In der Welt des Sterbens

Fast ein bisschen zu gut war das Wetter für den Tag der offnen Tür im AllgäuHospiz. Und doch fanden zahlreiche Besucher den Weg in die Madlenerstraße 18, um sich neben dem kleinen, feinen Rahmenprogramm über die Einrichtung zu informieren. Auch wenn man bei den Führungen die „Gästezimmer“ – Gäste, nicht Patienten, wie Dr. Barbara Zagoricnik-Wagner, Vorstand Hospizverein, betonte – nicht besichtigen konnte.

Wie das Haus funktioniert und auch seine wohl eher unerwartet fröhliche Atmosphäre erschloss sich den Besuchern auch so. „Ich bin bei dir, bin dir nah und halte aus“, erklärte Zagoricnik-Wagner den Grundgedanken hinter der Hospizbewegung. Dabei seien sowohl die menschliche Zuwendung als auch eine gute Ausbildung im Schmerzmanagement wichtig. „Sie können nicht in Würde sterben, wenn Sie sich in Schmerzen winden“, unterstrich sie, dass Schmerzen heute zu über 90 Prozent „gut zu bekämpfen sind“. Sie bedauerte die vielen Vorurteile gegenüber der Schmerzbehandlung mit Morphinen, die sie als unbegründet erachtete. Auch sei es schade, dass viele der jährlich bis zu 150 „Gäste“ erst sehr spät ins Hospiz kämen, manchmal nur wenige Tage oder gar Stunden vor ihrem Tod. Das Problem sah sie in der enormen „Hemmschwelle“, einen Angehörigen ins „Sterbehaus“ zu bringen – eine in vielen Köpfen herrschende Ansicht. Ein weiteres Problem: „Viele wollen sich mit dem Thema Tod nicht beschäftigen“, nach dem Motto, „nein Danke, ich bin noch nicht so weit“. Dennoch gibt es eine Warteliste für die acht geräumigen, gut ausgestatten Einzelzimmer mit einem Extrabett für Angehörige. Abhalten muss das Interessenten aber nicht, denn wie Zagoricnik-Wagner erklärte, könnten gerade wegen der oft nur kurzen Verweildauer „pro Woche vier bis fünf Gäste sterben“. Dennoch sei es hier „keine Einbahnstraße“, betonte sie. Manchen gehe es durch den stressfreien Aufenthalt wieder so gut, dass sie zurück nach Haus könnten. Strenge Richtlinien Für den vor 18 Jahren als mobile Einrichtung gegründeten Verein, später um eine Palliativstation ergänzt und seit 2003 Träger des AllgäuHospiz, arbeiten laut Zagoricnik-Wagner aktuell circa 100 Ehrenamtliche nach strengen ethischen Richtlinien. „Ohne Ehrenamtliche könnte kein Hospiz existieren“, hob sie die Bedeutung dieser „sehr besonderen Menschen“ hervor. Auch aus dem notwendigen Bedarf an Spenden machte sie keinen Hehl, da der von den Krankenkassen gezahlte Pflegesatz „natürlich nicht reicht“. Damit die Menschen auch zu Hause sterben können, soll der ambulante Service noch mehr ausgebaut werden. „Wir wollen hier eine Kultur des Sterbens aufbauen“, verkündete sie ihr Ziel. Laut Peter Reichle, Koordinator der Ehrenamtlichen, entfällt der Eigenanteil für die Unterbringung im Hospiz seit August 2009 komplett. „Grundsätzlich“ sei der Aufenthalt, solange ärztlich begründbar, „nicht begrenzt“. Nur wenn länger „nichts vor und zurück geht“ gebe es seitens der sehr kooperativen Kassen keine Erstattung mehr. Einfach auf die Straße werde aber natürlich keiner gesetzt, versicherte er, dass sich das Hospiz auch dann um seine Gäste kümmere.

Auch interessant

Meistgelesen

Feiern verbindet
Feiern verbindet
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Bezirksmusikfest in Probstried
Bezirksmusikfest in Probstried
Schüler zeigen Einsatz
Schüler zeigen Einsatz

Kommentare