Unser Dorf soll schöner werden 

Weitnau geht beim ersten Bürgerspaziergang auf Ideensuche 

Ideen sammeln für die neue Ortsmitte: Weitnauer Bürger beim ersten „Dorfspaziergang“.
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Ideen sammeln für die neue Ortsmitte: Weitnauer Bürger beim ersten „Dorfspaziergang“.

Weitnau – So etwas nennt man wohl eine Punktlandung: Nach vielen eisig-nassen Tagen strahlte genau zum Start des ersten Dorfspaziergangs die Sonne vom blauen Allgäuer Himmel und sorgte bei den knapp 20 teilnehmenden Bürgern gleich für eine optimistische Stimmung. Sie folgten der Einladung von Bürgermeister Florian Schmid, der eine Erneuerung der Ortsmitte anstrebt. 

Feuerwehr raus – Treffpunkt rein 

Auslöser für das bürgernahe Experiment „Spaziergang“ ist der bevorstehende Auszug der Freiwilligen Feuerwehr aus ihrem bisherigen Funktionsgebäude gegenüber des Gasthofes „Goldener Adler“ mitten in der Marktgemeinde. „Aus diesem Gebäude können wir etwas Neues und Spannendes machen“, hat Schmid erkannt. Zusammen mit der bisher als Parkplatz genutzten Fläche vor dem Feuerwehrhaus könnte dort ein Treffpunkt für Einheimische und Gäste entstehen, sagt er, eine neue Heimat für Gastronomie, für Kulturschaffende und Handwerker. Der Gemeindevorsteher hat sich professionelle Hilfe für seine Pläne geholt. Das renommierte Planungsbüro „Orte gestalten“ berät die Gemeinde, entwickelt Szenarien und war mit seiner Leiterin auch beim ersten Dorfspaziergang live dabei: die Architektin Stefanie Seeholzer, Lehrbeauftragte an der Technischen Universität München, gab erste Anregungen, fragte nach den Wünschen und Vorstellungen der Weitnauer Spaziergänger für ihre neue Heimat und notierte alles für das weitere Vorgehen.

Weitnauer Träume

Die eine träumt von einer offenen Markthalle für regionale Direktvermarkter, der andere wünscht sich ein Eiscafé mit trendiger Lounge, eine Bühne für Konzerte jeglicher Art wäre auch nicht schlecht, sagt jemand. Florian Schmid schwärmt „von Sitzterrassen am Weitnauer Bach, mit leichtem Zugang zum Wasser, dazu eine neue Brücke, Brunnen, einladende Bänke“. Ortsentwicklerin Seeholzer hört‘s mit wachsender Freude: „Unser erster von mehreren geplanten Dorfspaziergängen bringt schon viel mehr an Inhalt, als wir uns erhofft haben.“ Man sollte auch die ehemalige Brauerei in ihrem historischen Gebäude mit einbinden, schlägt ein Bürger vor, Besitzer Kollmann nickt zustimmend: „Ein neues Kunstareal? Alles ist möglich.“ Ein Dorfladen mit Imbiss – warum nicht? Räume für die Jugend – unbedingt! 

Ambitioniertes Vorhaben 

Zwei Stunden lang spazieren die Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Bürgermeister und der Expertin aus München konzentriert und diskutierend durch ihren Ort. „Weitnau hat was“, sagt Stefanie Seeholzer, „man kann hier eine besondere Atmosphäre schaffen, überall gibt es freie Blicke über die Wiesen hinauf zu den Höhenzügen.“ Von der Asphaltwüste des Feuerwehrparkplatzes schlendern die Spaziergänger zum ehemaligen Bahnhof, vorbei an herrlichen alten Gebäuden „mit Potential“, so Seeholzer, dann über ungenutzte Grünflächen hoch zur Schule („Eine neue Sporthalle wär net schlecht“, träumt laut ein Volleyballspieler in der Gruppe), vorbei am Bürgerhaus, an dem traditionelles Allgäuer Holzschindelwerk unter profanen Eternitplatten schlummert, bis hin zur „Hauptlebensader“ Weitnaus. Der dort ansässige Bäcker muss unbedingt gehalten werden, da sind sich alle einig. Bürgermeister Schmid nickt zustimmend: „Mit der Erneuerung unseres Ortskerns möchten wir die Attraktivität der Gemeinde steigern, Arbeitsplätze schaffen, die Lebensqualität erhöhen und Weitnau fit machen für die Zukunft.“ Ein ambitioniertes Vor- haben, das bei den Bürgern offensichtlich auf breite Zustimmung stößt. „Gut, dass sich da was rührt“, so lautet das allgemeine Fazit des wandelnden Bürgergremiums.

Vorschläge jederzeit willkommen

Ortsplanerin Seeholzer und ihre Assistentin haben ihre Notizbücher randvoll geschrieben: „Wir werden in Bälde weitere solche Spaziergänge und Thementage anbieten“, kündigt sie an. Florian Schmid hört das gern. „Je mehr Ideen und Vorschläge wir kreieren, desto größer werden die Chancen, die Bürger mit ins Boot zu holen und unser Dorf in absehbarer Zeit wirklich schöner zu machen.“ Wer nicht bis zum nächsten Spaziergang warten möchte, kann seine Vorstellungen jederzeit in der Gemeindeverwaltung Weitnau abgeben.

Lutz Bäucker

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