Die Welt verstehen

In diesem Semester wird das Thema Philosophie an der VHS Kempten groß geschrieben. Die Dozenten Alois Kramer, Thomas Heichele, Gerhard Punzet und Dr. Ulf Schünemann erhalten die Geisteswissenschaft in Kempten auch nach dem Tod des langjährigen Dozenten Dr. Helmuth Fuchs lebendig, der vergangenes Jahr verstarb. Aber ist Philosophie überhaupt eine Geisteswissenschaft?

Das muss man nicht unbedingt so sehen, meint Thomas Heichele, M.A. Der 26-Jährige macht derzeit seinen Doktor in Philosophie und lehrt außerdem an der Universität Augsburg. Sein Spezialgebiet ist die Naturphilosophie, die sich oft mit der Naturwissenschaft überschneide. „Philosophie war einmal eine Naturwissenschaft. Viele berühmte Physiker wie Galilei oder Newton hatten Lehrstühle für Naturphilosophie inne“, erklärt er im Gespräch mit dem KREISBOTE. Entsprechend klingen auch die Titel seiner Kurse wie zum Beispiel „Klassiker der Naturphilosophie: Platon bis Einstein“ oder „Die Stellung des Menschen im Universum, Evolution in Kosmologie und Biologie“. Auch eine Exkursion in die Sternwarte Kempten gehört zu den Angeboten, die er leitet. Aus seiner Sicht näheren sich Philosophie und Naturwissenschaft heute wieder aneinander an. „Jede Volkshochschule hat ihre eigenen Schwerpunkte und unserer ist eine gehobene Allgemeinbildung“, erläutert Peter Roth, Geschäftsführer der VHS. Bis aus Buchloe und Isny kämen die Zuhörer nicht zuletzt deshalb. Die Menschen kommen aber nicht in die philosophischen Kurse, um später mit ihrer Bildung zu protzen, sondern um die Welt besser zu verstehen, ist sich Alois Kramer sicher. Er bringt den Hörern unter anderem die „Kritik der reinen Vernunft“ von Kant näher. In seinem Kurs seien viele Leute, die sich gut auskennen, erzählt er. Eben das sei das faszinierende, meint sein Kollege Dr. Ulf Schünemann. „Es bildet sich so ein Netzwerk“. Was man im einen Kurs gelernt hat, finde man im nächsten Kurs bei einem anderen Thema wieder. „Es ist schön, wenn die Leute irgendwann so argumentieren wie man selbst“, meint Heichele aus Erfahrung. An der VHS zu unterrichten sei etwas anderes als an der Uni. Denn hier komme jeder freiwillig her. Ein Hochschul-Seminar besuche der ein oder andere nur, weil er einen Schein in dem Gebiet braucht. Die Kurse werden ergänzt durch Veranstaltungen wie das „Philosophische Café“, den „Runden Tisch der Philosophie“ oder den „VHS-Campus“. Die seien besonders für interessierte Neueinsteiger geeignet, denn es sind Einzelveranstaltungen, so Roth. Etwas Besonderes sei auch das Dozenten-Team: „So einen Pool wie bei den Philosophen gibt es in den anderen Fächern nicht“, sagt Kramer.

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