Experimentierfreudige Marktplaner

Der Werkausschuss berät über die Organisation des Wochenmarkts unter Corona-Bedingungen

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Kempten – In gut einem Monat, am 15. November, wird der Wochenmarkt turnusmäßig in die Markthalle umziehen.

Anders als bisher, dürfen während der Pandemie dort aber nicht 30, sondern nur zehn bis zwölf Verkaufsstände überwintern. Martina Dufner-Wucher, Geschäftsführerin des städtischen Messe- und Veranstaltungs-Betriebs, berichtete, nachdem man alle Marktbeschicker angeschrieben und die notwendigen Veränderungen mit ihnen abgestimmt habe, sei die Planung weitgehend abgeschlossen: In der Halle werden die Obst- und Gemüsehändler unterkommen, um ihre besonders kälteempfindlichen Waren vor der Witterung zu schützen.

Die übrigen Händler verteilen ihre Stände im Freien vor der Halle, um den Pavillon im Stadtpark und „in Richtung Finanzamt“. Dafür wird die Straße „Am Königsplatz“ an Markttagen gesperrt werden. Die Auflagen des Ordnungsamtes legen außerdem fest, dass sich in der 590 Quadratmeter großen Markthalle maximal 59 KundInnen gleichzeitig aufhalten dürfen. Wie die Besucherzahlen überwacht und bei Bedarf reguliert werden sollen, ist noch nicht entschieden. 

Dufner-Wucher erwägt, eine bestimmte Anzahl von Einkaufskörben bereitzustellen und nur so viele Kunden zeitgleich einzulassen wie Körbe vorhanden sind. Ob die Infektionsschutzregeln eingehalten werden, sollen zumindest vorerst die MitarbeiterInnen des Messe- und Veranstaltungs-Betriebs kontrollieren. Ab und zu werde auch das Ordnungsamt Kontrolleure vorbeischicken. Oberbürgermeister Thomas Kiechle (CSU) betonte, es gelte der Grundsatz: „So viel Normalität wie möglich.“ 

Der Beauftragte für Stadtmarketing, Joachim Saukel (FW), hakte nach, ob man bei großem Kundenandrang nicht einen Sicherheitsdienst bräuchte, um den Zugang zur Halle zu regeln. Mit der Zeit werde man ein Gespür dafür bekommen, ob und wann der Einsatz eines Sicherheistdienstes notwendig sei, meinte Dufner-Wucher. Zunächst aber wolle man darauf verzichten und sehen, wieweit man ohne zurechtkomme, denn schließlich sei das auch eine Kostenfrage. Auch der nächste Tagesordnungspunkt beschäftigte sich mit der zukünftigen Gestaltung des Wochenmarktes. 

FDP-Stadtrat Ullrich Kremser hatte im Mai beantragt, dass der Markt auch nach dem Ende der Corona-Pandemie nicht nur auf dem Hildegardplatz, sondern weiterhin auch im Stadtpark stattfinden solle. Er erzählte, dass sehr viele Leute ihm gegenüber diesen Wunsch geäußert hätten, und betonte, dass „der Charme des Marktes“ durch die Ausweitung „deutlich gewachsen“ sei. Dufner-Wucher stellte klar, dass dies im kommenden Jahr nicht möglich sein werde, da ab Februar 2021 auf der Zumsteinwiese größere Bauarbeiten stattfänden. Kremser bemerkte dazu, die für diesen Bereich vorgesehene Grünfläche mit Sitzsteinen oder einer Sitzmauer zu versehen, sei „nicht ideal, auch nicht für die Festwoche“, und regte an, die Pläne für die Neugestaltung der Zumsteinwiese zu überdenken. 

Der Festwochenbeauftragte Hans-Peter Hartmann (FW) unterstützte den Antrag: Corona habe an sich „nichts Gutes gebracht“, aber ohne die unumgänglichen Abstandsregeln wären die Marktbeschicker mit der gelungenen Ausweitung des Wochenmarktes wohl „nie einverstanden“ gewesen, und insofern böte die Zwangslage auch neue Chancen. Angesichts der Umbaumaßnahmen von Sparkasse und Tiefbauamt stellte sich den Ausschussmitgliedern auch die Frage, wie der Wochenmarkt in der kommenden Sommersaison ab 1. April unter andauernden coronabedingten Einschränkungen gestaltet werden könnte. Da die Flächen über der Sparkassen-Tiefgarage nicht zur Verfügung stehen werden, müssten die Stände andernorts in angemessenen Abständen verteilt werden. 

Der Werkausschuss sammelte Ideen für alternative Standorte: auf den Grünflächen vor der Residenz könne man eventuell Marktstände platzieren und Matten auslegen, um den Rasen zu schonen; auch künftig könne man den Bauernmarktplatz am Anna-Schwegelin-Brunnen nutzen; denkbar sei auch, den Wochenmarkt in die Gerberstraße hinein auszudehnen. Gerti Epple (Bündnis 90/Die Grünen) erinnerte daran, dass vor kurzem, am alljährlich stattfindenen Parking Day, AktivistInnen die Parkplätze entlang der Langen Stände besetzt und mit Pflanzen, Sitz- und Spielgelegenheiten zum Verweilen eingeladen hätten. Sie regte an, die Straße entlang des Residenzplatzes an Markttagen zu sperren oder als Einbahnstraße auszuweisen und die Parkplätze für Verkaufsstände zu nutzen. Hartmann gab zu bedenken, dass diese Lösung für den Stadtbusverkehr „sehr schwierig“ wäre.

Abschließend einigten sich die Ausschussmitglieder darauf, vorerst keinen Beschluss zu fassen. Man werde den Antrag und die übrigen Anregungen aufnehmen und bei der weiteren Planung des Wochenmarkts bedenken. Kiechle mahnte, der Kemptener Wochenmarkt sei „ein sensibles Produkt“, mit dem sich die Händler aus der Region stark identifizierten, und „bayernweit herausragend“. 


Antonia Knapp

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