In der Welt des Scheins

Stellten den Spielplan des TheaterInKempten für die Saison 2012/13 vor: Hansjürg Hensler (v.l.), Cheforganisator des inzwischen mit Veranstaltungen an jedem Abend auch im Stadttheater vertretenen Kemptener Jazzfrühlings, Konzertorganisator Dr. Franz Tröger, Nikola Stadelmann, künstlerische Direktorin des TIK, OB Dr. Ulrich Netzer, Aufsichtsratsvorsitzender der Theater Kempten gGmbH, sowie deren Geschäftsführer Thomas Siedersberger und Richard Klug, Cheforganisator des Tanzherbst. Tröger

Nach der „Spielwies’n“ und der „Beziehungskiste“ sind es nun die „Scheinwelten“, die die Spielzeit 2012/13 im TheaterInKempten (TIK) regieren sollen. „Das Spiel mit Schein und Sein ist ja im Grunde ein Thema des Theaters“. Wenngleich wir ebenso in einer Zeit lebten, die voll von Betrugsaffären sei und wir ja „auch selbst gern mal in eine Scheinwelt abtauchen“, erklärte die künstlerische Direktorin des TIK, Nikola Stadelmann, zum Motto der dritten Spielzeit unter ihrer Leitung.

Das Theater sei jedenfalls bestens geeignet „einen Spiegel vorzuhalten“. Sie stellte vergangenen Mittwoch ein einladendes Programm für die kommende Saison vor, das – neben dem „Herzstück unserer Arbeit“ in Form von erneut drei Eigenproduktionen –, natürlich wieder mit Gastspielen renommierter Bühnen- und Tournee- sowie Tanztheater aufwarte. Was OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) zudem freute: „Es sind wieder alle Kooperationspartner an Bord“: vom Kammermusikfestival Fürstensaal Classix, über Tanzherbst, Jazzfrühling, Solopiano oder auch die Schultheatertage werde „wieder hohe Qualität“ geboten. Mit der Uraufführung der ersten Eigenproduktion der neuen Saison, dem Tanztheater „Paradise for Beginners“ von Caroline Finn, werde am 12. Oktober 2012 (Premiere) zugleich auch der Tanzherbst eröffnet. Weitere Eigenproduktionen: „Enigma“ (Premiere/Uraufführung 23. Februar 2013), ein Schauspiel von Eric-Emmanuel Schmitt unter der Regie von Oliver Karbus und das Ein-Mann-Stück „Die Tartuffe-Methode“ (Premiere/Uraufführung 10. Mai 2013) frei nach Molière von und mit Michael Miensopust. Mit einer attraktiven Mischung konnte Stadelmann im Bereich Sprechtheater aufwarten, darunter „Am Ziel“ (13. November) von Thomas Bernhard, mit dem Staatstheater Nürnberg; „Wunschkonzert“ (24. Januar 2013) von Franz Xaver Kroetz mit den Münchner Kammerspielen; die Tragödie „Ödipus“ (Premiere 10. April 2013) von Sophokles in einer Fassung von Oliver Karbus; und erstmals in einer Zusammenarbeit mit dem Theater Ulm die „sehr skurrile Komödie ‚Elchjagd’“ (6. Mai 2013). Erstmals werde es laut Stadelmann auch eine Co-Produktion mit dem Kinder- und Jugendtheater des Landestheaters Tübingen geben und zwar mit dem Grusical „Villa Irrsinn“ (Premiere/Uraufführung 9. Dezember). Konzertorganisator Dr. Franz Tröger fand es „sehr schön“, dass die Theatersaison diesmal mit einem Konzert beginnen werde und zwar mit einem von insgesamt zwei „Zufallsprodukten“: Orchesterkonzerte seien nämlich normalerweise im hiesigen Finanzrahmen nicht zu machen, wie er meinte. Dank günstiger Umstände konnte er aber zum Start der Meisterkonzerte die Württembergische Philharmonie Reutlingen (7. Oktober) ankündigen, gefolgt vom Radio-Sinfonieorchester Prag – zusammen mit dem Violinisten Benjamin Schmid (27. Oktober). Unter anderem werde im Rahmen der Meisterkonzerte noch das „Tokyo String Quartett” auf der Bühne stehen, das erstmals 1988 im noch alten Kemptener Stadttheater gastiert habe und sich gerne an die mehrfachen Auftritte hier erinnere, wie Tröger plauderte. Weiterhin im Theater bleibe die Klavierreihe „solopiano“, unter anderem mit dem Pianisten Jenö Jando, der „vermutlich die meisten CD-Einspielungen weltweit“ aufweisen könne, aber „aus familiären Gründen“ nie eine Konzertkarriere habe realisieren können. Hohe Qualität Ein dickes Lob äußerte Thomas Siedersberger, seit fünf Jahren als Geschäftsführer der Theater Kempten gGmbH dabei. Er erinnerte an Unkenrufe in der Tagespresse wie „Kempten wird einen kulturellen Verlust erleiden“, als Peter Baumgardt – unter dem mehrmals fast hätte Insolvenz angemeldet werden müssen – seinen Posten als künstlerischer Direktor des TIK vor zwei Jahren geräumt habe. Nach der fast beendeten zweiten Spielzeit unter Führung von Stadelmann bescheinigte er ihr „mindestens ebenso hohe Qualität“ und, in seiner Funktion als Geschäftsführer noch viel wichtiger, habe sie es verstanden, „trotzdem gut mit den finanziellen Mitteln umzugehen“.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
EEG ein "teurer Irrweg!"
EEG ein "teurer Irrweg!"
Der älteste Kemptener feiert 105. Geburtstag
Der älteste Kemptener feiert 105. Geburtstag
Demokratie unter Beschuss
Demokratie unter Beschuss

Kommentare