Experiment: Großstadtmodell funktioniert in Kempten einfach nicht

"Coworking" kommt nicht an

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Andrea Schneider (v.l., Denkfabrik Allgäu), Stefan Hodrius, Thomas Herzhoff (Isenhoff Design), Emina Sendic, Simon Schnetzer (datajockey), Karin Kern (Teilnehmerin der Online Befragung und Gutschein-Gewinnerin) und Stefanie Fahrner (Online Marketing & Webdesign) stellen die Ergebnisse ihres Projekts vor.

Kempten – Simon Schnetzer, Mitinitiator des „Coworking-Projektes” in Kempten steht vor den Teilnehmern der Pressekonferenz und erläutert die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie, die er und sein Team in der Projektphase ermittelt und ausgewertet haben.

Dabei erinnert Simon Schnetzer an den medizinischen Kabarettisten Dr. Eckhart von Hirschhausen. Der versteht es auch, eher unangenehme Diagnosen seinem Publikum fröhlich zu vermitteln. 

„Coworking” bedeutet „Zusammen arbeiten” und es bezieht sich auf einen Trend, Jungunternehmern gegen eine geringe Nutzungsgebühr einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. Hier kann sich jeder der mag mit seinem Rechner an einen der Mietschreibtisch setzen, seinen Laptop ans Netz anstöpseln und loslegen. Wer mag, schließt Kontakt mit Gleichgesinnten am Nachbarplatz und kann Kontakte knüpfen. Im Idealfall entsteht ein Netzwerk, in dem man gemeinsam geschäftliche Projekte angeht. 

Unprätentiös könnte man das Projekt auch so beschreiben: „Fremde arbeiten zusammen in einem Großraumbüro mit dem Ziel, gemeinsam etwas zu bewirken”. Das Interesse seitens der Jungunternehmer war laut der Projektbetreiber von Anfang an sehr groß, gemäß dem Motto: „Wenn Kempten nicht noch mehr junge kreative Köpfe verlieren möchte, sollte die Stadt etwas tun.” 

Gesagt getan, es wurde für die Zeit der Projektphase ein Raum in der Burgstraße zur Verfügung gestellt und das große „Coworking-Experiment” konnte nach einem Infoabend vor rund sechs Wochen beginnen. 

Neues Konzept muss her 

Das Team um Andrea Schneider von der „Denkfabrik Allgäu” und Simon Schnetzer, 32 Jahre jung und Dozent für Unternehmensgründungen an der Hochschule, wollten wissen, ob dieser neue Arbeitstrend zur vertieften Zusammenarbeit auch in der „Allgäu-Metropole” seine Freunde findet. 

Ziel war es dabei, Selbständige auch in der ländlichen Diaspora für das Projekt zu gewinnen. Das Fazit fiel bei den Beteiligten aber eher verhalten aus: Gut besucht war das „Coworking-Experiment” beim „Free Business Breakfast”, ansonsten war eine Videoüberwachung zum Schutz vor Diebstahl der aufgestellten Kaffeemaschine nicht von Nöten. Die meist zu zweit eingesetzten Projektbegleiter vor Ort hatten den Betrieb nach eigener Aussage jedenfalls im Griff. 

Simon Schnetzer stellte noch ein paar interessante Fakten vor: Mehr Männer als Frauen zeigten Interesse an „Coworking-Arbeitsplätzen”, 76 Prozent haben keine Erfahrung mit Coworking, aber immerhin 86 Prozent finden, dass Kempten durchaus „Coworking-Arbeitsplätze” braucht. So fasste am Ende seiner Ausführungen Simon Schnetzer das „Coworking-Projekt” mit den Worten zusammen: „Kempten braucht Coworking, aber mit einem anderen Konzept!” Schnetzer denkt dabei zum Beispiel an eine andere Immobilie, beispielsweise an kaum genutzte Räume in zentral gelegenen Museen, in denen man Einzelbüros für Selbständige anbieten könnte. 

Das Kemptener Amt für Wirtschaftsförderung zeige aber nach seiner Einschätzung wenig Interesse an weiteren Projekten, wolle man doch nicht einige wenige Selbstständige mit günstigen Büromieten besserstellen.

Jörg Spielberg

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