Nur wenig Spielraum

Bis spätestens 2020 soll Kempten Vorbild für andere Städte in Sachen Klimaschutz sein. So sieht es zumindest die Agenda von OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) mit ihren fünf strategischen Zielen vor (der KREISBOTE berichtete). Dass die Allgäu-Metropole dabei durchaus auf einem guten Weg ist, zeigte sich unlängst im Stadtrat. Deutlich machte die Debatte aber auch, dass die Politik trotz aller Lippenbekenntnisse auf Klima- und Umweltschutz einen nur sehr begrenzten Einfluss hat. Trotzdem oder gerade deswegen einigte sich das Stadtparlament einstimmig auf das vorgelegte Konzept.

Im Schnitt 10,8 Tonnen CO2 verursacht durchschnittlich jeder Kemptener pro Jahr. Das geht aus der Energie- und CO2-Bilanz hervor, die ein Allgäuer Energieberater jetzt im Stadtrat präsentierte. Das bedeute zwar eine Absenkung des CO2-Ausstoßes um zwei Prozent im Vergleich zu 1990. Trotzdem liegen die Kemptener damit über dem Bundesdurchschnitt von 10,4 Tonnen pro Einwohner und Jahr. Ursache dafür sei jedoch nicht der verschwenderische Umgang der Kemptener mit ihren energetischen Resourcen, sondern die gute wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre. „Die hohe Wirtschaftskraft und die damit verbundene Ansiedlung energieintensiver Industrien haben zur Folge, dass sich der Energieverbrauch der Wirtschaft mit einem Anteil von circa 40 Prozent statistisch beim Pro-Kopf-Verbrauch deutlich niederschlägt“, heißt es in der Energiebilanz. An dieser Stelle zeigt sich nun das Problem der kommunalen Politik. Claus-Dieter Jaskolka, Leiter des städtischen Umweltamtes, ist in seiner Sitzungsvorlage ebenfalls darauf eingegangen und hat es klar formuliert: „Gerade die Tatsache, dass allein die fünf größten industriellen Stromverbraucher in Kempten etwa 25 Prozent des gesamten Stroms der Stadt benötigen“, so Jaskolka, „zeigt, dass es Handlungsfelder gibt, an denen nicht ohne weiteres angesetzt werden kann ohne mit anderen strategischen Zielen – etwa der wirtschaftlichen Weiterentwicklung oder der Schaffung eines ausgeglichenen Haushalts – zu kollidieren.“ Und da der kommunale Anteil an der Kemptener CO2-Bilanz gerade einmal zwei Prozent ausmache, so der Leiter des Umweltamtes, bleibe der Stadt im Endeffekt nichts weiter übrig als „als Triebfeder und koordinierende Stelle für Klimaschutzmaßnahmen auch bei privaten Haushalten und der gewerblichen Wirtschaft ihrer Vorbildwirkung bewusst werden.“ Energieteam kommt Welche Handlungsfelder und Maßnahmen jedoch Erfolg versprechend umgesetzt werden können, wo Einflussmöglichkeiten der Stadt bestehen und wie hoch der Aufwand jeweils zum Erfolg ist, soll ein Klimaschutzkonzept aufzeigen, auf das sich die Stadträte schließlich einstimmig einigten. Zunächst soll zwecks Koordinierung ein „Energieteam“ gegründet werden. Handlungsfelder des Konzepts könnten unter anderem die Bereiche „Entwicklungsplanung und Baubewilligung“, „Kommunale Bauten und Anlagen“, „Interne Organisation“ oder „Bewusstseinsbildung, Motivation und Kooperation“ sein. Die Aufstellung des Konzepts wird wohl ein Jahr dauern.

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