Vernetzung schreitet voran

Weniger Papier, mehr Digital: Interreg-Projekt Smart City Kempten vorgestellt

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Kempten – Eine „Premiere“ nannte Dr. Richard Schießl, Referent für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung in der vergangenen Stadtratssitzung den Tagesordnungspunkt „Handlungskonzept Smarte Region Allgäu“,

unter dem er zusammen mit AllgäuNetz-Geschäftsführer Volker Wiegand erste Ergebnisse eines Interreg-Projektes im Stadtrat vorstellte.Vor dem Hintergrund, dass die Digitalisierung für alle Akteure in einer Stadt und Stadtgesellschaft eine Herausforderung mit rasantem Wandel darstellt, hat sich die Stadt Kempten gemeinsam mit AÜW (Allgäuer Überlandwerk), ZAK (Zweckverband für Abfallwirtschaft), Sozialbau, AllgäuNetz sowie der Gemeinde Mittelberg im Kleinwalsertal in mehreren Arbeitsworkshops mit dem Thema Smart City bzw. Smart Region auseinandergesetzt.

Das Ergebnis daraus soll vom SmartCity Institut Stuttgart ausgearbeitet werden. Schießl betonte, dass man noch „ganz am Anfang von Smart City“ stehe, es aber bereits klar sei, dass sich in Städten und Kommunen „gewaltig viel verändern wird in den nächsten Jahren“. Ein Aspekt davon sei die „Dematerialisierung“, wie das Verschwinden von Landkarten oder anderer gedruckter Dokumente. Eine eindeutige Definition des Begriffs Smart City gibt es laut Schießl nicht. Prinzipiell gehe es um die „Vernetzung von Informationen und von Kommunikation“ mit dem Ziel, eine ökologisch und ökonomisch nachhaltigere Stadtentwicklung zu ermöglichen. Ein wichtiger Aspekt dabei sei, dass die Aktionsfelder einer Smart City, wie Energie, Mobilität, Stadtplanung, Verwaltung und Kommunikation, „eine Verbesserung der Lebensqualität“ bringen soll. AllgäuNetz-Geschäftsführer Volker Wiegand stellte die Schwerpunktthemen vor, die im Rahmen von drei Workshops erarbeitet wurden. 

• Energie: Als Fundament für Smart-City-Bestrebungen müsse eine urbane Energiewende erfolgen, weshalb das AÜW sich bereits seit geraumer Zeit mit entsprechenden technischen Möglichkeiten und Entwicklungen beschäftige. Aktivitäten des AÜW, die mit einem Smart-City-Ansatz kompatibel sind, seien unter anderen virtuelle Kraftwerke inklusive Vermarktung großer Erzeuger; Laststeuerung, autarke Arealnetze oder intelligente Stromnetze (Smart-Grid-Anwendungen). 

• Services (Metering): Darunter fallen differenzierte Serviceleistungen für Einheimische und Gäste, u.a. durch die Installation von Selbst-Checkin-Terminals in der Hotellerie; die Integration und Weiterentwicklung von alltagstauglichen Assistenzlösungen für ein selbstbestimmtes Leben, wie sie die Sozialbau bereits vorantreibt; durch eine gemeinsame digitale Plattform für Stadtbewohner und Besucher für Infos und Dienstleistungen oder auch Smart-Metering-Angebote in verschiedenen Bereichen. 

• Mobilität: Hier wurden u.a. Ideen entwickelt bzgl. der Förderung neuer Antriebstechnologien für den städtischen Fuhrpark; für integrierte Parkraumbewirtschaftung, Fahrplanflexibilisierung im ÖPNV mit besserer Taktung zu Randzeiten und angepassten Fahrzeuggrößen; auch der Einsatz autonomer Fahrzeuge im ÖPNV oder die intelligente Lenkung von Verkehrsströmen waren/ sind Themen. Grundlage intelligenter Vernetzung sind sichere und hochleistungsfähige Informationsund Kommunikationstechnologie(IKT)-Plattformen, für die es neben den zu schaffenden technischen Voraussetzungen auch entsprechende Leitlinien zur Datensicherheit und rechtlichen Rahmenbedingungen geben soll; das besonders in den als „kritische Infrastrukturen“ eingestuften Bereichen Energie, Gesundheit, Verkehr, Bildung und Verwaltung. Insgesamt, so Wiegand, sei Datenschutz und Datensicherheit „ein Riesenthema“. 

Gefördert wird das Erarbeiten des Konzepts als Interreg-Projekt aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung.In den nächsten Wochen will die Verwaltung eine Vorlage zum weiteren Vorgehen für eine integrierte Smart-City-Strategie erarbeiten. „Die Menschheitsgeschichte hat immer wieder Quantensprünge gezeigt“, meinte Siegfried Oberdörfer (SPD) nach dem Vortrag. Wichtig sei jetzt, dass man den Ängsten der Menschen mit Information und Transparenz begegne. Die Digitalisierung eröffneten eine Menge Chancen, „aber man darf auch die Gefahren nicht verschweigen“. Erna-Kathrein Groll (Die Grünen) betonte, „je eher wir uns dem Thema stellen, umso mehr können wir gestalten“. Aber man dürfe dabei nicht vergessen, auch die Menschen „mitzunehmen“, die vielleicht gar kein Smartphone besäßen. 

Christine Tröger

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