"Wer nimmt das Geld in die Hand?"

Kulttreffpunkt für Jung und Alt: Das Kemptener Künstlerhaus in der Beethovenstraße. Wie es weitergeht, ist derzeit noch völlig offen. Foto: Matz

Der Illerkauf ist bereits aus seinem Dornröschenschlaf geweckt, der Umbau von Quelle- und SinnLeffershaus nehmen langsam aber sicher Gestalt an und in Sachen Zentralhaus sind die Weichen ebenfalls gestellt. Keine Frage, im Bereich des vor zwei jahren bereits totgesagten Freudenbergs kehrt neues Leben ein. Damit rückt auch ein Gebäude wieder in den Blickpunkt, um das es bei allen Diskussionen um den Freudenberg in der Vergangenheit auffällig ruhig blieb – das Künstlerhaus, besser bekannt als Künstlercafè. Da der aktuelle Pachtvertrag nur noch bis Ende des Jahres läuft, weckt das historische Gebäude in städtischem Besitz und prominenter Lage Begehrlichkeiten. Doch kampflos wollen die beiden jetzigen Betreiber allerdings nicht aufgeben.

„Interessenten gibt es derzeit zu genüge. Wir haben quasi alle Bereiche im Angebot“, sagt Dr. Richard Schießl, Leiter des städtischen Wirtschaftsreferats, wenn man ihn auf das Künstlerhaus anspricht. „Hier kommen jeden Abend Leute rein, die ihr Leben für das Künstlercafè geben würden“, sagen dagegen Marc Först (27) und Tommy Leibfried (25), die Betreiber der Bar. Die beiden gehören zu diesen Leuten. „Wir hängen einfach an dem Laden“, sagen die beiden Kemptener Studenten, die als Nebenjobber im „Künstler“ angefangen haben. Deshalb wollen sie den Pachtvertrag mit der Stadt mindestens bis 2015 verlängern und so den Weiterbetrieb der Kultbar sichern. „Man sollte uns mehr Spielraum geben“, sind sie überzeugt. Einen Tätigkeitsbericht mit Zukunftsplänen wollen sie daher Ende August bei Dr. Schießl vorlegen. „Das Haus hat einen kulturellen Wert und wir haben uns definitiv die Kultur auf die Fahnen geschrieben“, betont Först. Allerdings müsse dabei auch über die Sanierung des maroden Gebäudes gesprochen werden. So planen die beiden Studenten unter anderem mit dem Einbau neuer Böden, neuer Toiletten und neuer Wände. Während die beiden Studenten mit Leidenschaft ihr Ziel verfolgen und notfalls gar eine Petition aufsetzen wollen, betrachtet man die Zukunft des Gebäudes in der Stadtverwaltung nüchterner. „So, wie es ist, ist es eine tolle Geschichte. Aber über kurz oder lang muss sich etwas tun“, so Wirtschaftsreferent Dr. Richard Schießl. „Aber Zeitdruck haben wir derzeit keinen, denn das Künstlerhaus funktioniert gut und ist ein gutes Angebot für bestimmte Zielgruppen.“ Angebote prüfen Wichtiger sei im Moment, die umliegenden Baustellen zum Abschluss zu bringen. Sei das geschehen, werde aber das Künstlercafè zweifelsohne in den Blickpunkt rücken, so Schießl weiter. Vor allem werde sich dann die Frage stellen: Behält die Stadt das Gebäude und verkauft sie es an einen Investor. „Zur gegebenen Zeit muss eine Grundsatzentscheidung her, was machen wir damit“, betonte Schießl. Das sei aber vor allem Sache der Politik. Interessenten gebe es bereits jetzt mehr als genug, so Schießl am Freitag gegenüber dem KREISBOTEN. „Wir haben dabei alles im Angebot“, sagte er. Die müssten jetzt in aller Ruhe überprüft werden – auch der Planungsbericht von Leibfried und Först. „Das sehen wir uns an und nehmen es in unsere Überlegungen mit auf“, so Schießl. Fest stehe allerdings jetzt schon, dass am Zustand des Gebäudes etwas getan werden müsse. „Das Gebäude muss gepflegt und instandgehalten werden“, mahnte der Wirtschaftsreferent. „Da müssen wir irgendwann ran – und dann stellt sich die Frage: Wer nimmt das Geld dafür in die Hand?“ "Eigener Charme" Diese Fragen stellen sich wohl auch Marc Först und Tommy Leibfried. Nach eigenen Angaben haben sie aber bereits die Zusicherung einer heimischen Brauerei, sie beim Umbau zu unterstützen. Auch ein heimischer Bäcker habe bereits seine Zusammenarbeit signalisiert. „Das Künstlercafè hat schließlich seinen ganz eigen Charme“, schwärmen die beiden Allgäuer Studenten. Die Schwierigkeiten ihres Vorhabens sind den beiden bewusst: „Den Betrieb bis 2015 zu sichern, wird nicht leicht.“ Und wie sieht es damit aus, das Künstlercafè an anderer Stelle unter gleichem Namen weiterführen? Davon halten die zwei Freunde nicht allzu viel. „Möglich wäre es, aber schwierig“, sagt Leibfried. Wie gesagt: Das „Künstler“ hat seinen ganz eigenen Charme.

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