Stadträte kritisieren fehlende Unterstützung für Krankenhäuser

Schuld ist die Politik

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Die umfangreichen Baumaßnahmen bestimmten 2012 den Krankenhausalltag.

Kempten – Mehr Patienten mit schlimmeren Erkrankungen haben in 2012 zu einem deutlichen Anstieg der Case-Mix-Punkte und damit der Vergütungen des Klinikums Kempten geführt. „Eine sehr erfreuliche Entwicklung“, frohlockte Klinikverbunds-Geschäftsführer Andreas Ruland am Donnerstag bei der Vorstellung des Beteiligungsberichts 2012 im Stadtrat.

Dennoch schloss das Krankenhaus das Geschäftsjahr mit einem Minus ab. Und auch heuer deutet wenig auf ein besseres Ergebnis hin. 

Ein Tag nachdem die Kliniken im Landkreis und Kempten fusioniert sind (siehe Bericht Seite 2), stellte Geschäftsführer Andreas Ruland die Bilanz für 2012 vor. Bei einem Gesamtumsatz des Klinikums Kempten von rund 84,4 Millionen Euro in 2012 (2011: 74,2 Millionen) betrug das Defizit rund eine halbe Million Euro. Im Jahr zuvor waren es 726 000 Euro. Für dieses Jahr geht Ruland erneut von einem negativen Ergebnis aus. „Rein wirtschaftlich betrachtet tut sich dadurch gar nicht so viel“, spielte er auf die Auswirkungen der „Einhäusigkeit“ an. „Diese kommt vor allem den Patienten zugute.“ 

Mit ein Grund für das bessere Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr ist die erwähnte Steigerung der Fallzahlen von 23 949 auf 24 730 Fällen und die damit einhergehende höhere Vergütung. Auf der Ausgabenseite schlagen neben den Kosten für die „Einhäusigkeit“ (der Kreisbote berichtete) vor allem die Personalkosten mit 56,8 Millionen Euro (2011: 50,9 Millionen) sowie Investitionen in Höhe von 23 Millionen Euro zu Buche. Im Klinikverbund sieht es dagegen ein wenig besser aus. So konnte in 2012 bei einem Gesamtumsatz von rund 150 Millionen Euro ein Gewinn von 100 000 Euro verbucht werden. Grundsätzlich, so Ruland, werde die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben aufgrund der politischen und strukturellen Rahmenbedingungen künftig noch weiter auseinander gehen. In diesem Zusammenhang kritisierte er vor allem den Rückgang an staatlichen Investitionsförderungen. „Die Zitrone ist ausgepresst“, betonte der Geschäftsführer. „Pauschale Fördermittel reichen aus, um das bewegliche Anlagevermögen alle 15 Jahre zu erneuern“, rechnete er vor. „Werden die Finanzierungsstrukturen so weiter getrieben, werden wir der Verantwortung nicht mehr gerecht werden können“, warnte Stadtrat und Aufsichtsratsmitglied Thomas Hartmann (Grüne) vor den Folgen der derzeitigen Gesundheitspolitik. 

Nach Ansicht von OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) sei mit der Fusion der richtige Schritt gemacht worden, um den Herausforderungen begegnen zu können. Das bestätigte auch CSU-Stadtrat Josef Leonhard Schmid: „Wir haben eine mutige Entscheidung getroffen und sind zu guten Ergebnissen gekommen“, sagte er.

Matthias Matz

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