit Roßmanith-Mitterer, dem Vorsitzenden des Heimatvereins Markus Naumann sowie Ingrid Jähnig und Helmut Hitscherich getroffen; das Fazit: Die Weiß‘sche Krippe wird künftig im Marstall im Rahmen der Ausstellung „Leuchtendes Mittelalter“ zu sehen sein, wo eine einfache Vitrine, ohne Klimatisierung, ausreicht. 

Da auch dort nur ein begrenztes Platzangebot, die Krippe aber sehr umfangreich ist, sollen, so Müller Horn gegenüber dem Kreisbote, „unter dem Jahr die eher weltlichen Szenen gezeigt werden“ und um die Weihnachtszeit die dazu passenden. Somit wird jedes Jahr jeweils eine Szene aus dem weltlichen Repertoire und eine aus dem sakralen gezeigt. 

Start soll im Dezember 2020 sein. Dass es keine häufigeren Wechsel geben wird, hat laut Müller Horn einen ganz simplen Grund: die Kosten. Denn „für jede Szene braucht man einen neuen Hintergrund und Untergrund“ und auch eine Restauratorin. Wie Roßmanith-Mitterer auf Nachfrage sagte, seien zwar alle „froh“ darüber, dass die Krippe einen Platz in so zentraler Lage bekomme, sprach aber angesichts der seltenen Szenenwechsel auch von einer „Minimallösung“, die „besser als nichts“ sei. „Wir akzeptieren das“, bedauerte Hitscherich die Entscheidung auch im Namen von St. Anton. „Wir wären jederzeit bereit gewesen.“ ct

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