Schulische und soziale Themen

+
Da es für berufsbildende Maßnahmen eine Förderung der Arbeitsagentur und des Schulamtes gibt, beläuft sich der Weitnauer Anteil an dem Projekt „Praxis bildet“ auf ca. 3700 Euro für die kommende 7. Klasse der Mittelschule.

Weitnau – Bei der jüngsten Weitnauer Gemeinderatssitzung wurde als Erstes das Projekt „Praxis bildet“ von der 2. Vorsitzenden des gleichnamigen Vereins, Ute Esfeld, vorgestellt. Ziel des Projektes ist es, die Schüler auf ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz oder einer weiteren schulischen Qualifizierung zu unterstützen.

Dabei liegt die Besonderheit vor allem in der Qualität. Auch bisher geht der Großteil der Weitnauer Schulabgänger in ein Ausbildungsverhältnis oder in eine andere Schule. Aber: „Sehr viele machen, was sie bekommen haben. Sechs bis acht Schüler gehen auf die Wirtschaftsschule, aber meistens, weil sie sich gar nicht für einen Beruf entscheiden können“, fasst Schulleiter Johannes Breitfeld die bisherige Situation auf Anfrage zusammen. Daher setzt das Projekt „Praxis bildet“ bereits in der 7. Klasse an. Mit jedem einzelnen Schüler wird eine Stärke-Schwäche-Analyse durchgeführt und anhand diesem sechs mögliche passende Berufe ausgearbeitet. Dafür steht ein Pool von über 25 Ausbildungsberufen zur Verfügung.

Während einer zweiwöchigen Projektwoche haben die Schüler dann die Möglichkeit, diese Berufe in der Praxis kennenzulernen. 30 Ausbilder stehen bereit, die am Ende auch für jeden Beruf ein qualifiziertes Zeugnis ausstellen. Dadurch soll es den Schülern ermöglicht werden, den für sie passenden Beruf zu finden und das Betriebspraktikum in der 8. Klasse zielgerichtet auszuwählen.

Zudem findet in der 8. Klasse ein Bewerbungstraining statt. Im Abschlussjahrgang werden die Schüler solange betreut, bis jeder einen Ausbildungsplatz hat. „Meine Arbeit endet, wenn jeder Schüler einen Ausbildungsvertrag unterschieben hat“, erläutert Esfeld. Wobei sie einschränkend bemerkt, dass dies leider nie wirklich für alle Schüler eines Jahrgangs gilt. „Ich meine hier nicht die Kinder von Hartz IV-Empfängern, die kriege ich schon. Ich meine Kinder mit physischen oder psychischen Problemen, zum Beispiel Magersüchtige, die erst einmal in einer Klinik betreut werden müssen. So etwas gibt es leider auch bei uns.“ So stimmte Esfeld zwar dem Einwand von Manuela Müller-Gassner zu, dass die Unterstützung eigentlich Aufgabe der Eltern sei, „aber glauben Sie mir: Die Realität sieht anders aus.“ Daher sei es wichtig, den Kindern direkt beizubringen, wie eine ordentliche Bewerbung funktioniert und was es dabei alles zu beachten gilt.

Auf Wunsch von Dr. med. Michael Müller sagte Esfeld die Vorlage einer jährlichen Ausbildungsabbrecherquote zu. Mit einer Gegenstimme beschloss der Gemeinderat die Einführung des Projektes „Praxis bildet“. Aufgrund der geringen Schülerzahl kann das Projekt effektiv jedoch nur in einem Schulverbund mit Waltenhofen und Buchenberg eingeführt werden. Hier wird in den Gemeinderatssitzungen über die Einführung des Projektes entschieden werden.

Einblick in die Jugendsozialarbeit

Die Jugendsozialarbeiterin Dorothee Lehner Wagner gab einen Einblick in ihrer Arbeit an der Schule. Derzeit gibt es 55 Kinder, die recht regelmäßig von ihr betreut werden. Dabei geht es um Probleme mit Mitschülern, daheim oder mit Lehrern, aber auch um die Persönlichkeitsentwicklung. Dabei unterliegt sie der Schweigepflicht. Lehner Wagner bietet aber auch eine „Stille Pause“ an und hat ein „Prüfungscafe“ ins Leben gerufen, welches von der 8. Klasse mit belegten Semmeln etc. gestaltet wird und den 9. Klässlern so einen guten Start in den Abschlussprüfungstag ermöglicht. Daneben werden in der 5. bis 7. Klasse Streitschlichter für niedrigere Jahrgänge ausgebildet. Gibt es ein Fehlerverhalten in der Klasse, erhalten diese Schüler eine (R)Auszeit in ihrem Büro. Mit der Einführung dieses Fragebogens, bei dem die Schüler ihr Verhalten reflektieren müssen, sei die Zahl der (R)Auszeiten gesunken. Daneben gab es im Dezember auch einen Besuch der Fachklinik Schönau mit Gesprächen über „Sucht“. Dr. med. Michael Müller regte eine anonyme Katalogisierung der Probleme der Kinder an, da diese auch ein Spiegelbild der Gesellschaft, und damit der Weitnauer Bürger, seien.

Diskussion um Schuldensenkung

Kämmerer Thomas Klöpf stellte die Haushaltssatzung 2017 und damit eine Zusammenfassung der Ein- und Ausgaben vor. Zwar sinkt die Pro-Kopf-Verschuldung in 2017 voraussichtlich auf 1436,13 Euro (2016: 1662,96 Euro), allerdings ist sie damit immer noch doppelt so hoch, wie im Durchschnitt. Unter dem Gemeinderat entbrannte eine kurze Diskussion, da vor allem die Grundstücksverkäufe, nicht aber eine sparsame Haltung zu der Schuldensenkung geführt hat. Daher sollen die Zuschüsse, die sich die Gemeinde leistet, auf den Prüfstand. So werden die Kindertagesstätten mit 428.100 Euro gefördert, die Freizeitanlage Seltmans und das Freibad mit 44.800 Euro und die Vereinsheime, Dorfsäle u.ä. mit 54.600 Euro. Da der Haushaltsplan gemäß den Beschlüssen des Gemeinderates ausgestellt wurde, erfolgte Genehmigung des Haushaltsplans sowie die Finanzplanung ohne Gegenstimme.

Hubert Rupp stellte den Antrag, dass eine Vergleichsgruppe von fünf anderen Gemeinden eingerichtet werden soll, um die Ausgaben vergleichen zu können. Der Wunsch von Bürgermeister Alexander Streicher, dies an den Finanzausschuss weiterzuleiten, wurde ebenfalls angenommen.

Ebenso einstimmig erfolgte auch der Beschluss über die Sondertilgung zweier Kredite. Diese mussten in den Finanzkrisen aufgenommen werden, nachdem nicht alle Grundstücke verkauft und die Erschließungskosten somit nicht gezahlt werden konnten. Auch bei weiteren Krediten ist eine Sondertilgung angefragt worden, jedoch wäre hier eine Ablösung finanziell von Nachteil.

Bezüglich der Ehrenamtskarten gab Streicher bekannt, dass dieses Mal zu den 26 Karten noch fünf Karten für Asylbewerberunterstützer dazu kommen. Die Gemeinderäte sollen Vorschläge in ihrer Gemeinde sammeln, für den Bereich des Helferkreises soll dies von Carita Geiger übernommen werden. Eine Entscheidung soll dann auf der nächsten Gemeinderatssitzung erfolgen.

Ebenso auf der nächsten Sitzung soll entschieden werden, ob die alle drei Jahre stattfindende Sportlerehrung auch auf künstlerische und musische Bereiche ausgeweitet werden soll.

Nach gut zwei Stunden fand der öffentliche Teil der Gemeinderatssitzung sein Ende.

Bianka Hauck

Auch interessant

Meistgelesen

4. KunstNacht Kempten 
4. KunstNacht Kempten 
Von Boxen bis Enten-Reiten: Sport- und Familientag in Kempten
Von Boxen bis Enten-Reiten: Sport- und Familientag in Kempten
KunstNacht rockt Kemptens Innenstadt
KunstNacht rockt Kemptens Innenstadt
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!

Kommentare