Kundgebung

Iller-Lech trägt fair! 

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Die Weltläden der Region haben die Kampagne „Wir tragen fair“ auf die Beine gestellt. 

Eine große Menschenschar bewegte sich vom Kemptener Hildegardplatz zum Residenzplatz und zog fragende Blicke auf sich: Weshalb flatterten da übergroße knallbunte T-Shirts im Wind?

Die Weltläden Iller-Lech haben sich zusammengeschlossen, um mit dieser Kundgebung den „Fashion-Revolution Day“ zu begehen. Eine Revolution in Sachen Mode, wieso denn das?

Vor vier Jahren ereignete sich das bisher größte Unglück in der Geschichte der Kleiderproduktion, der Einsturz der Kleiderfabrik Rana Plaza in Bangladesh. Dabei starben über 1100 Menschen, überwiegend Frauen und Kinder, etwa 2000 wurden verletzt. Diese Katastrophe wurde zum Weckruf, die himmelschreienden Missstände in der Kleiderproduktion nicht länger zu tolerieren. Als Pioniere des Fairen Handels wollen die Weltläden der Region Iller-Lech mit dieser Aktion erinnern, informieren, ermahnen und ermutigen.

Und was soll so schlimm sein an billigen T-Shirts und Jeans? Wer die Riesenetiketten an den Riesen-T-Shirt las, kennt die Antwort schnell. Sie erzählen von den Menschen, die am Anfang der Produktionskette stehen und unter schrecklichen Bedingungen arbeiten müssen. Geschichten, die unter die Haut gehen, wie diese: „Ich heiße Behnly. Ich habe dieses T-Shirt genäht. Ich bin neun Jahre alt. Ich stehe jeden Morgen um 5 Uhr auf. Es ist dunkel, wenn ich in der Fabrik ankomme. Ich arbeite 13 Stunden. Es ist dunkel, wenn ich wieder nach Hause gehe. Ich verdiene weniger als einen Euro am Tag.“

Unter die Haut gehen die an Sklaverei erinnernden Zustände in den Kleiderfabriken der Billigstlohnländer offenbar auch Gerd Müller, dem Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Markt regeln für faire Produktion

Als Verbündeter der Weltläden, der tatsächlich etwas verändern will, wurde er mit herzlichem Applaus begrüßt. Seine Worte über Entwicklungspolitik sind an Deutlichkeit kaum zu übertreffen und könnten geradewegs aus dem Grundsatzprogramm der Weltläden stammen. Sätze wie „Der Markt braucht Regeln, weil freier Markt die Ausbeutung von Mensch und Natur bedeuten“ und „Fairer Handel statt freier Handel“ oder „Hirn einschalten beim Einkauf, denn Geiz ist nicht geil!“ sind aus dem Mund eines Ministers eher selten zu hören.

Müller hat sich persönlich in Afghanistan, Pakistan und Bangladesh informiert und daraufhin das Textilbündnis gegründet. Anfangs als Spinnerei verhöhnt, ist es inzwischen doch gelungen, etwa die Hälfte der Textilkonzerne dafür zu gewinnen. Sie sind nun bereit, Verantwortung zu übernehmen und gegen die krasse Ausbeutung anzugehen. Ziel des Bündnisses ist es beispielsweise, den Näherinnen einen existenzsichernden Lohn zu zahlen, die Produktion transparent zu machen, ökologische Grundstandards einzuhalten und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten ernstzunehmen. Erst kürzlich hat Müller unter vier Augen mit einer der Näherinnen gesprochen, die ihm verbesserte Arbeitsbedingungen bestätigt hat.

Weshalb kann sich die andere Hälfte der Textilhersteller in Deutschland nicht dazu entschließen, Verantwortung zu übernehmen? Verantwortung für die Produktionsbedingungen in den Billiglohnländern, in denen die Kleidung hergestellt wird? Rosalie Nold, Vorsitzende des „Eine Welt Partnerschaft Trägervereins „des Weltladens Füssen, stellte in ihrer Rede klar: Sie setzen Profit über Menschenrechte.

Über die Webseitewww.iller-lech-traegt-fair.de kann sich jeder und jede über Geschäfte in der Region informieren, die fair und ökologisch hergestellte Kleidung anbieten. Die „Kerber-Brothers“ unterstützten mit ihrer Musik die Kampagne und wurden fast so heftig beklatscht wie der Minister und Ewald Lorenz-Haggenmüller, der den Weltladen Kempten vertrat.

Elisabeth Brock

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