Die Welt der Psalme

Einen lebhaften Austausch zu Psalm 71 gab es in der Runde der ökumenischen Bibelwerkstatt. Links zu sehen ist Pastoralreferentin Ursula Liebmann-Brack. Foto: Dörr-Schratt

„Wir waren neugierig“, erzählt ein Ehepaar, das zur ökumenischen Bibelwerkstatt ins Pfarrheim „Mariä Himmelfahrt“ in Kempten gekommen ist, „wie evangelische Christen Bibeltexte angehen. Wir glauben, das gibt eine spannende Auseinandersetzung.“ Vier Abende lang, zweimal in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt, zweimal im Pfarrheim der Christuskirche, bieten hauptamtliche Mitarbeiter beider Kirchen, eine Auseinandersetzung mit Psalmen an.

Pastoralreferentin Ursula Liebmann Brack, die den Kreis bereits letztes Jahr zu einem anderen Thema initiierte, begründet die gemeinsame Aktion. „Christen sollen über ihre gemeinsame Grundlage ins Gespräch kommen. Gottesdienste werden getrennt gefeiert, aber die Bibel können wir gemeinsam lesen.“ So sieht es auch Pfarrer Michael Stritar, der den nächsten Abend gestalten wird. „Wir sind gemeinsam auf Lebens- und Glaubenswegen unterwegs“, sagt er. Der Psalm 71 steht unter dem Titel „Lebensbilanz“. Die Abschnitte erzählen vom Älterwerden und seinen Belastungen, aber auch vom Vertrauen auf Gott. Zunächst lesen die Teilnehmer den Text, der in sieben Abschnitte aufgeteilt ist. Die Pastoralreferentin erinnert daran, dass die Bibel vielerorts darauf hinweist, das Alter zu achten. Grundsätzlich sehe die Bibel das Altern positiv. In der anschließenden Werkstattarbeit ziehen sich die Männer und Frauen an Einzeltische zurück, um ihre persönliche Beziehung zu Gott zu überdenken. Scheren, Klebstoff und Farbstifte liegen neben den Psalmabschnitten. Konzentriert und ruhig werden Plakate gestaltet. Erst nach einer halben Stunde finden sich die Teilnehmer erneut im Plenum ein. Eigener Psalm Ihre Erfahrungen beschreiben sie ganz unterschiedlich. „Mir sind viele Gründe für einen Dank an Gott eingefallen“, erzählt eine Frau, „aber es gab auch Angst und Not.“ Andere brauchten Zeit, um sich dem Text anzunähern oder strichen gar einige Passagen aus. Einen eigenen Hoffnungspsalm hat ein älterer Herr kreiert. Es ist ganz still in der ganzen Runde, als er ihn vorträgt. Ein Teilnehmer stellt sich vor, wie der Text wohl entstanden sein mag. Er glaubt, dass viele an seiner Entstehung beteiligt waren, nicht nur ein einzelner Schreiber. So unterschiedlich wie die Aussagen sind auch die Plakate geworden, die die Teilnehmer am Ende mit nach Hause nehmen. „Ich habe meinen Psalm himmelwärts offen gelassen”, erzählt einer und rollt sein Blatt behutsam ein.

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