Parteien frustriert über Wahlbeteiligung

Wo ist der Wähler?

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Die Lenzfrieder Musikkapelle begrüßt ihr Mitglied und neuen Kemptener Oberbürgermeister Thomas Kiechle vor dem Vereinsheim.

Kempten – Dass die Stimmung bei der Wahlparty der CSU im Vereineheim Lenzfried am ausgelassensten war, liegt in der Natur der Sache – beziehungsweise des Sieges. Zumindest Thomas Kiechle hatte diesen am frühen Abend bereits in der Tasche, während die Stadtratskandidaten noch die Auszählung verfolgten.

„Überwältigt“ vom Ergebnis machte Kiechle den Erfolg an einer Mischung aus verschiedenen Dingen fest, unter anderem an der Unterstützung durch die FW, aber auch an der Tatsache, dass es hier um eine „Persönlichkeitswahl“ gegangen sei, bei der er offensichtlich überzeugt habe. „Ausdrücklich“ dankte er den Mitbewerbern für den „sehr fairen Wahlkampf“, den er als „gute Voraussetzung“ für die künftige Zusammenarbeit sehe. 

Über die Wahlbeteiligung könne man natürlich lamentieren, meinte er. Aber Kempten liege da im „bayernweiten Trend“. Es werde „immer schwieriger, Menschen zum Wählen zu bewegen“. Deshalb müsse Politik verständlicher werden. Demokratie müsse aber „täglich neu erarbeitet und gelebt werden“. 

Stadtrat Harald Platz zeigte sich über die mit 41,44 Prozent bislang niedrigste Wahlbeteiligung „erschüttert“. Er könne sich das nicht erklären und bei dem hohen Anteil an Briefwählern sei auch die Ausrede, keine Zeit zu haben, nicht haltbar. Auch „Politikverdrossenheit ist mir zu abgedroschen“, beobachte er sonst ja durchaus politisches Interesse bei den Menschen. 

Wenig los war bei der Wahlparty der SPD im Café Zimmermann. Das lag aber nicht an „Katerstimmung“, sondern daran, dass „viele von uns noch beim Auszählen sind“, so Stadträtin Ingrid Vornberger. Als „katastrophal und enttäuschend“ bezeichnete Martin Bernhard die Wahlbeteiligung. Er vermutet die zu schwache „Differenzierung bezüglich der Inhalte“ als zumindest eine Ursache. Gespannt wurde die Auszählung für den Stadtrat verfolgt. Da die Tendenz nach den ersten Stimmbezirken für die SPD doch erfreulich ausfiel, war die Stimmung im Raum entsprechend. 

Auch wenn es zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar war, zeigten Katharina Schrader und Ilknur Taghanli Optimismus: sie überreichten Bernhard eine rote Krawatte „für seine erste Stadtratssitzung“. 

„Entspannt“ war die Stimmung laut Ullrich Kremser bei der FDP, die sich in der „Alten Schmiede“ versammelt hatten. „Wir hatten uns sicher ein paar Prozentpunkte mehr erhofft“ gestand er. Es sei eine „Parteien-, keine Persönlichkeitswahl gewesen“ und „Spiegelbild der Landtagswahl, so seine Einschätzung.

Christine Tröger

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