Wenn sich keiner kümmert

Geschwisterkinder – mal ein Herz und eine Seele, mal können sie sich gegenseitig nerven. Das ist auch bei Geschwistern so, bei denen ein Teil eine Behinderung hat. Inzwischen gibt es Projekte und Maßnahmen, die die nicht behinderten Geschwisterkinder mal in den Fokus nehmen. Foto: privat

Geschwister können ganz schön nerven! Schwestern oder Brüder mit einer Behinderung sind davon nicht ausgenommen. Allerdings wird von den „gesunden“ Geschwistern immer wieder aufs Neue Rücksichtnahme, Verständnis, Fürsorge erwartet, weil es die kleine Schwester oder der große Bruder aufgrund der Behinderung schwerer hat. Da kann leicht mal das Gefühl entstehen: „… und um mich kümmert sich keiner.“ Das ist auch das Thema der Veranstaltung am kommenden Samstag, 26. November, ab 14 Uhr in der Aula der Astrid-Lindgren-Schule, organisiert von der Bildungs- und Erholungsstätte Langau e.V. zusammen mit dem Verein Körperbehinderte Allgäu e.V.

„…und um mich kümmert sich keiner“ ist gleichzeitig der Titel eines Buches, geschrieben von Ilse Achilles. Die Münchner Journalistin und Mutter von zwei Töchtern und einem behinderten Sohn lebt diese Lebenssituation hautnah und wird mit den Teilnehmern darüber diskutieren, woran es liegen kann, wenn Geschwisterkinder sich positiv oder negativ entwickeln. "Einfach überfordert" Wenn man von Geschwisterkindern redet, hat man meist automatisch Kinder und Jugendliche im Kopf, aber: „Auch Erwachsene sind Geschwister – und können in Situationen kommen, in denen sie einfach überfordert sind“, weiß Sonja Richter. Die Sozialpädagogin ist in der Langau Referentin für Geschwisterkinder und hat mit dem 1. Oktober einen regionalen Beratungsdienst für die Belange von Geschwisterkindern, deren Eltern und Angehörige aufgebaut. Generell beschäftigt sich die Bildungs- und Erholungseinrichtung mit dem Thema „Geschwisterkinder“ schon seit Mitte der 90er Jahre. Immerhin besteht ein Risiko von 60 Prozent, dass gesunde Geschwisterkinder durch die Belastung selbst krank werden können. „Bei den Treffen gibt es kein Tabu, kein Stigma, aber absolute Verschwiegenheit. In diesem vertrauensvollen Raum dürfen Geschwisterkinder wertfrei sein, müssen nicht funktionieren, nicht die große Schwester sein“, informiert Richter. Die Zusammenkünfte mit Gleichgesinnten bringen die Erkenntnis – andere machen ähnliche Erfahrungen. Sie übernehmen Verantwortung in der Familie, funktionieren, erleben Freunde anders. „Wer meine behinderte Schwester ablehnt, der ist nichts für mich“, brachte es ein 16-jähriger Jugendlicher auf den Punkt. Oftmals „überholt“ man seinen behinderten Bruder oder die Schwester in der Entwicklung, wird vom (gesunden) Nesthäkchen für die Eltern doch die „Große“, die Verantwortung tragen kann. „Geschwisterkinder lernen bereits früh, verantwortlich zu sein“, erläutert Ursula Ullemair vom Verein Körperbehinderte Allgäu. Ein- bis zweimal jährliche Erlebnispädagogik, gepaart mit Gesprächen, bietet den Geschwisterkindern beispielsweise vor Ort Hilfe und Tipps. Auch die Veranstaltung mit Ilse Achilles hat dieses Ziel. Sonja Richter: „Wir wollen gemeinsam Geschwisterkindern und Eltern zur Seite stehen. Wenn es allen Familienmitgliedern gelingt, sich mit ihren Gefühlen und Wünschen offen und wertfrei voreinander zu zeigen, ist der erste Schritt zur Veränderung getan.“ Für den Nachmittag zum Thema „Geschwisterkinder“ mit Ilse Achilles am kommenden Samstag, 26. November, ab 14 Uhr in der Astrid -Lindgren-Schule wird um Anmeldung gebeten, und zwar entweder unter geki@langau.de, Sonja Richter 08862/91 02 21 oder ursula.ullemair@koerperbehinderte-allgaeu.de, Ursula Ullemair 0831/51 23 91 80.

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